Buchtipp: Musikgeschichte & Gender auf der Bühne
Billie Holiday, Édith Piaf, Claire Waldoff – Chanson- und Jazzsängerinnen sind beliebte Sujets des populären Musiktheaters. Bei solchen Produktionen beschäftigen sich die Theaterakteur*innen mit Musikgeschichte, aber auch mit der Genderperformance der dargestellten Musikerin: Sie denken über Selbstinszenierung, Leben und Musik der historischen Person, aber auch über (Musik-)Geschichtsschreibung nach. Mit ihrer Dissertation „Musikgeschichte und Gender auf der Bühne – Historische Chanson- und Jazzsängerinnen im populären Musiktheater“ setzt Clémence Schupp-Maurer diese Auseinandersetzung in den wissenschaftlichen Fokus. Mit einer innovativen Methode, die Ansätze aus der Ethnologie, Theaterwissenschaft und Musikwissenschaft kombiniert, analysiert sie, wie Musikgeschichte und Genderkonzepte auf der Bühne entstehen.
Mitarbeiter*in im Bereich Wissensvermittlung und Weiterbildung gesucht (Uni Wien)
In der Stabstelle Gleichstellung, Gender und Diversität (GGD) der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ist voraussichtlich ab 16. Juni 2025 eine unbefristete Stelle als Mitarbeiter*in im Bereich Wissensvermittlung und Weiterbildung in der Stabstelle Gleichstellung, Gender und Diversität (15 WStd.) zu besetzen. Die Stabstelle verfolgt die Vermittlung von Gender- und Diversitätswissen sowie den Aufbau von Gender- und Diversitätskompetenz, die Verankerung von Gender Studies in den Studienplänen sowie die Inklusion von Gender- und Diversitätsfragen in die gesellschaftspolitischen Zielsetzungen der mdw. Bewerbungsfrist: 21.04.2025
Die Billige Gala 13.03.2025 @Heimathafen, Berlin
Lindemann, R. Kelly und P. Diddy zeigen, die Musikindustrie ist noch weit weg davon, das egalitäre, glitzernde Paradies zu sein, dass sie vorgibt. Auch post #MeToo kämpfen wir weiterhin mit männerdominierten Strukturen, Genderungerechtigkeit und undurchsichtigen Machtgefällen. Zeit, dass sich daran endlich etwas ändert! Eine Kooperation aus Bande, fæmm, MEWEM, Music is her Passion, Music Women* Germany u.a. veranstaltet am 13.03.2025 „Die Billige Gala“ im Heimathafen Neukölln. Angekündigt ist ein voller konstruktiver Kritik, Wut und Empowerment und es sollen Missstände angesprochen und Vorurteile ausgehebelt werden. Euch erwartet eine exklusive Premierenlesung aus dem Buch „Billige Plätze. Gender Macht und Diskriminierung in der Musikindustrie“, in dem sich Autorin Rike van Kleef ausführlich mit den sexistischen Strukturen in der Musikbranche auseinandergesetzt hat, sowie eine Reihe an Special Guests und musikalischen Highlights.
60 Jahre Jazzfest Berlin: Broschüre steht kostenfrei zum Download bereit
Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Jazzfest Berlin wirft ein Jubiläumsmagazin einen vielschichtigen Blick auf die Geschichte des Festivals. Im Mittelpunkt stehen die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler*innen und Studierenden des Jazzfest Research Lab, die das Festivalarchiv untersucht haben. Darüber hinaus erzählen Zeitzeug*innen Anekdoten und beleuchten Besonderheiten aus der gesamten Festivalgeschichte. Die Jazzmusikerin, Improvisatorin, Pädagogin und Musikwissenschaftlerin Dr. Ursel Schlicht ist mit dem Beitrag „Boo to You Too – Eine Collage zu Gender und Teilhabe beim Jazzfest Berlin 1964–2024” vertreten. Darin zeichnet sie nach, wie das Jazzfest Berlin sich immer wieder als weltoffenes und gesellschaftsveränderndes neues Forum präsentiert habe; bis zum überzeugenden aktuellen Konzept, echte Diversität umzusetzen, sei es aber ein langer Weg gewesen. In ihrem Artikel lässt sie Künstlerinnen wie Jane Ira Bloom, Joanne Brackeen, Camila Nebbia und Val Wilmer zu Wort kommen, die beim Jazzfest aufgetreten sind, und beschreibt, wie Frauen lange (oder bis heute) nicht als Innovatorinnen und als Ikonen des engeren Jazzkanons akzeptiert wurden. Auch sei lange keine einzige Schwarze Amerikanerin beim Festival aufgetreten. Erst 2000 sei Bewegung in die Szene gekommen, als neue Netzwerke unter Musikerinnen* und insgesamt ein neues Selbstbewusstsein entstanden seien. Nach 54 Jahren übernahm Nadin Deventer (Foto: Roland Owsnitzki) 2018 als erste weibliche künstlerische Leiterin das Zepter, nahm Strukturen unter die Lupe, änderte Formate und zeigte eine neue Konsequenz in der Präsentation von Musikerinnen und der Teilhabe. So trat das Jazzfest als erstes Jazzfestival der Initiative Keychange bei, sorgte für ein diverses Line Up, das auch neue Stimmen wie die Avant-Feministin Moor Mother, Nicole Mitchell oder Nancy Mounir auf die Bühne brachte. „Der heutige hohe Anspruch von Nadin Deventer, facettenreiche Vielfalt darzustellen und Jazz eine neue musikalische und politische Dynamik zu geben, die alle Generationen und kulturellen Gruppen erreicht, fußt auf Jahrzehnten individueller und kollektiver Anstrengungen. Trotz der Realität, dass Ausgrenzung von Minderheiten und systemischer Rassismus wieder brandaktuelle Themen sind: Der Mikrokosmos dieses Jazzfestivals sendet wirkungsvolle Impulse in die Gesellschaft aus und dient so als wertvolles Vorbild“, lautet Schlichts Fazit. In der Broschüre findet ihr auch ein Interview mit der Kuratorin Deventer, die den großen Druck beschreibt, dem sie zu Beginn ausgesetzt war: „Je länger ich in diesem Geschäft bin, desto mehr wird mir klar, dass es nicht nur um Qualifikation oder Genderfragen geht – es geht auch darum, dass ich zu einer neuen Generation gehöre und die ältere an Einfluss verliert. Das Patriarchat in Deutschland versuchte, seine Einflusssphäre gegen alles von außen zu verteidigen. Ehrlich gesagt wünsche ich niemandem, da durch zu müssen“.
Hier könnt ihr die Broschüre downloaden.
Jazzfest Research Lab I 1.11.2024 zu Geschlechtergerechtigkeit
60 Jahre Jazzfest Berlin, das sind 60 Jahre Zeitgeschichte, Berliner Geschichte, deutsch-deutsche Geschichte, europäische, transatlantische und interkontinentale Geschichte und natürlich auch 60 Jahre Musikgeschichte. Mit dem bereits im Januar 2023 initiierten internationalen Projekt Jazzfest Research Lab lädt das Jazzfest Berlin Wissenschaftler*innen und Studierende ein, sich kritisch mit dem Archiv des Festivals, seinen Programmen, Macher*innen, Musiker*innen und nicht zuletzt seinen Mythen auseinanderzusetzen. Dabei wird die Jazzfest-Geschichte hinsichtlich verschiedener Aspekte untersucht, darunter Gender und Race, eine sich im Zuge von gesellschaftspolitischen Entwicklungen verändernde Kuration oder die Bildsprache des Festivals. Bei der ersten Ausgabe am 1. November geht es ab 14 Uhr um Geschlechtergerechtigkeit im Haus der Berliner Festspiele. Eingeladen sind u.a. die Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington und die Pianistin Kris Davis, die sich mit ihrem „Berklee Institute for Jazz and Gender Justice“ in Boston für mehr Gendergerechtigkeit und Geschlechtervielfalt an den Musikhochschulen einsetzen. Das Institut hat sich zum Ziel gesetzt, die Art und Weise, wie Jazz wahrgenommen und präsentiert wird, zu ändern, in dem es die Beiträge von Frauen zur Entwicklung der Kunstform würdigt. Es möchte gerechtere Bedingungen für alle schaffen, die eine Karriere im Jazz anstreben, um auf einen notwendigen und dauerhaften kulturellen Wandel in diesem Bereich hinzuarbeiten. Das Institut arbeitet daran, geschlechtsspezifische Ungleichheiten an der Hochschule durch Lehrpläne, Rekrutierung, Residenzen, Aufführungen, Forschung und gesellschaftliches Engagement zu beseitigen.
Female* Producer Collective veranstaltet Convention 06.09.2024 Berlin
Sei dabei bei der ersten FPC Convention 2024, einem besonderen Event, das sich der Förderung von Chancengleichheit und Diversität in der Musikproduktion und der Musikwirtschaft widmet! Organisiert von der gemeinnützigen Musikagentur GOFORMUSIC in Kooperation mit der Initiative Musik gGmbH, bietet die FPC Convention ein vielfältiges Programm für Musikproduzent*innen, Branchenprofis und Musikbegeisterte. Die Veranstaltung ist der krönende Abschluss der dritten Season des Female* Producer Collectives (FPC), dem Förderprogramm für Musikproduzent*innen.
Es erwarten euch inspirierende Panels und Diskussionen über zentrale Themen wie Sichtbarkeit in der Branche, das Leben von der Kunst und den Umgang mit Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie. In exklusiven Masterclasses kannst du deine Fähigkeiten in Musikproduktion und Musikbusiness unter der Anleitung von etablierten Expert*innen der Branche verbessern. Bei einem Showcase kannst du die Teilnehmer*innen der aktuellen FPC Season bei der Listening Session zum FPC Summer Songwriting Camp kennenlernen. Der Eintritt ist frei, es stehen 150 Plätze zur Verfügung. Hier kannst du dich für die Veranstaltung kostenfrei anmelden.
Veranstaltungsort: Forum Factory, Besselstr. 13-14, 10969 Berlin, Mitte/Kreuzberg; die Veranstaltung ist barrierefrei.
Call for Papers: „Voices of Women – Unheard Voices“
Das Voices of Women-Projekt VOW, ein von Erasmus+ finanziertes Gemeinschaftsprojekt mit der Universität Groningen, der Universität Stavanger, der UiT-The Arctic University of Norway und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, hat einen Call for Papers zum Thema „Ungehörte Stimmen“ausgeschrieben. Bis zum 05.05.2024 können Wissenschaftler*innen, Musikpädagog*innen und Musikstudent*innen Beiträge für das Symposium „Voices of Women – Unheard Voices“ vom 10.-11.10.2024 in der Faculty of Performing Arts at the University of Stavanger in Norwegen einreichen. Themen können z.B. Musik und Gender, Ungesungene Songs, Barrierefreiheit, u.v.m. sein.
Equal Pay Day 06.03.2024
Kinotipp: „Rock Chicks“ Frankfurt 05.03.2024
Das Frankfurter „naxos.Kino – Dokumentarfilm & Gespräch e.V.“ nimmt seinen Spielbetrieb nach der langen Winterpause wieder auf und setzt seine Dokumentarfilmreihe 2024 inklusive der anschließenden Filmgespräche fort. Start ist am 5. März 2024 um 19 Uhr mit der wunderbaren Dokumentation „Rock Chicks – I Am Not Female To You“ (DE 2023 | 79 min. | OmU). In „Rock Chicks“ belegt Regisseurin Marita Stocker, dass es weibliche Gitarristen mindestens ebenso lange gibt wie männliche – und dass diese nicht selten auf den Platten bekannter Größen wie Chuck Berry und Eric Clapton zu hören sind. Auf ihrer musikalischen Reise trifft die Filmemacherin Marita Stocker Frauen, die ihrer Zeit voraus waren und mit gängigen Vorurteilen brachen. Mit dabei sind Linda Gail Lewis, Kathy Valentine, Suzi Quatro, Rosie Flores, Honeychild Coleman, Kristin Hersh u.v.w. Die Moderation hat Ruth Fühner (naxos.Kino). Die Musik der Protagonistinnen sowie vieler im Film präsentierter Künstlerinnen wie Big Mama Thornton, Sister Rosetta Tharpe, Cordell Jackson, Memphis Minnie stellt eine Spotify-Playlist vor.
Veranstaltungsort: naxos.Kino, Theater Willy Praml – Naxoshalle, Waldschmidtstraße 19, Hinterhof rechts
„Deepdive“ gibt spannende Einblicke in relevante Themen der Musikbranche
Warum mangelt es der deutschen Musikindustrie an Vielfalt und was kann man dagegen tun? Wie könnte die Gender Pay Gap geschlossen werden? Wie können Festivals inklusiver und gendergerechter werden? Wie kann die Kreativbranche soziale Bewegungen befeuern und andere inspirieren? Wie kann ich selbst meine Musikkarriere verfolgen und welche Skills brauche ich dafür? Das und mehr sind Themen, denen sich die Videoreihe DEEPDIVE des Reeperbahnfestivals annimmt. Die Filme geben spannende Einblicke in vielfältige Themen, die manchmal erst auf den zweiten Blick zur Musikwirtschaft gehören, aber immer relevant sind. Für das Format werden regelmäßig Expert*innen, Aktivist*innen, Künstler*innen, kreative Köpfe und inspirierende Persönlichkeiten eingeladen, um aus deren Erfahrungen zu lernen.
Interviewreihe „Quotes“ zu Geschlechtergerechtigkeit & Diversity
Warum ist die Repräsentation von FLINTA* (Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen) und BIPoC (Black People, Indigenous People and People of Colour) in der Musikbranche so wichtig? Warum ist es wichtig, auch in der Musik politisch zu sein? Um diese und viele weitere Fragen geht es beim Interviewformat „QUOTES“. Die Videoreihe des Reeperbahnfestivals behandelt Geschlechtergerechtigkeit und Diversität in der Musik- und Kulturbranche sowie die Gleichstellung und Repräsentation von Frauen und nicht-binären Personen. Dabei werden Themen wie Empowerment, Safer Spaces und Rollenbilder beleuchtet sowie Möglichkeiten für den Umgang mit solchen gesellschaftlichen Herausforderungen aufgezeigt. Brix Schaumburg (Speaker und Schauspieler) und Maria Popov (Journalistin und Moderatorin) sprechen abwechselnd mit Künstler*innen, die sich mit ihrer Kunst, ihrer Musik und ihrer Persönlichkeit für Toleranz, Gerechtigkeit und Diversität einsetzen. Interviewt wurden Mia Morgan, Kersoin95, Nashi44, Alin Coen & Alexandra Zykunov.