Clubkultur im Baurecht: Durchbruch greifbar

Musikclubs waren im deutschen Baurecht bislang nur in wenigen Gebietskategorien grundsätzlich zulässig – selbst in Industriegebieten nicht. Der Ende Mai vorgelegte Gesetzesentwurf zur Baurechtsreform könnte dies ändern und die prekäre Lage der Musikspielstätten insgesamt verbessern, schrieb der Bundesverband LiveMusikKommission e.V. (kurz: LiveKomm) kürzlich in einer Pressemitteilung. Neben verbesserten Gebietszulässigkeiten in urbanen, Gewerbe- und Industriegebieten, seien nun zusätzlich auch Ansiedlungen in dörflichen Wohngebieten ausnahmsweise vorgesehen. Außerdem enthalte der Entwurf präzisere und konsistentere Formulierungen, was für die spätere Auslegung durch Kommunen und Gerichte hilfreich sein könne. Der große Wurf ist es nach Ansicht der LiveKomm allerdings nicht. Sie regt entscheidende Nachbesserungen an, allen voran, Clubs und Livespielstätten mit nachweisbarem kulturellen Bezug nicht mehr als Vergnügungsstätten, sondern als Anlagen für kulturelle Zwecke zu definieren. Die Arbeitsgruppe Kulturraumschutz der LiveKomm hat weitere erforderliche Anpassungs- und Ergänzungsbedarfe erarbeitet. Die parlamentarischen Beratungen stehen noch aus. 

22.06.2026

Wiesbaden will „Stadtteilmusik“ im Sommer fördern

Wiesbaden will mehr Livemusik in die Stadtteile bringen – und hat dafür das Förderprogramm „Stadtteilmusik“ gestartet. Das Programm ist ein dezentrales, für die Organisator*innen vereinfachtes Kulturangebot, bei dem Solomusiker*innen & Bands gefördert werden und neue, untypische Veranstaltungslocations entdeckt werden können. Teilnehmen können vor allem private Veranstalter*innen, die öffentlich zugängliche Konzerte oder Lesungen mit Livemusik organisieren. Wichtig sei nur, dass das kulturelle Erlebnis im Mittelpunkt stehe. Nach Angaben der Stadt müssen die Veranstaltungen zwischen 1.5.-31.10.2026 stattfinden. Es darf Eintritt verlangt werden, ist aber keine Bedingung. Gefördert werden ausschließlich professionelle Musiker*innen, die ihr Geld hauptsächlich mit Musikmachen verdienen. Die Stadt übernimmt Künstlergagen von bis zu 1.000 Euro pro Event sowie bei Bedarf eine Technikpauschale. Interessierte können bis 31. August 2026 formlos per Mail eine Förderung beantragen. 

30.04.2026

APPLAUS-AWARD: Start der Bewerbungsphase

Bis 21.5.2026 können Clubs und Veranstalter*innen aus ganz Deutschland wieder ihre Livemusikprogramme für den APPLAUS-Award 2026 einreichen. Ausgezeichnet werden herausragende Programme, Spielstätten als zentrale Orte der Livemusikkultur sowie besonderes Engagement in den Bereichen Awareness, Inklusion und Nachhaltigkeit. In sechs Kategorien winken Preisgelder von bis zu 40.000 Euro. Für die Kategorien „Beste Livemusikprogramme“ und „Beste Livemusikspielstätten“ gilt erneut eine Fördermittelgrenze von 40 Prozent; bei Überschreitung ist eine Bewerbung nur für eine undotierte Auszeichnung möglich. Neu in diesem Jahr: Wer in den letzten drei Jahren in Folge ausgezeichnet wurde, ist von der Teilnahme ausgeschlossen. Zudem gilt für regionale Veranstalter*innen eine Open-Air-Quote von maximal 50 Prozent, während für Livemusikspielstätten keine Quote mehr besteht. Alle Details findet ihr in den Teilnahmebedingungen und FAQs.

23.04.2026

Open Call: Kulturoasis Nürnberg

Es geht wieder los! Kulturoasis Nürnberg baut von 22.5.-6.6.2026 eine Oase und ihr füllt sie mit Leben! Für eine temporäre Kulturoase werden jetzt Gruppen/Vereine/Kollektive aus der lokalen (sub)Kulturlandschaft gesucht, die mit Livemusik, Podcasts, Lesungen, Performances, Workshops und DJ-Sets zum Programm beitragen wollen. Bewerbungen von Einzelpersonen können aber leider nicht berücksichtigt werden. Bewerbungsschluss: 03.05.2026 

23.04.2026

Lunchtime Online-Session 4.6.26: Wem gehört der Livesektor in Europa?

Wen unterstützen wir wirklich, wenn wir ein Ticket für ein Festival oder Konzert kaufen, und wie soll das Ökosystem für Live-Musik in Europa aussehen? Das beleuchtet eine Online-Veranstaltung von Culture Action Europe am 4. Juni 2026 von 13-14 Uhr. Bei der Lunchtime Session, moderiert von Manon Moulin vom Netzwerk Reset! und Erica Romero Pender von Live DMA, werden die Ergebnisse einer Studie präsentiert, die die Besitzverhältnisse in der europäischen Live-Musikszene untersucht hat. Die Studie zeigt, wie die ursprüngliche Vielfalt durch die zunehmende Zahl von Fusionen und Übernahmen durch große Konzerne und Investmentfonds beeinträchtigt wird. Um dies zu veranschaulichen, werden im Rahmen der Veranstaltung zwei Eigentumsübersichten vorgestellt. Auch wenn diese keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, machen sie eine Realität sichtbar, die lange Zeit übersehen wurde.

09.04.2026

Live Music Fonds für Stuttgarter Veranstalter*innen (Info-Webinar 10.12.)

Macht euch bereit für den Live Music Fonds! Die neue Antragsrunde hat begonnen: Bis zum 13. Februar 2026 können Stuttgarter Clubs, Spielstätten und Veranstalter*innen in popkulturellen Bereichen über das neue Antragsportal ihre Anträge für das Förderprogramm einreichen. Welche Veranstaltungen förderfähig sind, erfahrt ihr hier. Ihr habt Fragen? Am 10. Dezember findet ein Webinar via Zoom zum Antragsprozedere statt. Eine formlose Anmeldung per Mail reicht aus, den Link zum Room-Raum wird euch zugesandt. Hier wird der Fonds im Kurzvideo erklärt. 

01.12.2025

Konferenz „Stadt Nach Acht“ 27.-29.11.2025

Die achte Ausgabe der STADT NACH ACHT Konferenz steht unter dem Motto „ZEITGEIST & THE FUTURE OF NIGHTLIFE“ und findet vom 27.-29.11.2025 im House of Music in Berlin statt. Mit über 200 nationalen und internationalen Speaker*innen und rund 50 Panels bietet sie genau die Plattformen, um aktuellen Trends und Entwicklungen in Clubkultur, Nachtökonomie, Gesundheit und Sicherheit sowie der Nachtstadtentwicklung nachzuspüren. Nicht zuletzt geht es um die Reflexion von Möglichkeiten und Bedingungen für ein sicheres, sozial inklusives, kulturell diverses und wirtschaftlich wie ökologisch nachhaltiges Nachtlebens in unseren Städten. Die Initiative Musik wird auch zugegen sein und u.a. die Ergebnisse der Festivalstudie präsentieren (28.11.2025, 11–13 Uhr | Lokschuppen Main Floor), sowie auf dem Panel FLINTA+ in der Livekultur: Zwischen Quote, Haltung und Realität über Maßnahmen zur aktiven Förderung von Diversität diskutieren: „Diversität in der Livekultur ist mehr als ein Schlagwort – sie ist ein Prozess. Und Prozesse brauchen Werkzeuge. Im Panel treffen Perspektiven aus Förderung, Veranstaltungsrealität und persönlicher Erfahrung aufeinander“ (27.11.2025, 16–17:30 Uhr | Crack Bellmer). Tickets

18.11.2025

GEMA zeichnet Musikkneipe des Jahres aus

Die GEMA hat in diesem Jahr erstmals die Musikkneipe des Jahres gekürt – einen „Award für Kneipen, Bars und Musikspielstätten, in denen Musik nicht ausschließlich im Hintergrund läuft, sondern gelebt wird“. Damit sollen Orte ausgezeichnet werden, die Musik zum festen Bestandteil ihres Konzepts machen, egal ob durch kuratierte Playlists, DJ-Abende, Jam-Sessions oder Auftritte von Künstler*innen. Mit dem Preis soll das Engagement der Betreiber*innen gewürdigt und gezeigt werden, wie wichtig Musikorte für unsere Gesellschaft sind – für Künstler*innen, für Gäste, für die kulturelle Vielfalt in unseren Städten und Nachbarschaften. Der diesjährige, mit 5.000 Euro dotierte Preis ging an „Töpfla – Die Kultkneipe“ aus Höchstadt an der Aisch, die in historischen Mauern aus dem 18. Jahrhundert seit über 50 Jahren echte Kneipen- und Musikkultur feiert. Die Gewinnerkneipe wird mit einem Online-Voting aus 144 Bewerbungen ausgewählt.

18.11.2025

APPLAUS-Award 2025 verliehen

480 Bewerbungen waren eingegangen, jetzt traf sich die deutsche Club- und Livemusikszene in der Münchner Muffathalle, um zum zwölften Mal der Verleihung des APPLAUS-Awards beizuwohnen – eine der wichtigsten Auszeichnungen für Musikspielstätten und Konzertreihen in Deutschland. In sechs Preiskategorien fließen insgesamt rund 1,7 Millionen Euro an 88 Spielstätten und Konzertreihen im ganzen Land. Es gibt Preisgelder von bis zu 50.000 Euro. Neben den Spielstätten- und Livemusikpreisen werden Preise für die Kategorien „Awareness“, „Inklusion“ und „Nachhaltigkeit“ verliehen. Das domicil in Dortmund bekommt den mit 40.000 Euro dotierten Hauptpreis für das beste Livemusikprogramm, das objekt klein a in Dresden den Hauptpreis als beste Livemusikspielstätte. Die villaWuller in Trier kann sich über den Hauptpreis als beste kleine Spielstätte freuen. SO36 in Berlin räumte gleich zwei Preise ab, denn es überzeugte die Jury nicht nur als Livemusikspielstätte, sondern auch in Sachen Inklusion. Das KFZ Marburg glänzte im Bereich Nachhaltigkeit, das Mahagoni Kollektiv in Konstanz konnte in der Kategorie Awareness punkten. Alle Gewinner*innen sind hier zu finden.

18.11.2025

Club Check in Bremen 2023: 83% männlich gelesene Personen auf der Bühne

Kürzlich wurde der Club Check zur Geschlechtergerechtigkeit auf Hamburgs Bühnen veröffentlicht. Eine ähnliche Erhebung haben musicHBwomen* in Kooperation mit dem Bremer Clubverstärker e.V. vorgenommen. Die Studie untersucht die Geschlechterverhältnisse in der Bremer Clubszene, wie sie sich im Jahr 2023 dargestellt hat. Die Zählung umfasste alle auftretenden Personen bei rund 850 Veranstaltungen im Jahr 2023 in 15 Bremer Musikclubs mit Live- und DJ-Formaten und nahm dabei eine Differenzierung nach männlich gelesen, weiblich gelesen und offen nicht-binär/genderqueer vor (durch das „Lesen“ öffentlich sichtbarer Merkmale). Die wichtigsten Ergebnisse:

– 2023 standen in den ausgewählten 15 Bremer Clubs 83% männlich gelesene Personen auf der Bühne,
53% der Veranstaltungen fand ohne Beteiligung weiblich gelesener Personen auf der Bühne statt,
– Nur ein Club, die MS Treue, weist eine ausgeglichene Geschlechterrepräsentanz auf,
DJ-Veranstaltungen weisen einen deutlich höheren Anteil weiblich gelesener/genderqueerer Personen auf,
Elektronische Musik ist hier führend, andere Genres wie Rock/Metal/Punk bleiben auch bei DJ-Formaten männlich dominiert,
– Mit einem Anteil von 49 % war „Rock/Metal/Punk“ das mit Abstand meistgespielte Genre – und das am stärksten männlich dominierte! 

Mit der Studie möchten die Macher*innen einen konstruktiven Impuls setzen – für mehr musikalische Vielfalt in Bremer Spielstätten und eine gezielte Förderung strukturell benachteiligter Musiker*innen. Sie setzen sich für eine gerechte Förderpolitik mit Diversitätskriterien, sichere und zugängliche Räume für Nachwuchs sowie mehr Sichtbarkeit für FLINTA*-Acts auf Bühnen und in leitenden Rollen ein. Die Clubstudie steht als pdf zum Download bereit.

15.10.2025

Initiative Better Live hebt Schlüsselrolle kleiner Venues hervor

„Big Change starts in small venues“: Nach mehrmonatiger Vorbereitung haben elf europäische Partner im Rahmen des Projekts „Better Live“ ein Manifest mit dem Titel: „Kleine Veranstaltungsorte sind die Zukunft der Live-Musik“ veröffentlicht. Wenige Megakonzerte belasteten die CO2-Bilanz des Kultursektors erheblich und konzentrierten einen großen Teil der Budgets, Honorare und Medienaufmerksamkeit auf eine Handvoll bereits überpräsenter Künstler*innen, schreiben sie. Unterdessen gabe es in ganz Europa Tausende kleiner Veranstaltungsorte und Festivals, die die überwiegende Mehrheit der Konzerte ausrichteten und Künstler*innen förderten. Diese stünden vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssten ihr Publikum anziehen und halten und gleichzeitig mit chronischen finanziellen Schwierigkeiten fertig werden. In einer Welt, die mit einer beispiellosen Klimakrise konfrontiert sei, sei die Aufrechterhaltung dieses Ungleichgewichts nicht mehr zu rechtfertigen. Daher ruft die Initiative die Musikbranche auf, Live-Musik durch einen systemischen Wandel neu zu überdenken und die Schlüsselrolle kleiner und mittelgroßer Veranstaltungsorte anzuerkennen. Das Publikum, Künstler*innen und Veranstalter*innen könnten die Zukunft der Musik aktiv mitgestalten, in dem sie die eigenen Praktiken überdenken und bewusste Entscheidungen treffen. Better Live ist ein vom Programm „Kreatives Europa“ der Europäischen Union kofinanziertes Projekt, an dem elf europäische Partner aus der Jazz- und Improvisationsmusikszene in Europa beteiligt sind (aus Deutschland ist Jazzahead mit dabei), das mit nachhaltigen Konzerten und CO2-armen Tourneen experimentiert. 

15.10.2025

Deutsches Musik­informations­zentrum veröffentlicht Bestands­aufnahme zur Situation von Musikclubs

Die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Coronapandemie setzen Musikclubs heute noch ebenso zu wie steigende Mieten, Personalmangel, Investitionsdruck durch Brand- und Lärmschutzauflagen und Zurückhaltung beim Kartenkauf. Wie gehen die Spielstätten mit den Herausforderungen um? Und was motiviert die Betreiber*innen, sich dennoch für die Musik starkzumachen? Dazu legt das Deutsche Musikinformationszentrum (miz), eine Einrichtung des Deutschen Musikrats, in seinem neuen Online-Fokus „Kulturort Musikclub“ eine umfassende Bestandsaufnahme vor, die mit Unterstützung der Initiative Musik und der LiveMusikKommission (LiveKomm) entstanden ist. Der Fokus beleuchtet in einem Grundlagenbeitrag die kulturelle, wirtschaftliche und soziale Bedeutung von rund 1.200 Musikclubs und weiteren Spielstätten, die in Deutschland regelmäßig im Rahmen kuratierter Programme Livemusik auf die Bühne bringen. Aktuelle Herausforderungen aus der Praxis kommen in einem Interview mit zwei Clubbetreiber*innen zur Sprache. „Mit unserem Angebot möchten wir die Wahrnehmung der Livemusikspielstätten für populäre Musik als gesellschaftlich relevante Kulturorte stärken,“ betont miz-Leiter Stephan Schulmeistrat, „gleichzeitig bauen wir eine Datenbank zur Spielstättenlandschaft auf, um ihre Infrastruktur in Deutschland langfristig zu dokumentieren.“ Ab sofort findet man im miz bundesweit Musikclubs, Musikbars und -cafés sowie weitere Livemusikspielstätten. Die Infrastruktur kann geographisch visualisiert und durch unterschiedliche Filter wie Genre, Platzkapazität oder städtischer/ländlicher Raum betrachtet werden. Rund 500 Spielstätten sind bereits online, die Aufnahme weiterer ist in Arbeit.

28.10.2024