Total schade!

meint Ursula Branscheid

Tschüss und was nun?“
Es ist echt wahnsinnig schade, dass die Melodiva sich verabschiedet. Für mich persönlich gehen einfach unheimlich viele Infos verloren (Rubrik Kurzinfos), was Festivals, Workshops, etc. angeht, zu denen ich oft Kontakt aufgenommen habe und mich mit meiner Gruppe bzw. als Dozentin beworben habe.
Ebenso hilfreich waren oft die Kontaktadressen von Agenturen und Frauenmusik-Organisationen; auch zu diesen habe ich mehrfach Kontakt aufgenommen.

„Musikerinnen brauchen keine Präsenz in Print-Medien“?

Viele der oben genannten Infos habe ich aber auch wirklich nur in der Melodiva gefunden, sonst nirgendwo. In anderen Fachzeitschriften findet man meistens nichts darüber, schade.

„Haben Musikerinnen nichts zu berichten?“

Doch, klar. Aber die Musikerinnen sind offensichtlich etwas scheuer oder haben‘s mit sich selbst nicht so wichtig wie die Männer. Von Anne weiß ich, dass die Melodivas vielen bekannten Musikerinnen hinterhertelefonieren mussten, damit sie Ihnen doch bitte ihre nächsten Auftrittstermine u.ä. mitteilten oder die neuste CD zuschickten, damit diese Rubriken überhaupt genügend voll werden.

Mir persönlich ist übrigens noch aufgefallen, dass in der Rubrik „Bücher“ bisher nur Bücher von weiblichen Autoren besprochen wurden, plötzlich waren die meisten in dieser Rubrik von männlichen Autoren. Ich vermute mal stark, dass auch hier der Nachschub schlicht und ergreifend ausgegangen ist. Bei „meinem“ Verlag ist es ähnlich. Von ca. 40 Autoren sind zwei weiblich: die eine hat eine Blockflötenschule für Kinder rausgebracht, die andere bin ich.

„Was hat die Melodiva (mir) gebracht?“

Neben vielen Infos (s.o.) haben mir die Interviews mit den bekannten Musikerinnen viel gebracht. Unheimlich oft haben die das Gleiche wie ich erlebt. Da ist es sehr wichtig zu sehen, wie die damit fertig geworden sind. Außerdem sind die Lebenswege und musikalischen Werdegänge höchst interessant. Da leistet so ein Interview manchmal richtig Lebenshilfe. Ebenso ist der Bandindex einfach auch ein wichtiges Forum; sowohl für Veranstalter als auch für uns Musikerinnen untereinander.

„Wir und ich wünschen uns nicht nur „NACHRUFE“, sondern vielleicht auch „AUFRUFE“

Ich persönlich würde mir wünschen, vielleicht wieder als Rundbrief oder sowas weiterzumachen. Ohne aufwendiges Layout oder tollen Druck. Die Infos finde ich einfach zu wertvoll.

Ja, ich hoffe, ich konnte Euch mit meinen Erfahrungen inspirieren, motivieren oder weiterhelfen. Ich fände es schön, wenn Ihr mit einem Newsletter weitermachen könntet.

Also, viel Erfolg und Kraft für die Zukunft wünscht Euch

Ursula Branscheid, Tübingen, Dezember 2001

Musikerin (Percussion, Drumset), in diversen Musikprojekten von Afro bis Jazz, Musikpädagogin, Jazzstudium in der Schweiz, erste weibliche Autorin eine Lehrbuchs zu Percussion „Djembé“ (Leu-Verlag-Rezension in der Melodiva Heft 15), 2. Buch über Afrikanische Percussion in Vorbereitung/Druck.

31.12.2001