
Cécile Verny Quartet (CVQ) auf Tour
24.04.2026 in Duisburg
In einem bequemen blauen Kleid und „vernünftigen Schuhen“ betritt die Sängerin die Bühne, begrüßt ihr Publikum warmherzig und zeigt gleich im ersten Stück ihr Stimmpotential. Auf Französisch singt sie „Automne“, einen Song, der von einer vergangenen Sehnsucht erzählt. Von Spaziergängen im Herbstlicht. Zwischen den gesungenen Worten bricht sie in Scat-Gesang aus – variiert die Melodie mit einer Stimme, die mal kristallklar, mal tief und mellow rüberkommt. Vertont hat dieses Lied ihr Pianist Andreas Erchinger. Weiter geht es mit „Money Ain’t Funny“, einer Komposition des Bassisten Heitzler, die vor den Gefahren warnt, auf Kredit zu leben. Céciles Stimme wird von einem langen Piano-Solo mit beschwingtem Beat unterbrochen, zu dem die Sängerin schwungvoll tanzt.
Vor jedem Song gibt Verny ihrem Publikum eine ausführliche Einführung – wie das Stück entstanden ist, wer es geschrieben hat, worüber es handelt. Bis zur Pause performt sie acht Stücke – darunter Balladen wie „Mon Malheur“, ein Song aus ihrer Feder über Unglück, Narben und traurige Erinnerungen. Hier ist ihr Gesang im wahrsten Sinne herzzerreißend. Erchingers wütendes Klaviersolo schreit den Schmerz heraus, wird aber ganz leise, als Verny ihren Gesang wieder aufnimmt und ihre Stimme immer lauter, immer klagender wird, bis das Stück in einem Crescendo endet. Wunderschön anzuhören ist auch die Ballade „Je ferme les yeux“, ein träumerisches Lied über Kindheitserinnerungen an der Cote d’Ivoire, das Verny nur vom Klavier begleitet performt.
Nach der Pause wird es kurz politisch. Das Stück „No ID“, eine gemeinsame Komposition der Band, befasst sich mit der Flüchtlingskrise. Es ist ein wütender Song. Die Sängerin verzerrt ihre Stimme, ihr ganzer Körper singt mit und wird von dissonanten Klavier- und Bass-Klängen getragen. Ähnlich düster ist auch die Vertonung von einem William Blake Gedicht „The Garden of Love“. Dieser englische Dichter aus dem 19. Jahrhundert gehört zum Songbook des CVQ. Er ist der Lieblingspoet des Pianisten, der bereits mehrere Gedichte von ihm vertont hat. Bei diesem Stück wandert Vernys Stimme durch mehrere Oktaven, wechselt die Register wie Farben von hell und klar bis erdig und schwer. Es gibt an diesem Abend aber auch beschwingte Songs, Souliges, Funkiges und Bluesiges. Das zweite Set endet mit einem Percussion-starken Afro-Beat Stück, zu dem Cécile Verny verschiedene afrikanische Tanz-Moves hinlegt, angelehnt an westafrikanische Tänze wie Agbadja, Balafon und Sabar.
Das Publikum ist von Anfang bis Ende begeistert und verlangt natürlich nach einer Zugabe. Mit „I Heard an Angel Singing“, einem weiteren Gedicht von William Blake, endet der Abend. Das Quartett muss am nächsten Morgen früh aufstehen und zum nächsten Konzert nach Reutlingen fahren – eine Autobahnstrecke von mindestens 5 Stunden. Wo Cécile Verny noch auftritt, erfahren Sie hier. Wenn das in Ihrer Nähe ist, sollten sie unbedingt die Chance ergreifen, um diese begnadete Sängerin live zu erleben.
Titelfoto: CSK Foto, Livefotos: Tina Adomako
28.04.2026

