HILFE! – Schliessung des fm:z in Hamburg 2003

Schlechte Noten für Hamburgs Kultursenatorin

Streichungspläne der Kulturbehörde unter starker Kritik

Nachdem in der vergangenen Woche die Pläne der Kultursenatorin Dana Horáková öffentlich wurden, saß der Schock tief. Die Entscheidung der Kulturbehörde, die institutionelle Förderung des Frauenmusikzentrums komplett zu streichen, wurden ohne Ankündigung, aber vor allem ohne inhaltliche Gespräche mit dem Team des fm:z und somit ohne die Berücksichtigung aktueller Entwicklungen getroffen.

„Die spezifische Förderung von Frauen sei nicht mehr zeitgemäß“

ist das Argument der Senatorin. Die Arbeit des fm:z, die auf den Inhalten und Zielen des Gender Mainstreamings basiert, zeigt jedoch, dass Frauen wie Männer die dringende Notwendigkeit sehen, die Monogeschlechtlichkeit in der Musikszene zu überwinden. Denn…“noch immer herrscht im Musikbusiness ein Geschlechterverhältnis wie in der Astronautenszene oder der KFZ-Meisterinnung.“ (Christiane Rösinger, Musikerin und Labelchefin).

So haben dann auch die Streichungsabsichten der Senatorin im Rahmen der aktuellen Haushaltsverhandlungen breite Empörung ausgelöst.
„Per Handstreich und ohne sich vor Ort kundig zu machen, fegt die Kultursenatorin eine in 20 Jahren mit viel Engagement aufgebaute Kultur aus der Hamburger Landschaft“ kommentiert die GAL Abgeordnete Dr. Verena Lappe die bekannt gewordenen Senatspläne.
Der Vorsitzende des Kulturausschusses Dr. Wilfried Maier (GAL) sprach von „ideologischen Schnellschüssen“ und der kulturpolitische Sprecher der SPD Fraktion Holger Christier beschloss: „Die Entscheidung zum Frauenmusikzentrum werden wir nicht mittragen“.
Wolfhagen Sobirey, der Präsident des Landesmusikrates Hamburg, forderte den Erhalt des Frauenmusikzentrums, weil es als“ eine wichtige Einrichtung der Nachwuchsförderung und Qualifizierung beispielhaft regional bezogene Förderarbeit mit nationalen und internationalen Netzwerkaktivitäten vereint.“

Die ursprünglich mit 67.000 € veranschlagte Förderung des fm:z gewährleistete in der Vergangenheit eine effektive Nachwuchsförderung und Qualifizierung für Musikerinnen, Tontechnikerinnen sowie für Kulturberufe und Musikbusiness. Dabei ist das fm:z eine Institution, die es nicht nur schafft, dem kulturellen Gesicht Hamburgs immer neue Ausdrucksformen zu geben, sondern auch eine Institution mit Wirtschaftsfaktor. Wo andernorts von rückgängigen Zahlen die Rede ist, ist die Nachfrage auf die Angebote des fm:z weiterhin ungebrochen: Die voll ausgestatteten Übungsräume sind hoch frequentiert, die Workshopreihen gut besucht und die Konzerte an vielen Hamburger Veranstaltungsorten sind Highlights im Konzertkalender der Stadt. Mit einem lebendigen Netzwerk schafft das fm:z Synergieeffekte, die für Frauen im Musikbusiness einzigartig sind.

Wir laden Sie herzlich ein, das Frauenmusikzentrum vor Ort kennenzulernen und möchten Sie über den aktuellen Stand der Dinge informieren.

Am Mittwoch 11.09.02, 11h werden sprechen:

Steph Klinkenborg – Pressesprecherin des fm:z
Zu den laufenden Gesprächen mit Kulturpolitik und Kulturbehörde

Alenka Barber Kersovan – Geschäftsführerin des Arbeitskreis Studien der Populären Musik
Zur Situation von Frauen in der Musik

Ute Hittmeyer- Musikerin und Mitarbeiterin des fm:z
Zur Arbeit und Geschichte des Frauenmusikzentrums

Für weitere Informationen stehe ich Ihnen mobil unter 0177/ 55 75 386 gerne zur Verfügung.
(Aus der Presseerklärung des FMZ – Text: Steph Klinkenborg)

Weitere Veranstaltungen rund um die Schließung und die Situation des fm:z:

An vielen Stellen der Stadt werden StraßenmusikerInnen auf den Zustand aufmerksam machen und Unterschriften sammeln. Wer mitmachen möchte: Kontakt: 040 739 27 31

Am Do., 12.09.02 nachmittags findet ein Gespräch mit der SPD-Fraktion statt und danach eine Sitzung des Kulturausschusses, in der das fm:z Thema werden muss und soll.

Am Sa., 14.09.02 von 12.30- 14.30h findet ein Mini- Symposium des Arbeitskreises populäre Musik e.V. statt. Es sprechen:

Erika Funk-Hennigs:
„Zur Geschlechteridentitätsfindung von schwarzen Frauen – dargestellt an Bluessängerinnen der zwanziger Jahre“

Anja Herold:
„Frauen lernen Jazz“

Marion Kohlmaier:
„Singen – Zugangswege und Bedeutungen am Beispiel professioneller Sängerinnen“

Anja Rosenbrock:
„Komposition in Pop- und Rockbands

Ort: Hochschule für Musik und Theater, Raum 7, Hamburg, Harvestehuder Weg 12, Eingang Milchstrasse. Eintritt frei!

mail fmz@espressiva.de

Copyright: Redaktion Melodiva

31.08.2002