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Machtmissbrauch, Diskriminierung & sexualisierte Gewalt an der Münchner Musikhochschule

Nach Missbrauchsfällen an der Münchner Musikhochschule – Ex-Präsident Siegfried Mauser wurde vom Bundesgerichtshof in letzter Instanz im Oktober 2019 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt und der Münchner Musikprofessor Hans-Jürgen von Bose wurde in drei Fällen der Vergewaltigung angeklagt, aber freigesprochen – hat die Hochschule für Musik und Theater in München das Institut für Praxisforschung und Projektberatung mit einer wissenschaftlichen Befragung beauftragt. Unter dem Thema „Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung“ wurden im Sommer 2023 alle Hochschulangehörigen befragt. Die Ergebnisse liegen nun vor. Etwa jede*r fünfte Studierende der Hochschule und sogar jede*r zweite Verwaltungsangestellte erfährt Machtmissbrauch und 6 Prozent der Hochschulangehörigen berichten, meist im Einzelunterricht selbst sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Von körperlicher und/oder psychischer Gewalt wird vor allem aus der Ballettakademie und der Jugendakademie berichtet. Die HMTM hat basierend auf den Ergebnissen der aktuellen Studie einen 7-Punkt-Plan entworfen, der das Kriterium „Nähe – Distanz“ in alle Berufungs- und Besetzungsverfahren in Lehre und Verwaltung integriert, Angestellte zu Fortbildungen verpflichtet, eine anonyme Lehrevaluation als Kontrollinstrument weiterführt und anonyme Beschwerdewege weiter ausbauen will. Die Ballettakademie soll künftig von einer Doppelspitze geleitet werden und künftig Intimitätskoordinator*innen und -coaches einsetzen. Eine große Herausforderung bleibt nach wie vor, so zeigt es die Münchner Studie, mit Fragen zum Thema Machtmissbrauch auch die internationale Studierendenschaft zu erreichen. Größtenteils kommen die Teilnehmer*innen aus Deutschland (88 Prozent), dabei haben etwa 40 Prozent aller Studierenden einen internationalen Hintergrund. Um diese besser zu erreichen, wird in München auch das International Office neu strukturiert.

18.05.2024

Umfrage zu Machtmissbrauch an Musikhochschulen

In einer Umfrage, bei der wir 2014 mit Musikstudentinnen gesprochen haben, berichteten einige von einer eher unguten Lernatmosphäre, Beleidigungen und sexistischen Bemerkungen. Eine neue Umfrage zu Machtmissbrauch und psychischer Gewalt an Musikhochschulen zeigt nun, dass immer noch dringender Handlungsbedarf besteht. Die Initiative stammt vom Studierendenrat der Musikhochschule Weimar, dem immer wieder Vorfälle zugetragen worden waren, sodass dieser sich schließlich zu einer größeren Umfrage entschloss. Das Ergebnis war, dass 108 Studierende in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) von Juni bis Oktober 2023 414 Vorfälle anzeigten. Der Großteil der Befragten war 19 bis 30 Jahren alt und weiblich (78 Prozent).

Verschiedene Studierendenvertretungen haben daraufhin einen Forderungskatalog erarbeitet und bereits Ende letzten Jahres an die Hochschulleitungen der 24 RKM-Mitgliedshochschulen geschickt. Dieser soll übergriffiges, unangemessenes und missbräuchliches Verhalten an Musikhochschulen zukünftig verhindern. In ihren elf Forderungen setzen die Macher*innen vor allem auf Sensibilisierung. Lehrkräfte seien oft Koryphäen an ihrem Instrument, hätten aber keine pädagogische Ausbildung. Es brauche Weiterbildung, aber auch die Möglichkeit für Studierende, sich bei unabhängigen Stellen zu beschweren, ohne Angst haben zu müssen, dass es die Karriere erschwert. Gefordert werden auch regelmäßige und unabhängige Evaluationen von Lehrveranstaltungen, damit sichtbar wird, wenn es Probleme gibt.

Der Vorstand der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) zeigte sich betroffen über die Ergebnisse der Umfrage der Initiative und arbeitet bereits an einem eigenen Positionspapier, welches neben einer Skizzierung der aktuellen Situation auch Zukunftsperspektiven und Handlungsempfehlungen für die Musikhochschulen aufzeigen soll. Die Finalisierung und Verabschiedung dieses Papiers sowie die Abstimmung über koordinierte Maßnahmen der RKM-Hochschulen stehen auf der Agenda für die RKM-Sommerkonferenz im Mai.

Mehr dazu weiß die taz.

26.03.2024

„Digital Countryclub (DCC) – Rein in die Strukturen“ 06.11.23

Am Montag, 6. November von 16-17 Uhr lädt das ensemble_netzwerk zum „Digital Countryclub (DCC) – Rein in die Strukturen“ mit Hannah Lesser, Psychologin und Präventionsbeauftragte bei Themis. Bei dem Gespräch geht es um die Arbeit der Themis, um sexuelle Gewalt und Belästigung in der Kulturbranche und dem aktuellen Stand der Dinge von #MeToo. Was hat sich verändert? Wo stehen wir jetzt? Was fällt eigentlich unter „Übergriff“ – und was nicht? Was sind eure Rechte im Falle eines solchen? Welche Rolle spielen Nichtbetroffene? Wie können wir solidarischer sein? Und: Was hat das alles mit den Strukturen zu tun?

Den Zoomlink gibt es hier.

03.11.2023

BDKV engagiert sich mit Act Aware für eine Kultur des Hinsehens

Das Netzwerk in der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft gegen sexuellen (Macht-)Missbrauch und für geschlechtergerechte Verhältnisse wächst weiter. Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft e.V. (BDKV) geht eine Kompetenzpartnerschaft mit Act Aware e.V. ein, um Kompetenzen weiterzugeben und auszubauen, wie er in seiner Pressemitteilung schreibt. Die „folgerichtige und schlagkräftige Allianz“ solle dabei helfen, dem Publikum auf Konzerten und Live-Events erfüllende und vor allem sichere Erlebnisse zu bieten und identitätsstiftende Momente möglich zu machen. Act Aware e.V. befördert Maßnahmen für mehr Awareness auf und im wirtschaftlichen Umfeld von Events – in der Theorie und in der Praxis. Sie unterstützen bundesweit Veranstalter*innen bei der Entwicklung und Umsetzung eigener Awareness-Konzepte, darunter auch BDKV-Mitglieder wie zum Beispiel das Reeperbahn Festival, MS Dockville oder das Deichbrand Festival. Auftakt der Kooperation ist ein digitales Get Together für und von BDKV-Mitgliedern und Expert*innen von Act Aware. Nächste Schritte in puncto Awareness sind der Ausbau des Informations- und Beratungsangebotes sowie die Bereitstellung eines Code of Conduct zusammen mit neuen Vertragsmustern für BDKV-Mitglieder. Die knapp 500 im BDKV organisierten Unternehmen der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft haben seit 2020 die Möglichkeit, individuell von der Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V. in der Kulturbranche beraten und informiert zu werden. Seit März 2023 setzt sich der BDKV durch seinen Beitritt zur internationalen Initiative Keychange für paritätische Verhältnisse in der Musikwirtschaft ein. Auch mit Redezeit für dich, einer zivilgesellschaftlichen Unterstützung für psychisch belastete Menschen, besteht seit 2023 eine Kooperation. Insgesamt ergibt sich ein breitgefächerter Baukasten an Kompetenzpartnerschaften des BDKV für soziale Nachhaltigkeit und gegen (Macht-) Missbrauch – der nun durch die strategische Kooperation mit dem Act Aware e.V. auf ein nächstes Level gehoben wird.

29.08.2023

Music Women* Germany veröffentlicht PM zu Machtmissbrauch in der Musikindustrie

Das Netzwerk Music Women* Germany macht in seiner neusten Pressemitteilung den Machtmissbrauch in der Musikindustrie zum Thema. Die Asymmetrie der Machtverhältnisse in der Musikindustrie führe zu zahlreichen und facettenreichen Missbräuchen, bei denen besonders Frauen* – da sie in PR und Assistenzfunktionen arbeiteten – die Betroffenen seien. Die Missbrauch begünstigenden Strukturen fänden sich auch in der Musik wieder: „Männer*, die sich aufgrund ihrer Machtposition sicher fühlen, konnten und können problematische Lieder unter dem Deckmantel der Provokation und Kunstfreiheit veröffentlichen“. Von Motörhead über Ted Nugent zu R Kelly – Music Women* Germany listet viele Musiker auf, die nicht nur den Sex mit minderjährigen Groupies besungen hätten, ohne dass das kritisch hinterfragt worden wäre; viele wären auch noch Beziehungen und Ehen zu Minderjährigen eingegangen, ohne dass die Musikindustrie dies verurteilt hätte. „All das zeigt, dass es sich um ein strukturelles Problem innerhalb der weltweiten Musikindustrie handelt und dass sich diese Strukturen nicht auf eine bestimmte Musikrichtung oder Land beschränken. (…) Die Musikindustrie muss endlich anfangen, in die Verantwortung zu gehen. Sie muss aufhören, Fälle totzuschweigen und beginnen, bei neuen Fällen klar Position zu beziehen. Es müssen alte Strukturen offengelegt und geprüft werden, damit Abhängigkeiten abgebaut werden können. Wir wünschen uns, dass die Musikbranche sicher für alle Personen, ob vor, auf oder hinter der Bühne, wird! Wir möchten an alle Menschen, die Teil dieser Industrie sind, appellieren, sich mit ihren eigenen Mechanismen auseinanderzusetzen und zu schauen, wo sie Privilegien haben, welche sie anderen marginalisierten Personen zur Verfügung stellen könnten.“

14.08.2023

67. Loccumer Kulturpolitisches Kolloquium zu Cultural Leadership

In der Öffentlichkeit mehren sich die Klagen über Machtmissbrauch in Kulturinstitutionen. Das wundert kaum: Wichtige Posten werden in der Regel nach künstlerischem Renommée besetzt. Den Kulturbetrieb verantwortungsvoll, generationen-, gender- und diversitygerecht zu gestalten, wird immer wichtiger. Es ist eine kulturpolitische Aufgabe, gute Führung und „cultural leadership“ als Prinzipien gesellschaftlicher Verantwortung zu etablieren. Das 67. Loccumer Kulturpolitische Kolloquium „Macht und Verantwortung – Cultural Leadership im Kulturbetrieb“ in Kooperation mit der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. vom 29.-31.03.2022 diskutiert, wie das gelingen kann. Hier könnt ihr euch zur Online-Tagung anmelden.

14.02.2022

Online-Vortrag über Macht und Missbrauch im Klassikbetrieb 03.11.2021

Wo fängt Machtmissbrauch an? Woher kommen die Strukturen in der Musikindustrie und Musikvermittlung, die Übergriffe unsichtbar und unsagbar machen? Wie können rechtzeitige Grenzsetzungen aussehen? Wohin kann ich mich wenden, wenn ich selbst Opfer oder Zeuge von Machtmissbrauch werde? Diese Fragen behandelt der Online-Vortrag „Es schadet sonst deiner Karriere – Macht und Missbrauch im Klassikbetrieb“ mit Ass.-Prof. Dr. Anke Charton (Universität Wien) am 03.11.2021, zu dem die Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ab 18 Uhr einlädt. Der Vortrag mit anschließenden Diskussionsgruppen bietet anhand von Fallbeispielen und Best-Practice-Modellen eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch in musik- und kulturbezogenen Arbeitsfeldern. Er liefert eine Einführung in den Themenkomplex Macht/Missbrauch und sensibilisiert für Strukturen und gewachsene Narrative in Praxis und Ausbildung. In der Kombination aus Vortrag und Diskussion werden Vokabular und Best-Practice-Beispiele bereitgestellt, um weitere Aufklärungs-, Präventions- und Mediationsarbeit zu unterstützen.
Die Teilnahme via Zoom ist kostenlos, eine Anmeldung bis 1. November 2021 per Mail erforderlich. Die Zugangsdaten werden per Mail vor Veranstaltungsbeginn zugesandt.

28.10.2021

Sexismus – Übergriffe – Machtmissbrauch: Online-Podiumsdiskussion

Die Online-Podiumsdiskussion „Sexismus – Übergriffe – Machtmissbrauch. Für neue Arbeitskulturen in (Musik)Theater und Film“ wird am 30. Juni, 19 Uhr von der Universität Bayreuth veranstaltet. Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Studierende einschlägiger Studiengänge, die später in diesen Bereichen tätig sein werden bzw. bereits sind. Es diskutieren: Arpiné Rahdjian (Opernsängerin, stimm-IG), Eva Hubert (Themis Vertrauensstelle), Julia Effertz (Schauspielerin, Intimitätskoordinatorin) und Katie Campbell (Studentin, MA Oper und Performance) Die Moderation hat Kordula Knaus (Universität Bayreuth)
Anmeldung unter: ed.ht1716881445uerya1716881445b-inu1716881445@tfah1716881445csnes1716881445siwki1716881445sum1716881445
21.06.2021