“Ganz unten auf dem Festivalplakat / Erstma’ egal, Hauptsache da / Als wir dann zum ersten Mal / Im Backstage war’n, wurde es uns klar / Wir sind allein / Wo sind all die ander’n Frauen?”
So heißt es im gemeinsamen Song “Männer” von Blond und addeN. Die Frage ist naheliegend: Wie männlich dominiert sind deutsche Festival-Line-ups im Jahr 2026 noch?
2023 berichtete die Tagesschau, dass bei Rock am Ring “deutlich mehr“ Musikerinnen auftreten würden als zuvor. Dies umfasse 21 von 72 Acts des Festivals und entspräche knapp 30% des Line-Ups1. Das ist zwar noch lange nicht die Hälfte, aber wenigstens ein Anfang. Trotz allem stellt sich die Frage, wie sich diese Zahl verändert hätte, wenn man nur die FLINTA* Artists und Bands mit FLINTA* Frontperson betrachtet. Außerdem wäre es interessant zu wissen, wie die gemischtgeschlechtlichen Bands zusammengesetzt waren und wie ausgeglichen das Verhältnis dort wirklich war.
Die Festival-Hochsaison begann ungefähr im Juni. Somit scheint es jetzt ein guter Zeitpunkt zu sein, sich diesen Fragen zu widmen. Für diese Recherche habe ich fünf bekanntere deutsche Festivals ausgesucht und ihre diesjährigen Line-up-Poster ausgewertet. Ziel war es, zu schauen, wie viele FLINTA* Acts dort vertreten sind.
Datengrundlage und Herangehensweise
Die Festivalplakate stammen von den offiziellen Instagram-Accounts oder Webseiten der Festivals, Stand: 19.05.2026. Die Artists wurden in fünf Kategorien aufgeteilt: männlich gelesen, FLINTA*, gemischt, gemischt mit männlich gelesener Frontperson und gemischt mit FLINTA* Frontperson.
Zusatz: Die Bezeichnung „männlich gelesen“ wurde gewählt, da nicht für jede Person die Selbstidentifikation recherchiert werden konnte. Sie beschreibt hier eine Einordnung nach Wahrnehmung bzw. Zuschreibung von außen. FLINTA* wird in diesem Text als Sammelbegriff für nicht-cis-männlich gelesene Personen verwendet. Die Kategorien sind damit bewusst vereinfacht und können sich überschneiden. Ziel der Einteilung ist es, strukturelle Ungleichheitsverhältnisse sichtbar zu machen und sie kann individuelle Identitäten nicht trennscharf abbilden.
Bei Bands/Gruppen mit mehreren Mitgliedern habe ich auf die Lead-Vocalists geachtet, da diese in der öffentlichen Wahrnehmung und auf der Bühne meist am stärksten hervortreten. Die Kategorie “gemischt” bezieht sich auf Kollektive und Bands/Gruppen ohne klar erkennbare Frontperson. Die Besetzungen wurden anhand von Fotos auf den Festival-Webseiten, den Instagramseiten der Künstler*innen oder aktuellen YouTube-Videos von Auftritten bestimmt.
Für die Auswertung habe ich die fünf Einzelkategorien am Ende zu zwei Oberkategorien zusammengefasst: männlich gelesen und FLINTA*. Zur männlich gelesenen Gruppe zählen männlich gelesene Acts sowie Acts mit männlicher Frontperson. Zur FLINTA* Gruppe zählen FLINTA* Acts, Acts mit FLINTA* Frontperson sowie die Kategorie “gemischt”.
Des Weiteren gilt es anzumerken, dass auf dem Splash!-Festivalplakat zwei Acts mit “[Name] and friends” angegeben werden. Da ich nicht herausfinden konnte, wer genau zu den “friends” dazugehört, habe ich sie anhand der Person, deren Name zuerst genannt wird, kategorisiert. Zudem wurden keine Podcasts miteinbezogen.
Auswertung der Line-ups
Als Erstes habe ich mir angeschaut, wie sich die Line-Ups der einzelnen Festivals jeweils zusammensetzen. Am schlechtesten schneidet hierbei Rock am Ring mit einer Quote von 15,07% FLINTA* Acts ab, gefolgt vom Splash! Festival mit einer Quote von 18,52%. Etwas besser sieht es beim Deichbrand mit 30,69% und dem Hurricane Festival mit 30,95% aus – sie teilen sich sozusagen den zweiten Platz. Mit Abstand am besten schneidet das Lollapalooza Berlin mit einem ausgeglichenen 50/50 Line-Up ab. Hierbei ist allerdings auch anzumerken, dass das Festival mit 40 Spots das kleinste Line-Up der fünf hat. Ergänzend zum Artikel findet sich auf Instagram eine visuelle Analyse der Festivalplakate und ihrer Line-ups.

Würde man nun aus allen untersuchten Festivals ein großes Line-up erstellen, sähe das ungefähr so aus: 352 Acts, davon 98 FLINTA*, mit FLINTA* Frontperson oder gemischt ohne erkennbare Frontperson. Das entspräche einem Anteil von ungefähr 27,84%, also etwas weniger als einem Drittel. Die genauere Zusammensetzung in der folgenden Grafik:

Zusammensetzungen gemischter Bands
Wie zu Beginn des Reports gesagt, bin ich bei der Kategorisierung der gemischten Bands/Gruppen auf ein kleines Problem gestoßen. Mir erschien es nicht sinnvoll, nur solche zu berücksichtigen, die vollständig aus FLINTA* Personen bestehen. Deshalb habe ich mich für den Bühnenpräsenz- bzw. Sichtbarkeitsfaktor entschieden. An dieser Stelle gilt es anzumerken, dass es nicht das Ziel ist, Instrumentalist*innen unsichtbar zu machen oder als weniger wichtig darzustellen. Die Einordnung dient lediglich der Analyse.
Während der Recherche fiel auf, dass es fast keine gemischten Bands mit einem männlich gelesenen Leadsänger gibt. In den meisten Fällen übernimmt eine FLINTA* Person diese Position. Zudem scheinen trotzdem meist männlich gelesene Personen in der Überzahl zu sein. Aus diesem Grund habe ich mir die Zusammensetzung aller gemischten Acts genauer angeschaut: Insgesamt sind das 31 Acts, jedoch konnten nur 28 davon anhand einer festen Besetzung analysiert werden. Zählt man ihre Mitglieder, kommt man auf 76 männlich gelesene Personen und 37 FLINTA* Personen. Das entspricht etwa einem Verhältnis von 2:1. Prozentual machen die FLINTA* Personen somit ungefähr 32,74% der Besetzungen aus und sind davon in ca. 61,29% der Bands in der Lead-Vocalist-Position. Es lässt sich also erkennen, dass auch die gemischten Bands weniger ausgeglichen besetzt sind, als es vielleicht auf den ersten Blick wirkt. Zudem zeigt sich das verbreitete Muster, dass FLINTA* Personen vor allem als Sänger*innen sichtbar sind.
Headliner*innen
Zuletzt soll der Fokus auf die Positionen der jeweiligen Artists auf den Line-up Plakaten gelegt werden. Meist werden die Namen der Headliner*innen ganz oben und größer als die der anderen Künstler*innen abgebildet. Ich habe hier noch eine Unterscheidung zwischen Headliner*innen und Sub-Headliner*innen getroffen. Das betrifft jene Artists, die zwar unter den Headliner*innen, jedoch trotzdem größer als die restlichen Acts aufgeführt werden.

Auch hier sind die Zahlen bezeichnend: Alle Festivals haben zusammen 38 Headline- sowie 64 Sub-Headline-Spots. Von ersteren werden 8 FLINTA* Personen besetzt und von zweiteren 10. Das entspricht etwa einem Anteil von 21,05% und 15,63% und zeigt dementsprechend, dass FLINTA* Personen in den “höherrangigen” Positionen im Line-Up noch weniger vertreten sind als sowieso schon.
Alles in allem kann man nun erkennen: FLINTA* Personen machen zwar fast ein Drittel der Line-ups aus, jedoch ist das einerseits immer noch ziemlich wenig und andererseits unterscheidet sich dieser Anteil allein innerhalb der untersuchten fünf Festivals stark. Natürlich berührt diese Recherche nur einen Bruchteil deutscher Festivals und es ist sicherlich lohnenswert, sich auch kleine Festivals und die Unterschiede innerhalb verschiedener Genres anzuschauen. Gerade größere oder bekanntere Festivals bieten Künstler*innen jedoch viel Sichtbarkeit und die Chance, Hörer*innen dazuzugewinnen. Auffällig ist, dass insbesondere dort der Anteil an FLINTA* Acts noch geringer scheint. Dabei könnte ein ausgeglicheneres Booking Festivals nicht nur ausgewogener machen, sondern ihnen zudem eine Chance bieten, sich zu positionieren und ein Zeichen zu setzen.
Was hat sich bereits verändert?
Weiterhin bleibt die Frage offen, inwiefern sich die Zusammensetzungen von Festival Line-Ups bereits verändert haben. Eine Studie der MaLisa Stiftung, in Kooperation mit der GEMA und Music S Women* aus dem Jahr 2022 analysiert Geschlechterverhältnisse auf 15 verschiedenen Festivalbühnen in den Jahren 2010, 2015, 2019 und 2022. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Frauenanteil innerhalb des Zeitraums unter 10% liegt. Betrachtet man die Jahre einzeln, wird deutlich, dass trotz dieser niedrigen Zahl eine Steigerung von 7% auf ca. 16% im Jahr 2022 zu verzeichnen ist2.
Auch die Keychange-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass im Vergleich zum Jahr 2021 zwar mehr Personen denken, dass der Frauenanteil auf Konzertbühnen gestiegen ist, dieser sich jedoch weiterhin im unteren Bereich bewegt. Auf 9 von 15 Festivalbühnen stehen immer noch über 70% Männer3.
Beide Studien verweisen zudem darauf, dass sich kleinere Festivals in Sachen Geschlechterverhältnisse besser schlagen als die größeren: Die MaLisa Stiftung stellt auf den kleineren Festivals einen Frauenanteil bis 29% fest und einen durchschnittlichen Anstieg von 8% auf 17% (2010-2022). Keychange errechnet einen Anstieg des Frauenanteils von 8% auf 28% (2010-2023), dahingegen liegen die Zahlen der großen Festivals bei einem Anstieg von 6% auf 15%.
Insgesamt bestätigt sich damit: Je größer das Festival, desto stärker hält sich der hohe Männeranteil. Die MaLisa-Stiftung weist zudem darauf hin, dass ein höherer Anteil elektronischer Musik mit einem höheren Frauenanteil zusammenhängt, während ein höherer Anteil an Instrumentalist*innen eher mit einem niedrigeren Frauenanteil korreliert. Das passt auch zu meiner Analyse gemischter Bands.
Um abschließend die Frage zu beantworten, ob deutsche Festivals weiterhin männlich dominiert sind, kann man sagen: Ja. Der Anteil an FLINTA Künstler*innen ist zwar seit 2010 angestiegen, ausgeglichen sind die Geschlechterverhältnisse jedoch noch lange nicht. Gerade große Festivals scheinen sich schwer damit zu tun. Daraus ergeben sich weitere Fragen: Warum ist das so und was kann getan werden? Auf diese möchte ich in den kommenden Wochen im zweiten Teil dieses Reports eingehen.
Quellen
1 SWR, Ute Spangenberger (2023): „Musikfestivals: Mehr Frauen auf der Bühne“. tagesschau.de. https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/musik-festivals-frauen-100.html.
2 MaLisa Stiftung (2022): „Studie zur Geschlechtergerechtigkeit in der Musikbranche: Charts, Werke und Festivalbühnen“. malisastiftung.org. https://www.malisastiftung.org/studien/gender-in-music-charts-werke-und-festivalbhnen.
3 Keychange (2024): “Keychange 2024 – Study on gender diversity in the German music market”. keychange.eu. https://www.keychange.eu/s/Study-results_Keychange_2024_EN.pdf
Titelfoto: Colin Lloyd


Haben sich Veranstaltende bereits darauf eingestellt, dass manche Musiker*innen mit Kindern anreisen?
Ha, tatsächlich war das bei meinen beiden Schwangerschaften komplett unterschiedlich 😀 In meiner ersten Schwangerschaft habe ich noch im ersten Trimenon eine komplette Carmen-Produktion gesungen – also die Titelpartie aus Bizets Oper. Danach hat die Corona-Welle meine restliche Konzerttätigkeit bis zur Geburt leider weitgehend stillgelegt. Somit konnte ich mich wunderbar mit viel Zeit auf die erste Geburt vorbereiten.
Die Herausforderungen des Spagats zwischen Beruf und Familie habe ich ja schon weiter oben angesprochen. Für mich persönlich ist vor allem das lange Wegbleiben von zu Hause eine große Challenge. Die Grönemeyer-Tour dauerte insgesamt drei Wochen – drei Wochen, in denen ich nicht miterleben konnte, wie sich mein Sohn entwickelt oder welche neuen Dinge er lernt. Ich liebe meine Mutterrolle und möchte jeden noch so kleinen Entwicklungsschritt miterleben.
Ich musste mir auf jeden Fall ein dickeres Fell zulegen. In Sachen Stressresistenz, Zeitmanagement und Produktivität wird man als Mama in kürzester Zeit gezwungenermaßen zur Meisterin. 😛 Ich versuche, Stress so gut es geht zu vermeiden, aber in der Praxis gelingt das natürlich nicht immer. Dann sage ich mir: Niemand ist perfekt, und ich probiere, gutmütig zu sein, mir selbst Druck zu nehmen und dankbar zu sein für die ganzen Dinge, die ich gewuppt bekomme.
Ich habe meine Kids schon bei Shows dabei gehabt, allerdings nicht auf längeren Tourneen. Bei Kind 1 war ja ohnehin Corona und jetzt bei Kind 2 stand ich wie geplant nach 4 Wochen bei einer WDR Aufzeichnung auf der Bühne, während Baby und Papa (!) im Bus geschlafen haben. Die Konzerte danach habe ich teilweise mit Family dabei oder mit abgepumpter Milch im Kühlschrank durchgezogen. Das ging hier und da richtig an die Substanz, aber es war möglich. Da die ersten Lebensmonate im Winter waren, war ich auch viel im Karneval unterwegs. Das hieß zwar viele Konzerte, aber immer zu Hause schlafen. Aber ja, da musste der Kindersitz dann in den 9-Sitzer gebaut werden und alle haben brav am Straßenrand gewartet, weil ich stillen musste. Das war auch immer ein kleines Abenteuer und der größte Stress ist dabei eigentlich die Angst, dass es nicht hinhaut, aber es hat gut geklappt. Und ein bisschen stolz war ich auch, meine Familie dabei zu haben. Alles in allem ist uns der Spagat geglückt, nicht „aus allem raus zu sein“ und Sorge haben zu müssen, dass es beruflich den Bach runter geht. Daher bin ich erleichtert und dankbar. Und ja, auch sehr müde…
Das Planen der „Auszeit“ war tatsächlich recht aufwändig. Man will nicht zu früh die Pferde scheu machen, andererseits möchte man nicht zu kurzfristig „abspringen“ und Bands oder Produktionen vor den Kopf stoßen. Meine Taktik war, recht früh Bescheid zu sagen und einfach mit offenen Karten zu spielen. Ich konnte während der Schwangerschaft zum Glück bis auf wenige Ausnahmen alle Jobs selber machen oder hatte da bereits eingearbeitete Subs zur Hand.
Ich finde es ist noch viel Luft nach oben in der Selbstverständlichkeit, dass Musikerinnen Kinder haben oder schwanger sind. Und dass sie „trotzdem“ weiterhin einen super Job machen können. Da fehlt echt die Sichtbarkeit (wie bei so vielen Dingen).
Und je nachdem, wie die Nächte laufen oder wie herausfordernd der ganz normale Alltag eben ist, ist der Knackpunkt einfach die eigene Kraft. Immer wieder habe ich Sorge, dass ich vor einem wichtigen Job nicht genug Schlaf bekomme, von 7 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags als Mami funktionieren muss und DANACH noch gute 8 Stunden vor mir habe, in denen ich volle Konzentration brauche. Das ist ein enormer Druck, obwohl ich weiß, dass zu Hause meistens alles bestens klappt.
Sophie Trost ist eine Singer-Songwriterin aus Berlin. In ihren Liedern verarbeitet Sophie, was sie bewegt, seien es persönliche Erfahrungen oder gesellschaftspolitische Ereignisse. Die Musik der Sophie Trost Combo ist leicht und ernsthaft zugleich, tanzbar und lässt Raum für Improvisation. Die Mitglieder der Combo bereichern Sophies Lieder mit Einflüssen aus Jazz, Bossa Nova, Reggae, lateinamerikanischen Rhythmen, Pop, Chanson und vielem mehr. Mit aufrichtigem Gesang und warmen Klarinettenklängen kreiert Sophie gefühlvolle Ohrwurm-Melodien. Matijas virtuoses Gitarrenspiel sorgt für bereichernde Überraschungen. Darunter legt sich der weiche Groove von Phils Bass, den der Perkussionist Luis mit vielfältigen und subtilen Rhythmen abrundet. Im Mai 2025 hat Sophie Trost ihr Debütalbum
Nein, ich war mit meinen Kindern bisher noch nicht auf Tour. Früher hatte ich meine Kinder öfters bei Konzerten dabei und als Babies sogar währenddessen in der Trage auf dem Rücken. Doch vor ein paar Jahren wollte meine Tochter während eines Konzerts unbedingt ab dem zweiten Lied auf meinem Schoß sitzen (nackt, da sie vorher im Planschbecken war). Schwanger mit meinem dritten Kind und Kugelbauch war das eine ganz schöne Herausforderung für mich. Seitdem spiele ich Konzerte lieber ohne meine Kinder, um mich voll und ganz auf die Musik konzentrieren zu können. Die Tatsache, dass ich Kinder habe, beeinflusst auf jeden Fall mein Booking-Verhalten und meist halte ich vor allem Ausschau nach Konzerten in unserer Umgebung, also in Berlin und Brandenburg. Denn während der Konzerte passt meistens der Opa oder unsere Nachbarin auf die Kinder auf.
Musik ist nicht mein Haupt-/Brotjob. Ich genieße es, dass ich mich musikalisch entfalten kann und dabei nicht unter so großem finanziellen Druck stehe. Ich habe auch einen spannenden, inspirierenden „Brotjob“ im Marketing im Kulturbereich. Und ich bin sehr dankbar, dass sich das Musikmachen so gut mit der Kindererziehung vereinbaren lässt. Die Bandproben finden bei uns zu Hause statt und auch da sind unsere Kinder manchmal dabei.
Ich hatte schon immer den Traum von einer Work-Life-Balance: Teilzeit in einem spannenden Bereich arbeiten, Kinder haben und Musik machen. Diese Vision ist bei mir Wirklichkeit geworden, dafür bin ich sehr dankbar. Das alles funktioniert aber vor allem deshalb so gut, weil der Vater meiner Kinder als Papa und im Haushalt sehr engagiert ist und als Perkussionist in meiner Band am selben Strang zieht. Meinen ältesten, inzwischen 17jährigen Sohn habe ich alleinerziehend mit 20 Jahren bekommen. Da war neben Kindererziehung und Studium wenig Zeit für anderes. Ich habe also den Vergleich. Wenn wir wollen, dass Frauen mehr in „männlich“ konnotierten Bereichen tätig sind, müssen gleichzeitig Männer mehr „weiblich“ konnotierte Bereiche übernehmen. Das wurde Jahrzehnte lang nicht ausreichend umgesetzt, weil „weiblich“ konnotierte Aufgabengebiete traditionell weniger wertgeschätzt werden. So wurde lange Care-Arbeit und Hausarbeit ja gar nicht als Arbeit angesehen (wird ja auch nicht entlohnt) und unsichtbar gemacht.
Nach ihrem Umzug nach Berlin arbeitete Jarita mit renommierten Künstler*innen wie Judith Holofernes, Peter Fox, Astrid North und Jaqee zusammen und etablierte sich als gefragte Musikerin, Arrangeurin und Komponistin im Theaterbereich. Ihre multidisziplinäre Herangehensweise zeigt sich in Projekten wie dem interaktiven Mitmachkonzert
Ja, ich habe eine Tochter, sie ist jetzt 1 Jahr und 8 Monate alt. Als sie 3 Monate alt war, habe ich wieder angefangen, im Theater an der Parkaue zu spielen. Mein Partner ist damals immer mitgekommen, hat in der Umkleide auf sie aufgepasst oder ist mit ihr spazieren gegangen – zu der Zeit hat sie ja auch noch viel geschlafen. Als sie etwa 6 Monate alt war, begann die Produktion eines neuen Stücks am GRIPS Theater, auch dort waren die beiden immer mit dabei. Es war für uns eine angenehme Situation, weil die Regisseurin Ellen Urhahn selbst Mutter ist und großes Verständnis für meine Situation hatte. Ich war in dieser Zeit also nicht richtig auf Tour, hatte aber das Glück, als Musikerin in einem Bereich arbeiten zu können, der mir diese Flexibilität ermöglicht.
Stichwort Kinderbetreuung: viele Kitas haben zu, wenn Musikerinnen* arbeiten, nämlich abends und am Wochenende. Wie hast Du das geregelt?
In den letzten Jahren habe ich viele Songs geschrieben und produziert, die jetzt endlich fertiggestellt werden wollen. Aus meiner YouTube-Serie JAMMIN WITH JARITA entsteht gerade ein Album. Mein Mitmachkonzert für Kinder TROMMELVERSUM wächst und entwickelt sich immer weiter – nächstes Jahr möchte ich es noch öfter aufführen.
Nicole Johänntgen hat Saxophon, Komposition und Arrangement in Mannheim an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellenden Kunst studiert. Seit 2005 lebt sie mit ihrer Familie in der Schweiz. Nicole tourt weltweit und hat bereits mit Stars wie Daniel Powter (Bad day), Roger Cicero, Eric Harland, Aaron Parks, Nils Landgren, Cæcilie Norby und Piet Klocke gespielt. Derzeit ist sie vor allem mit ihren neuen Programmen „Labyrinth II“ und „Robin“ unterwegs. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie zahlreiche internationale und nationale Auszeichnungen. Sie hat 29 Alben veröffentlicht und ihr eigenes Label Selmabird Records gegründet, ist aber auch eine begeisterte Mentorin: alle zwei Jahre organisiert sie den Musikbusiness-Workshop SOFIA Support Of Female Improvising Artists in Zürich. Bei diesem Workshop geht es darum, Selbstmanagement und Networking unter Musikerinnen zu lernen. Ihr Ziel ist es, mehr Jazzmusikerinnen auf die Bühne zu bringen. Desweiteren leitet sie den „Kids Jazz Club“, der Kindern einen leichten Zugang zur Musik verschafft. Nicole ist Saxophon-Influencerin in den
Was musstest Du an Deiner Lebens- und Arbeitsweise ändern, um alles unter einen Hut zu bekommen?
Für sie sei das eine ganz neue Erfahrung gewesen, andere DJs auch als Role Models zu erleben, sagt Jenne. „Ich bin nie auf die Idee gekommen, selbst DJ zu werden, weil ich nie eine weiblich gelesene Person gesehen hab, die hinter dem DJ-Pult steht. Einer meiner größten Inspirationen war Helena Hauff, das ist eine ganz tolle DJ mittlerweile, superbekannt, aber die hat genau meinen Sound gespielt, und ich war so: ‚Oh mein Gott, das ist eine Göttin, das möchte ich auch!‘ Ich konnte mich so krass mit ihr identifizieren und danach dachte ich: ‚Ich kann das ja eigentlich!‘. Dann hab ich damit erst so richtig angefangen (…) und gemerkt, Repräsentation ist einfach sehr wichtig“.
Ainie ist Teil des Female* Producer Collectives, auf das sich in der letzten Runde 131 Musikerinnen* beworben hatten. „Weiblich gelesene Produzentinnen sind noch sehr unterrepräsentiert. Ziel ist es, dass man diese Leute aufbaut, wenn sie noch nicht so weit sind. Dass man sie coacht. Die Leute bekommen Workshops, sie bekommen die Möglichkeit, andere Leute zu produzieren, zu networken. Man kriegt wichtige Kontakte in die Industrie, zu Sony usw. Mir persönlich hat das sehr viel gebracht, ich war supergrün hinter den Ohren, und nach dem F*PC wusste ich einfach, wie das ‚Game‘ funktioniert“. Wer einmal drin ist, kommt über das Netzwerk an Jobangebote.
Jenne sagt zum Thema Awareness & safe spaces: „Es gibt ja jetzt den Begriff von ’nem safer space, weil einen safe space kann man nie generieren. Aber man kann versuchen, dass sich Menschen wohlfühlen. Das ist eine sehr wichtige Angelegenheit, aber sehr schwer umzusetzen, weil man ja gleichzeitig auch niemanden diskriminieren will. Zum Beispiel bei einer Selektion an der Tür fängts ja irgendwie schon an. Wenn man eine queere Party machen will, dann versucht man ein gewisses Publikum zu generieren, gleichzeitig möchte man aber auch niemanden diskriminieren. Man möchte nicht assumen, was die Person für eine Einstellung oder sexuelle Orientierung hat. (…) Aber Awareness fängt vor allem von innen an, es ist wichtig, patriarchale Strukturen zu durchbrechen bei den Clubbesitzern, dass man bei sich anfängt, bevor man fünf Leute beschäftigt, die kriegen fünf Euro die Stunde und sagen ‚wir machen jetzt Awareness‘ und haben eine Schärpe um, damit ist es halt nicht getan, sondern es fängt vor allen Dingen erstmal bei Team an“.
Stichwort Gatekeeper*innen: Nach den Meilensteinen in ihrem Werdegang gefragt, erzählt Lisa-Anna von ELL, dass entscheidend gewesen sei, dass sie während der Pandemie bei Kurt Ebelhäuser aufnehmen konnten und dass sie Johanna Bauhus vom 
Nach dem Talk betrat die Songwriterin und Musikproduzentin Annelie Schwarz aka 
Nach einer gemeinsamen Begrüßung von Antje (Brotfabrik), Linda (Frauenreferat Frankfurt) und Mane (MELODIVA) ging es gleich mit dem ersten Talk in der gut gefüllten Brotfabrik los (Foto: Barbara Walzer). Auf dem Podium saßen die auftretenden Musikerinnen des Abends – Lena & Johanna von LUAH, Jamila von GG VYBE und BELQIS – sowie Mane von MELODIVA. Mit der Moderatorin Christina Mohr sprachen sie über ihre musikalischen Biografien, strukturelle Hürden und was es braucht, um Frauen* und Mädchen* beim Musikmachen und im Musikbusiness besser zu unterstützen (vor allem Räume und safe spaces!). Sascha Wild, der neue Referent für Popularmusik in Frankfurt und Vater einer kleinen Tochter, war ebenfalls Teil des Panels und vor allem da, um zuzuhören, wie er selbst sagte.
Der zweite Talk m

























Das Frauenbüro der Stadt Offenbach lädt vom 05.-15.03.2021 zu
Ein Konzert-Screening zum Weltfrauen*tag sendet das Kammerensemble Konsonanz am 08.03. ab 19:30 Uhr mit den Kompositionen starker Frauen aus zwei Jahrhunderten: 




