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CD Reviews

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Anna Maria
"Saknað Fornaldar"

Die isländische Sängerin Anna Maria pendelt immer wieder zwischen ihrer Heimat und Dänemark. Nachdem sie ihr Studium an der FIH Musikschule in Reykjavik absolvierte, vertiefte sie ihre Kunst später am Musikkonservatorium in Kopenhagen. Als Mitglied der Vocal-Band IKI ist sie in Dänemark keine Unbekannte; die Band gehörte zu den Gewinnern bei den Danish Music Awards 2011. Jetzt hat Anna Maria ihr erstes Soloalbum herausgebracht. Auf „Saknað Fornalder“ hat sie acht Gedichte aus ihrer Heimat vertont. Sie eröffnet den Poesie-Reigen mit einem Gedicht des isländischen Nationaldichters Matthias Jochumsson, aus dessen Feder „Lofsöngur“, die Nationalhymne des Inselstaates stammt. Das Stück ist minimal orchestriert, nur Klavier und Synthesizer und darüber die vielschichtige Stimme der Sängerin, die erst tief und leise, dann laut und kraftvoll ein Lied singt, das von einer sehr traurigen Begebenheit handeln muss. Bei ihrer Auswahl hat sich Anna Maria fast ausschließlich für die alten Dichter ihres Landes, Tómas Guðmundsson und Jón Thoroddsen, entschieden. Mit Guðmundssons "Fjallganga“ klingt das Album aus, ein Stück das mit einem dunklen Klavier Intro beginnt, zu dem sich ein heulender Wind im Hintergrund gesellt. Dann erst kommt die Stimme der Sängerin dazu, unterbrochen von gespenstischen Celloklängen. Ein einziger Zeitgenosse wird von Anna Maria auf ihrem Debütalbum vertont: Sölvi Björn Sigurðsson, dessen erster Roman „Radio Selfoss“ (2003) zufällig von einer Familie handelt, die zwischen Island und Dänemark pendelt wie die Sängerin auch. Doch selbst dieses Gedicht („Mín ást til pin“) stammt nicht wirklich aus der Jetztzeit, handelt es sich doch eigentlich um Elisabeth Barrett Brownings „How Do I Love Thee?“, das Sigurðsson auf Isländisch umgedichtet hat. Das ganze Album ist von einer melancholischen Grundstimmung, vom Piano sind fast nur die tiefen Töne der Klaviatur zu hören, Cello und Bass klingen dunkel und klagend, Wurlitzer und Synthesizer liefern spukhaft-schaurige Töne dazu. Und über allem schwebt die wandlungsfähige Stimme der Sängerin, die wehmütig, klagend, sehnsuchtsvoll klingt und von dunklen Nächten, langen Wintern, verlorener Liebe und zerschmetterten Träumen zu singen scheint (die Lyrics sind im Begleitheft mitgeliefert, doch da ich kein Isländisch verstehe, kann ich das nur erahnen). Für Liebhaberinnen nordischer Folk-Musik ist dieses Album sicherlich ein Genuss.

CD, 2013, 8 Tracks, Label: Nordic Notes

Tina Adomako

24.11.2013