Europäisches Kooperationsprojekt „Better Live“ entwickelt nachhaltige Touren

Die Mobilität von Künstler*innen und Publikum ist die größte Quelle von Treibhausgasemissionen im Kultursektor. Wie können wir also die Mobilität von Künstler*innen in Europa fördern und gleichzeitig unseren CO2-Fußabdruck verringern? „Better Live“ ist ein Projekt, das von 11 europäischen Partnern aus der Welt des Jazz und der improvisierten Musik geleitet wird und von März 2023 bis August 2026 mit nachhaltigen Konzerten und kohlenstoffarmen Tourneen experimentieren wird. Ziel 1 ist die Verringerung des CO2-Fußabdrucks von Live-Musikveranstaltungen, Ziel 2 die Unterstützung der Verbreitung internationaler Künstler*innen und die Erhöhung der Programmvielfalt in Europa. In den nächsten 4 Jahren wird das Projekt Datenanalysetools entwickeln, Schulungen für Fachleute organisieren und vor allem nachhaltige Konzertreisen entwickeln. Die erste Tournee der amerikanischen Band Amirtha Kidambi’s Elder Ones fand vom 4. bis 13. April auf verschiedenen europäischen Bühnen statt. Als deutscher Partner ist die Jazzahead mit an Bord.

18.04.2024

WIRKMÄCHTIG Culture4Climate Preis 2024 sucht Pionier*innen

Im Rahmen der bundesweiten Initiative Culture4Climate schreibt die Kulturpolitische Gesellschaft erstmalig den WIRKMÄCHTIG Culture4Climate Preis 2024 aus. Gesucht werden Pionier*innen des Klimaschutzes im Kulturbereich in Deutschland, die innovative Wege des Klimaschutzes im Kultursektor beschreiten, durch ihr vorbildliches Engagement wichtige Impulse setzen und andere zur Nachahmung inspirieren. Wichtig ist dabei, dass die Klimaschutzmaßnahmen bereits umgesetzt sind und dass deren Wirkung erkennbar ist. Dabei kann es sich beispielsweise um die Einführung eines smarten Gebäudemanagements, um innovative Vermittlungs- und Diskursangebote oder um wirkungsvolle Formen der Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen und Unternehmen handeln. Einzelpersonen, Organisationen, Netzwerke und Initiativen sind aufgerufen, sich bis zum 7. April 2024 über das Online-Portal von Culture4Climate für den Preis zu bewerben. Eine fachkundige Jury wird eine Shortlist der Einreichungen erstellen sowie die Preisträger*innen bestimmen. Zentrale Auswahlkriterien sind die Einsparung von Treibhausgasemissionen, der Kreativitäts- und Innovationsgrad sowie das Potenzial zur Impuls- und Breitenwirkung. Die Bekanntgabe der Preisträger*innen wird im feierlichen Rahmen der nationalen Konferenz zu Kultur und Klimaschutz der Initiative Culture4Climate am 17. September 2024 im Museum für Kunst & Gewerbe in Hamburg stattfinden.

27.02.2024

#MelodivaSpotlight: „Oral“ von Björk & Rosalía

Mit ihrem gemeinsamen Song „Oral“ setzen sich die isländische Popkünstlerin Björk und die experimentelle katalanische Flamencosängerin Rosalía für den Kampf gegen industrielle Lachszucht ein. Auslöser für das Engagement war die Notschlachtung von einer Million isländischer Lachse, die durch die Enge der Haltung von der ungebremsten Ausbreitung von Seeläusen betroffen waren. Als Umweltaktivistin erschütterte Björk die Massentötung so, dass sie einen Song schrieb und sich dafür ihre Kollegin Rosálía ins Boot holte. Mit „Oral“ wollen sie das Bewusstsein für das Leid der Fische in Lachsfarmen schärfen und auf die verheerenden Folgen der Zucht hinweisen. Nicht nur verpesteten sie die Meere mit Fischkot, Futterresten, Pestiziden, Medikamenten, Mikroplastik und Schwermetallen, sie gefährdeten auch die Existenz von Islands einzigartigem Wildlachs, der die Insel lange vor den ersten menschlichen Siedlungen in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts bewohnte, schreibt Björk auf ihrer Homepage. Der Song „Oral“ geht zurück auf eine Komposition von Björk, die bereits zwischen den Alben „Homogenic“ (1997) und „Verspertine“ (2001) entstand, seitdem aber unveröffentlicht war, da sie dramaturgisch auf kein Werk passte. Alle Einnahmen gehen an die Non-Profit-Organisation AEGIS, die sich gegen Fischfarmen in Island einsetzt. Die Single gibt es u.a. hier.

 

29.11.2023

Popakademie Talks zum Thema Musik und Nachhaltigkeit starten am 10.10.2023

Im Wintersemester 2023/2024 veranstaltet die Popakademie wieder die Reihe „Popakademie Talks“. Im Herbst stellen Gäste aus dem Musik- und Kulturbereich das Thema „Musik und Nachhaltigkeit“ vor. Die Popakademie Talks starten am Dienstag, den 17. November um 19 Uhr mit Zora Brändle, die einen Überblick über das Thema Nachhaltigkeit gibt. Zora Brändle studierte an der Popakademie Baden-Württemberg Musikbusiness, wo sie unter anderem am Projekt Green Touring beteiligt war. Brändle war von 2018 bis 2023 Vorsitzende des Clubverband EventKultur Rhein-Neckar, Co-Initiatorin der Delta Frauen und Co-Initiatorin, Gründungsmitglied und aktuell 2. Vorsitzende von Clubkultur Baden- Württemberg. Seit 2020 absolviert sie berufsbegleitend den MBA Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg und beschäftigt sich beruflich, privat und im Ehrenamt mit Nachhaltigkeit in der Kultur. Außerdem ist sie seit 2022 in der Fachjury Nachhaltigkeit des Applaus-Spielstättenpreis der Initiative Musik. Am 14. November 2023 geht es im Talk mit Nicholas Müller um das Thema soziale Nachhaltigkeit als Musiker. Am 05. Dezember 2023 ist Laura Knobloch zu Gast und spricht über Nachhaltigkeit bei Festivalplanungen am Beispiel von Enjoy Jazz. Die Talks finden jeweils in der Popakademie in Raum 001 statt, eine Anmeldung ist nicht nötig.

10.10.2023

Bundesverband Soziokultur gibt Informationensschreiben zu Nachhaltigkeit heraus

Der Bundesverband Soziokultur gibt in unregelmäßigen Abständen ein Informationsschreiben zu Fördermöglichkeiten rund um das Thema Nachhaltigkeit heraus. Dort findet ihr Beratungen für Kulturinstitutionen, Förderprogramme für Klimaschutzprojekte, Energieberatungen, Förderung von Sanierung u.a. an Gebäuden, Lasten-E-Rädern, Fahrradleasing, viele nützliche Infolinks und mehr. Alle drei Monate werden die Informationen auf Aktualität überprüft und neue Fördermöglichkeiten ergänzt. Rückfragen können gerne per Mail gestellt werden.

22.08.2023

Europe Jazz Network startet Nachhaltigkeits-Plattform „Green Rider“

Wie viele andere Musikorganisationen ist auch das Europe Jazz Network (EJN) besorgt über die Auswirkungen des Musiksektors auf die Umwelt und möchte sich an den Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels beteiligen. Seit 2014 diskutiert, erforscht, implementiert und setzt sich EJN für die Einführung von Umweltrichtlinien und nachhaltigeren „technical riders“ (technischen Bühnenanweisungen) im Musiksektor ein. Mit der neuen Plattform „Green Rider“ möchte das EJN verschiedene Akteur*innen der Musikbranche dazu inspirieren, konkrete und positive Schritte nach vorne zu machen, jede*r in seiner eigenen Kapazität und Rolle als Veranstalter*n, Publikum, Künstler*in und Agent*in. Musikfans können sich dort z.B. informieren, wieviel CO2 sie z.B. bei der Anreise mit dem Zug einsparen können. Veranstalter*innen bekommen Tipps, wie sie bei der Veranstaltungstechnik, Catering, usw. Energie sparen und z.B. ihr Publikum mit speziellen Tickets, sicheren Radstellplätzen oder kostenlosen Shuttlebussen zum Anreisen per ÖPNV oder Rad animieren können. Künstler*innen können sich für Nachhaltigkeit engagieren, in dem sie z.B. lokales, veganes Catering und Hotels in der Nähe der Location anfragen.

10.08.2023

100 Tage Testphase des CO2 Rechners für Kulturbetriebe: jetzt testen

Seit 2020 unterstützt das Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit die Kultur dabei, erste eigene Schritte in Richtung der Erstellung und des Verständnisses von Klimabilanzen zu gehen. Seit Anfang Mai stellt es hierzu ein einfach zu bedienendes digitales Werkzeug zur Verfügung: den CO2 Rechner. Er basiert auf dem Creative Green Tool von Julie’s Bicycle und wurde vom Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien mit Hilfe der EON-Stiftung und der EnergieAgentur.NRW adaptiert, übersetzt und für die Deutsche Kultur angepasst. Somit sind im CO2 Rechner deutsche Emissionsfaktoren hinterlegt. Das Werkzeug wird der deutschen Kulturbranche ab Mai 2023 für 100 Tage bis zum 15. August 2923 kostenlos zur Verfügung gestellt, um die Umweltwirkungen von kulturellen Institutionen, Veranstaltungsorten, Büros, Tourneen, Produktionen, Veranstaltungen oder eines Festivals zu erfassen und zu verstehen. Bis zum Sommer ist der Rechner zu Testzwecken nutzbar, jedoch werden in dieser Zeit keine weiteren Updates und Bugfixes umgesetzt. Ab Mai 2023 bietet das Netzwerk einmal im Monat eine digitale „CO2-Rechner Sprechstunde“ an, bei der das Team für Rückfragen und zum Austausch zur Verfügung steht.

09.05.2023

Lollapalooza Berlin erhält als erstes Festival Nachhaltigkeits-Zertifikat

Die Teilzertifizierung für die Einführung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmanagement im August 2022 galt bereits als Vorbote. Nach Durchführung des Festivals im September 2022, der Implementierung von über hundert Nachhaltigkeitsmaßnahmen und erneuter Prüfung durch die unabhängige Prüfstelle GUTcert, ist das erfolgreiche Ergebnis nun offiziell: Das Lollapalooza Berlin ist das erste Festival in Deutschland, das nach internationalem Standard die Zertifizierung nach DIN ISO 20121 erhält. Im zweiten Teil der Zertifizierung wurden die Bereiche Konzeption, Planung, Steuerung, Produktion und Durchführung des Festivals näher beleuchtet und ausgewertet. Bis 2025 finden regelmäßig weitere Prüfungen statt, sodass die Nachhaltigkeitsmaßnahmen immer weiterentwickelt und an aktuelle Standards angepasst werden können. Zu den Maßnahmen gehören Abfallvermeidung, Mehrwegsysteme, pflanzenbasiertes Catering, Awareness-Team, paritätisches Line-Up u.v.m.

03.05.2023

FKP Scorpio informiert über Müllaufkommen bei Festivals

Menschen produzieren auf einem Festival nicht mehr Müll als in ihrem Alltag. Das geht aus den ermittelten Abfallmengen hervor, die FKP Scorpio für seine Festivals Tempelhof Sounds, Hurricane, Southside, Highfield und M’era Luna im Jahr 2022 veröffentlicht hat. Mit dieser Auswertung sowie einem Überblick über seine Nachhaltigkeitsmaßnahmen und Ziele möchte der Kulturveranstalter zeigen, dass Großveranstaltungen und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sein müssen. Die Müllmengen entsprächen der normalen Menge an Haushaltsabfällen, die jede*r Einwohner*in pro Tag produziere oder liege sogar deutlich darunter: M’era Luna: 0,53 kg, Highfield: 1,02 kg, Hurricane: 1,24 kg, Southside: 1,48 kg (im Vergleich: 2021 wurden 1,3 kg pro Person/Tag erzeugt). FKP Scorpio arbeitet mit seinem „Grün Rockt“-Programm bereits seit 2013 daran, seine Festivals möglichst ressourcenschonend aufzustellen. Die Firma setzt vor allem auf Müllvermeidung und -entsorgung bzw. Recycling. Mit seiner Abfall-Challenge „Trasholution“ – jeder vor Ort gesammelte volle Müllsack löst eine Spende von einem Euro an soziale Projekte in der Region des jeweiligen Festivals aus – konnte er im ersten Jahr 26.000 Euro für wohltätige Zwecke sammeln. Weitere Bausteine des Nachhaltigkeitskonzepts sind die Nutzung von Ökostrom, die Bereitstellung von Trockentoiletten und bewachten Fahrradparkplätzen, Wasserspendern, Pfandbechern, im Eintritt inkludierten ÖPNV-Tickets u.v.m. Einen Überblick über alle Maßnahmen am Beispiel des Hurricane Festivals gibt es hier. Die Sustainability Roadmap vom Tempelhof Sounds Festival ist hier abrufbar.

27.03.2023

Klimaschutz & Nachhaltigkeit: Online-Fokus bei miz & Enjoy Jazz als Vorreiter

Die ökologische Nachhaltigkeit gewinnt auch im Veranstaltungsbereich immer mehr an Bedeutung, schließlich wirken sich Konzerte und Festivals nicht unerheblich auf die Energiebilanz aus. Immer mehr Veranstalter*innen ergreifen Maßnahmen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit, vom Catering, Recycling, Erneuerbare Energie-Nutzung, Komposttoiletten auf Open-Air-Konzerten bis zur Verkehrsinfrastruktur. Was alles möglich ist, hat jetzt das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) ein in einem umfangreichen Online-Fokus namens „Zukunftsmusik Klimaschutz“ zusammengestellt und online veröffentlicht. „Die Notwendigkeit von ökologischer Nachhaltigkeit im Musikleben wird immer deutlicher“, ist der miz-Leiter Stephan Schulmeistrat überzeugt. „Mit unserem neuen Informationsangebot möchten wir zu einer sachlichen Bewertung und Diskussion der Möglichkeiten und Maßnahmen beitragen.“

Ein Festival, das bereits Vorbildfunktion in diesem Bereich übernimmt, ist das Enjoy Jazz Festival in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen. Zum 25-jährigen Jubiläum in diesem Jahr strebt Enjoy Jazz als erstes dezentrales Festival in Deutschland eine ISO-20121-Zertifizierung an, mit der Anforderungen an ein nachhaltiges Eventmanagement beschrieben und festgelegt werden. Seit vergangenem Jahr begleitet und berät die Nachhaltigkeitsagentur 2bdifferent aus Speyer Enjoy Jazz in Fragen der ISO-20121-Zertifizierung.

20.03.2023

Jahrbuch für Kulturpolitik 2021/22 „Kultur der Nachhaltigkeit“ erschienen

Die Bedrohungen durch die Klimakrise werden im Kulturbereich intensiv diskutiert und zwingen zum Handeln. Denn auch Kulturmacher*innen müssen Verantwortung für eine nachhaltige Gesellschaft übernehmen und ihre Produktionsweisen dahingehend umstellen. Doch wie kann die damit verbundene Transformation gelingen und welche kulturpolitischen Weichenstellungen sind notwendig? Zur Beantwortung dieser Fragen versammelt das Jahrbuch für Kulturpolitik 2021/22 Expert*innen aus Wissenschaft, Kulturpolitik, Kulturverwaltung und Kulturpraxis, die den Kulturwandel zur Nachhaltigkeit systematisch erfassen und Handlungsoptionen für die Zukunft aufzeigen. Die Kulturpolitik „muss eigene Beiträge zur ökologischen Transformation leisten, vor allem auch im Hinblick auf den ökologischen Fußabdruck des Kulturbetriebs“, schreibt etwa die Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth dazu im Vorwort. Das Jahrbuch kann für 42 Euro über den transcript Verlag bestellt werden, ist aber auch als kostenloses PDF verfügbar.

23.11.2022

Popakademie Talkreihe „Musik und Umwelt“ (ab 11.10.2022)

Die Popakademie Baden-Württemberg bietet auch in diesem Wintersemester mit der Talkserie „Popakademie Talks“ spannende Einblicke zu aktuellen Themen. Die neuesten drei Ausgaben finden von Oktober bis Dezember unter der Überschrift „Musik und Umwelt – Einwirkung der Umwelt auf musikalische Prozesse“ statt. Den Auftakt macht am Dienstag, den 11. Oktober, Prof. Dr. Maria Sonevytsky zum Thema: “Irradiated Folklore: Chornobyl Songs and the Nuclear Threat to Ukrainian Culture”. Prof. Dr. Maria Sonevytsky ist Associate Professorin für Anthropologie und Musik am Bard College und Gründerin des “Chornobyl Songs Project: Living Culture from a Lost World”, einem öffentlichen Ethnomusikologie-Programm, mit dem Ziel, das Bewusstsein für die kulturellen Auswirkungen einer Atomkatastrophe zu schärfen. Weiter geht es am 08.11. mit Julia Nagele aka listentojules, Sängerin, Gitarristin und Dozentin sowie Teil von Music Declares Emergency Germany. Sie wird über „Klimakrise und Umweltschutz“ sprechen. Ein weiterer Talk mit Fine Stammnitz befasst sich mit „Umweltschutz in der Musikindustrie“. Fine Stammnitz ist Gründerin und Leiterin des Green Touring Network, wo sie in verschiedenen Projekten daran arbeitet, das Potenzial der Musikindustrie zu aktivieren, um einen aktiven Beitrag zum Kampf für Klimagerechtigkeit zu leisten. Sie ist außerdem Mitbegründerin von Music Declares Emergency in Deutschland, Teil des Aktionsnetzwerks Nachhaltigkeit und betreut das Recyclingmanagement bei Festivalproduktionen. 

07.10.2022