10 Jahre Bridges – Musik verbindet
Mit den großen Flüchtlingsbewegungen 2015/2016 waren zahlreiche Geflüchtete nach Frankfurt gekommen, unter ihnen auch viele Musiker*innen. Das „Bridges – Musik verbindet“-Projekt sollte ihnen die Möglichkeit bieten, fern der Heimat wieder Musik zu machen und ihren Gedanken und Gefühlen eine Stimme zu geben. Beim ersten Konzert am 19.4.2016 brachten denn auch 70 einheimische und neu zugezogene Musiker*innen im hr-Sendesaal ein Programm aus ganz unterschiedlichen Stilrichtungen zu Gehör.
Vorangetrieben wurde das wirkstarke, in Deutschland einzigartige Projekt von der Musikerin und künstlerischen Leiterin Johanna-Leonore Dahlhoff und der Geschäftsführerin Anke Karen Meyer. Das Ziel war es, möglichst viele verschiedene Musikinstrumente und -traditionen zusammenzubringen und transkulturell weiterzuentwicken, fern von Konventionen, wie Musik zu klingen habe, schreiben die beiden im Begleitheft zum Jubiläum. Scheinbar nicht Zusammenpassendes wird so zu etwas Neuem verwoben. Ganz praktisch sollten aber auch Beschäftigungsmöglichkeiten für die geflüchteten Musiker*innen geschaffen werden, in dem bereits 2018 eine GmbH gegründet wurde. Aus regelmäßigen Proben und Treffen entstand ein Pool von Musiker*innen und daraus 2019 ein Kammerorchester, das den Kulturförderpreis The Power Of The Arts bekam.
Corona zum Trotz nahm das Orchester 2020 sein erstes Album „Identigration“ auf und gewann damit den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Durch die Coronabeschränkungen entstanden neue Formate, z.B. Open-Air-Konzerte im öffentlichen Raum. Schulprojekte, in der Kinder lernen können, das Diversität eine Stärke ist, verankerten das Projekt noch mehr in der Frankfurter Stadtgesellschaft. Auch überregional wuchs die Bekanntheit, z.B. spielte das Orchester 2024 sein Debüt in der Elbphilharmonie in Hamburg, ihre Konzerte werden mittlerweile von ARTE aufgezeichnet und ausgestrahlt, und das Orchester tourt regelmäßig durch die Lande auf renommierten Bühnen. 2024 erschien das zweite Album „Complementarity“.
Jubiläumskonzert 10 Jahre BridgesBrücken 9.4.2026
Mit einem Festakt wurde die eindrucksvolle Geschichte des Projekts gefeiert. Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef sprach in seinem Grußwort von „Frankfurter Musik“, die die Vielfalt in der Stadt widerspiegele. Brücken zu bauen sei leichter gesagt, als getan, zumal wenn Menschen aus Ländern zusammenkämen, die sich im Krieg miteinander befinden. Durch Bridges sei das Ankommen in unserer Stadt für viele Geflüchtete leichter gewesen, sagte Josef, der selbst im Alter von 4 Jahren mit seiner Familie von Syrien nach Deutschland geflohen ist. Deshalb habe das Projekt 2022 zu Recht den Frankfurter Diversitäts- und Integrationspreis erhalten.
Nach einer Ehrung der vielen am Projekt Beteiligten und einer kurzen Pause ging es endlich los mit der großartigen Musik. Das Bridges Kammerorchester, das ja ein „composing orchestra“ ist, in dem viele der beteiligten Musiker*innen das Repertoire selbst arrangieren und komponieren, präsentierte an diesem Abend zahlreiche Uraufführungen. Mehr noch: für das Jubiläumskonzert am 9.4.2026 waren im Vorfeld Komponist*innen in Teams zusammengekommen, um gemeinsam Musik eigens für dieses Konzert zu schreiben und zu arrangieren. Als Dirigentin wurde Xizi Wang gewonnen, die das Ensemble der Internationalen Ensemble Modern Akademie Frankfurt leitet und mit mehreren renommierten Klangkörpern wie dem Kammerorchester Basel, dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra, der Jungen Deutschen Philharmonie sowie mit Ensembles wie dem Ensemble Modern, Ensemble Reflektor und Klangforum Wien arbeitet.
Los ging es mit der Bridges-Sinfonie Nr. 2, an der acht Komponist*innen aus drei Jahrhunderten beteiligt waren. Damit schlugen die Musiker*innen eine Brücke von der persischen (Hassan Kasaee) zur europäischen Musik (Claude Debussy) hin zu einer kollektiven Komposition, in der auch der Sheng-Solist Wu Wei mitwirkte. Sein Instrument bot nicht nur eine exotische Erscheinung, sondern faszinierte auch aufgrund der Klangvielfalt, die es erzeugen kann. Die Sheng gilt als eines der ältesten chinesischen Musikinstrumente und besteht aus mehreren Bambuspfeifen, die in einer Windkapsel stecken. Man kann sie beim Ein- und Ausatmen spielen und sogar Akkorde erzeugen. Durch ihre Beschaffenheit bietet sie nahezu unbegrenzte Möglichkeiten in Bezug auf Melodie, Harmonie, Rhythmus und Polyphonie, klingt mal wie eine Panflöte, mal wie eine Melodiva oder Klarinette.
Mit „The Earth Revives“ zogen ostasiatische Klänge ein, bevor nach der Pause mit „Recuentos“ und südamerikanischen Rhythmen und Klängen ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde. Spannend wurde es auch mit den kollektiven Kompositionen „Cycles“, „Segahmania“ und „Mipala“, die eindrucksvolle Brücken zwischen stilistisch verschiedenen Werken ausgestalteten. Als Highlight spielte das Orchster das letzte Stück „Mosaik am Main“ des syrischen Musikers Walid Khatba, bevor mehrere Zugaben für das begeisterte Publikum folgten.
Das Konzept, Räume für einen kulturellen Austausch auf Augenhöhe zu schaffen, in denen man sich kennen-, voneinander lernen und Musik miteinander teilen kann, kann in der heutigen Zeit gar nicht hoch genug geschätzt werden. Diese Orte der Begegnung gibt es in unserer Gesellschaft viele zu wenige und Migration wird viel häufiger als Problem, denn als Chance gesehen. Leuchturmprojekte wie Bridges zeigen eindrucksvoll das gesellschaftliche, aber auch künstlerische Potenzial, das in kultureller Vielfalt liegt. Das Programm „10 Jahre BridgesBrücken“ könnt ihr noch am 11.5.2026 in der Orangerie in Darmstadt erleben.
Fotos: Salar Baygan


Nach einer herzlichen Begrüßung und einem kurzen Rückblick auf die Geschichte von MELODIVA und des Frauen* Musik Büro folgte unmittelbar das alle miteinander verbindende – die Musik. Im Mittelpunkt standen Musiker*innen und Bands, die den Abend durch ihre Auftritte bereicherten. Der BeVocal Choir eröffnete die Feier mit einer kraftvollen emotionalen Darbietung. Der bewegende Song „Stand Up“ von Cynthia Erivo, Teil der Filmmusik des Biopics über die ikonische Freiheitskämpferin Harriet Tubman, beeindruckte das Publikum mit seiner Botschaft von Widerstand und Stärke. Für Gänsehautmomente und einen energiegeladenen Anfang des Abends war also gesorgt.










Nach einer gemeinsamen Begrüßung von Antje (Brotfabrik), Linda (Frauenreferat Frankfurt) und Mane (MELODIVA) ging es gleich mit dem ersten Talk in der gut gefüllten Brotfabrik los (Foto: Barbara Walzer). Auf dem Podium saßen die auftretenden Musikerinnen des Abends – Lena & Johanna von LUAH, Jamila von GG VYBE und BELQIS – sowie Mane von MELODIVA. Mit der Moderatorin Christina Mohr sprachen sie über ihre musikalischen Biografien, strukturelle Hürden und was es braucht, um Frauen* und Mädchen* beim Musikmachen und im Musikbusiness besser zu unterstützen (vor allem Räume und safe spaces!). Sascha Wild, der neue Referent für Popularmusik in Frankfurt und Vater einer kleinen Tochter, war ebenfalls Teil des Panels und vor allem da, um zuzuhören, wie er selbst sagte.
Der zweite Talk m

























Diese und Hunderte weiterer musikalischer wie auch sozio-politischer Informationen finden wir in dem fast 300-seitigen Buch der promovierten Historikerin, Politikwissenschaftlerin und Bluesmusikerin Haide Manns. Zunächst spürt sie den Anfängen des Blues Mitte des 19. Jhdts. nach. „Field Hollers“ der Plantagenarbeiter*innen oder „Worksongs“ der aneinander geketteten Gefangenen wurden vermischt mit Kirchenliedern der europäischen Einwanderer: Vor Einführung der Rassentrennung besuchten Sklavenhalter und Sklaven noch die gleichen Gottesdienste (Foto rechts: Alan Lomax, South Carolina 1934) .
Nun folgen die Lebens- und Schaffensgeschichten unzähliger Bluesmusikerinnen. Bessie Smith (Foto links: Carl van Vechten), Ma Rainey oder Memphis Minnie dürften ein Begriff sein; die meisten jedoch sind hierzulande wohl nur ausgewiesenen Kenner(inne)n bekannt. Aber auch ihre Geschichten sind äußerst spannend zu lesen. Am besten, man googelt die Betreffende und genießt gleich mal eine Hörprobe. Die Lebensläufe sind immer eingebaut in die US-amerikanische Geschichte – bis heute -, hatten doch Prohibition (viele private kleine Auftrittsmöglichkeiten!) oder die Große Depression (viele Musiker*innen gehen zurück in den Süden) enormen Einfluss auf die afroamerikanische Musikszene. Wie der Blues erst in der schwarzen Mittelschicht, in den 1950er Jahren dann in der weißen US-Hörerschaft und ab ca. 1960 in Europa populär wurde, was vielen bejahrten Blues Ladys eine späte Karriere ermöglichte, all das erfahren wir ausführlich.




Doch der Reihe nach: Völlig entspannt, fröhlich und freundlich betritt sie die Bühne mit ihren „Jungs“, kurze Ansage und Verbeugung, und los gehts mit einer fetzigen Rocknummer, wo sie gleich mal die Slide Guitar-Künste offenbart, für die sie bekannt ist. Nach der nächsten Nummer, hard & heavy, gibt’s eine Ansage auf Deutsch, und spätestens da hat sie die Leute. Erst mal die älteren Songs – recht hat sie; vom Bekannten zum Unbekannten. Alles klingt rauer und härter als von den Studioaufnahmen gewohnt. Aber ihr sehr melodiöses Songwriting und die guten Backing Vocals-Qualitäten der Band lassen auch die zarter Besaiteten im Publikum das Konzert genießen. Und ein Hochgenuss ist es: Die hübsche Erja ist eine sehr gute Sängerin – sie croont, flüstert, jauchzt, schreit, aber alles so locker und flockig, dass es wirkt, als sei ihr das alles gerade mal so spontan eingefallen. Und die Gitarre: Auch da gibt es nur Daumen nach oben! Gerade, als ich so vor mich hin sinniere, ob es wohl sowas wie eine „typisch weibliche Gitarre“ gibt, kommt „Slowly Burning“ vom „Stolen Hearts“-Album. Eine langsame Blues-Ballade mit tollem, expressiven Gesang. Und dann das Solo: keine Note ist willkürlich gespielt, in jeden Ton scheint sie hineinzuschlüpfen, erzählt so die Geschichte in Gefühlen, ein ganzes Leben in einem Gitarrensolo. Gänsehaut – zum Heulen schön – ganz großes Kino!