Aufruf zur realutopischen Meta Community: Festival Boost Now!

Kultur wird von der Politik gering geschätzt – das hat die Coronapandemie eindrücklich gezeigt. Mehr noch: strukturelle Probleme innerhalb der Nicht-Mainstream-Musikszene in Deutschland bewirken, dass es für viel zu viele großartige Künstler*innen viel zu wenige Auftrittsmöglichkeiten gibt. Vom Staat bereit gestellte Etats werden noch dazu nicht gerecht verteilt. Das bemängelt eine Gruppe von Musiker*innen, Organisator*innen und Mitgliedern verschiedener Kollektive, die seit diesem Sommer zur Initiative Festival Boost Now! aufruft und damit der politischen Geringschätzung von Kultur mittel- und langfristig etwas Produktives entgegenbringen möchte. Sie möchte ein völlig neu gedachtes multiperspektivisches Meta Festival entwickeln. Das emanzipatorische Großprojekt soll ein Musikfestival mit interdisziplinärem Austausch werden, „das in eine intersektionale, queerfeministische, antirassistische und gemeinwohlorientierte Vision eingebettet ist – die Vorstellung einer gerechten Post-Corona-Zeit, in der wir ohne Angst verschieden sein können. Auf dem Weg zu diesem Ziel möchte das Großprojekt-Festival neue Strukturen entwickeln und aufbauen, welche werteorientiert und partizipativ sind, sowie Gleichberechtigung für die beteiligten Musiker*innen, Organisator*innen und für die Musikbranche generell schaffen sollen“.

Geplant ist, die Realutopie mit 52 Communities zu verwirklichen, die insgesamt 52 Wochen lang Festivals veranstalten: jede Community – es können z.B. eine Gruppe von Musiker*innen sein – veranstaltet ein eigenes einwöchiges Festival mit „professioneller Nicht-Mainstream-Musik“ unter maximaler Beteiligung des Publikums und interessierter Menschen. Die Einladung, mitzumachen, eine eigene Community zu gründen und von der Meta Communtity unterstützt zu werden, richtet sich auch besonders an diejenigen, die sich von den bisherigen Strukturen trotz hoher Professionalität ein Stück weit übersehen fühlen. Die Veranstaltenden sollen jeweils auch unbekanntere Acts auf ihrem Festival präsentieren, die ebenso hörenswert sind wie etabliertere Projekte, weil sie nach Meinung der Veranstaltenden einfach gute Musik machen. Workshops und Vorträge sollen eine Weiterbildungsmöglichkeit für alle Menschen in Unabhängigkeit von deren Zugangsmöglichkeiten zu Kultur und Bildung bieten. In Flashmobs wird auch das Publikum direkt beteiligt. Die Idee der neuen Communities geht noch weiter: sie sollen als Austauschplattform für das Teilen von Gedanken, Meinungen, Ideen, Wissen, Fähigkeiten und beruflichen Ressourcen wie Kontakten und Räumlichkeiten dienen. Mitmachen können alle, die die Werte der Meta Community teilen.

Mehr dazu könnt ihr einem Vortrag von Jo Wespel & Sanni Lötzsch beim Darmstadt Jazzforum (30.09.-02.10.2021) entnehmen oder euch per Mail melden.

04.10.2021