Bericht „Live Music Has A Baseline“ zur CO2 Bilanz in USA/UK

Es ist kein Geheimnis, dass die Musikbranche mit ihrem Publikumsverkehr und ihren Veranstaltungen zur Klimakrise beiträgt. Gleichzeitig hat sie das Potential, Trends zu setzen, Menschen mit gemeinsamen Zielen zusammenzubringen und so Dinge anzustoßen. Dazu braucht es jedoch ein Wissen über die Ursachen und das Ausmaß des Problems sowie Antworten auf die Frage, wie die Branche zur Lösung beitragen kann. Der Bericht „Live Music Has A Baseline“ des MIT, mitfinanziert von Coldplay, Live Nation, Hope Solutions und Warner Music – liefert jetzt eine robuste und qualitativ hochwertige Analyse der Treibhausgasemissionen von Live-Musikveranstaltungen in den USA und Großbritannien für das Jahr 2023. Das nicht verwunderliche Hauptergebnis: die größe Emissionsquelle ist die Anreise der Fans (77,2% UK, 62,2% USA), gefolgt von Essen & Getränken bei Veranstaltungen. Der Bericht hat 33 Maßnahmen zur wirkungsvollen Emissionsreduktion identifiziert. Die erhobenen Daten sind als Orientierungsinstrument für strategisches Handeln gedacht. Sie sollen zeigen, wo die Branche ihre Nachhaltigkeitsbemühungen konzentrieren kann, von der Optimierung der Logistik und des Transports bis hin zur Verbesserung der Energieeffizienz in Veranstaltungsorten. Eine Zusammenfassung findet ihr hier.

19.02.2026

Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung der Amateurmusik: jetzt teilnehmen

Amateurmusik ist nicht nur kulturell unverzichtbar, sondern auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Die vom Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO) in Auftrag gegebene Studie „Wirtschaftliche Bedeutung von Amateurmusik in Deutschland“ untersucht, welche Ausgaben Musiker*innen, Vereine sowie Verbände tätigen – von Instrumenten und Unterricht über Ensembleaktivitäten bis hin zu allen Ausgaben bei Veranstaltungen. Sie beleuchtet erstmals, welche wirtschaftlichen Effekte von den bundesweit 16,3 Millionen Amateurmusizierenden ausgehen. Damit liefert der BMCO eine fundierte Grundlage für kulturpolitische Entscheidungen und stärkt die öffentliche Wahrnehmung der Amateurmusik. Der Verband ruft sowohl Privatpersonen als auch Ensemble- und Verbandsvertreter*innen zur Teilnahme auf. Alle Daten werden ausschließlich anonymisiert ausgewertet, die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für den Herbst dieses Jahres geplant. Die Durchführung der Studie wird gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

27.01.2026

Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland gestartet (bis 28.02.2026)

Jetzt mitmachen: Noch bis 28. Februar 2026 führt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die bislang größte Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland durch. In Zeiten, in denen gleiche Rechte für alle in Frage gestellt werden, ist eine große Beteiligung an der Umfrage wichtiger denn je. Teilnehmende helfen, Diskriminierung in Deutschland sichtbarer zu machen. An der Umfrage können alle Menschen ab 14 Jahren teilnehmen, die in Deutschland Diskriminierung erlebt haben. Die Teilnahme ist anonym, barrierearm und in vielen Formaten und Sprachen möglich.

04.12.2025

Studie „MiKADO-Musik“ prognostiziert dramatischen Fachkräftemangel an Musikschulen

Die Studie „MiKADO-Musik“ hat in einem breit angelegten Crowd-Research-Projekt mit über 50 Forschungsgruppen Ursachen, Herausforderungen und Handlungsansätze untersucht und einen dramatischen Fachkräftemangel an Musikschulen prognostiziert. Demnach gehen bis 2035 rund 14.700 Musikschulkräfte in den Ruhestand, es werden jedoch nur rund 4.000 Absolvent*innen der Instrumental- und Vokalpädagogik sowie der Elementaren Musikpädagogik erwartet. Das heißt, in 10 Jahren können etwa drei Viertel der freien Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Musikschullehrkräften besetzt werden. Angesichts konstant steigender Nachfrage bedeutet dies, dass mindestens 500.000 Schüler*innen keinen Musikschulunterricht mehr bekommen können.

Als Gründe für den Nachwuchsmangel werden die strukturellen Bedingungen des Berufs wie eine häufig unzureichende Vergütung und anspruchsvolle Arbeitszeiten festgestellt. Hinzu kämen eine teilweise negative öffentliche Wahrnehmung, die durch tradierte Abwertungen des Berufsbilds begünstigt wird. Auch persönliche Erwägungen spielten eine Rolle, etwa die Frage der beruflichen Identifikation, der Wunsch nach Sichtbarkeit oder das Bedürfnis nach größerer Autonomie. Es brauche daher umgehend Maßnahmen für bessere Rahmenbedingungen des Berufsfelds Musikschullehrkraft, eine Ausweitung der studienvorbereitenden Ausbildungen und praxisorientierter Studienplätze, eine deutlich verbesserte personelle Ausstattung und Rahmenbedingungen an Musikhochschulen, attraktive Arbeitsbedingungen an Musikschulen, Förderprogramme für die Weiterqualifizierung von Musikschullehrenden, die Karrierepfade und Perspektiven eröffnen, u.v.m.

27.11.2025

Club Check in Bremen 2023: 83% männlich gelesene Personen auf der Bühne

Kürzlich wurde der Club Check zur Geschlechtergerechtigkeit auf Hamburgs Bühnen veröffentlicht. Eine ähnliche Erhebung haben musicHBwomen* in Kooperation mit dem Bremer Clubverstärker e.V. vorgenommen. Die Studie untersucht die Geschlechterverhältnisse in der Bremer Clubszene, wie sie sich im Jahr 2023 dargestellt hat. Die Zählung umfasste alle auftretenden Personen bei rund 850 Veranstaltungen im Jahr 2023 in 15 Bremer Musikclubs mit Live- und DJ-Formaten und nahm dabei eine Differenzierung nach männlich gelesen, weiblich gelesen und offen nicht-binär/genderqueer vor (durch das „Lesen“ öffentlich sichtbarer Merkmale). Die wichtigsten Ergebnisse:

– 2023 standen in den ausgewählten 15 Bremer Clubs 83% männlich gelesene Personen auf der Bühne,
53% der Veranstaltungen fand ohne Beteiligung weiblich gelesener Personen auf der Bühne statt,
– Nur ein Club, die MS Treue, weist eine ausgeglichene Geschlechterrepräsentanz auf,
DJ-Veranstaltungen weisen einen deutlich höheren Anteil weiblich gelesener/genderqueerer Personen auf,
Elektronische Musik ist hier führend, andere Genres wie Rock/Metal/Punk bleiben auch bei DJ-Formaten männlich dominiert,
– Mit einem Anteil von 49 % war „Rock/Metal/Punk“ das mit Abstand meistgespielte Genre – und das am stärksten männlich dominierte! 

Mit der Studie möchten die Macher*innen einen konstruktiven Impuls setzen – für mehr musikalische Vielfalt in Bremer Spielstätten und eine gezielte Förderung strukturell benachteiligter Musiker*innen. Sie setzen sich für eine gerechte Förderpolitik mit Diversitätskriterien, sichere und zugängliche Räume für Nachwuchs sowie mehr Sichtbarkeit für FLINTA*-Acts auf Bühnen und in leitenden Rollen ein. Die Clubstudie steht als pdf zum Download bereit.

15.10.2025

Club-Check 2022-2025: Wie steht es um die Geschlechtergerechtigkeit auf Hamburgs Clubbühnen?

Wie gerecht ist Hamburgs Clubszene aufgestellt? Der neue Club-Check 2022–2025 gibt erstmals einen fundierten Überblick über die Geschlechterverteilung auf Hamburgs Clubbühnen und legt dabei zentrale strukturelle Barrieren offen. Im Mittelpunkt stehen die Bühnenjahre 2022 und 2023 sowie punktuelle Erhebungen aus April 2024 und 2025. Die Ergebnisse zeigen: Männlich* gelesene Acts sind weiterhin deutlich überrepräsentiert. 2022 lag ihr Anteil bei 83,9 %, 2023 bei 83,6 %. Weiblich* gelesene Künstlerinnen machten 2023 nur 16,1 % aller auftretenden Personen aus, nicht-binäre Acts blieben mit 0,3 % nahezu unsichtbar. Die Studie wurde von musicHHwomen* in Kooperation mit RockCity Hamburg e.V. durchgeführt. Grundlagen sind quantitative Auswertungen von Auftritten von über 35.000 Künstler*innen sowie qualitative Umfragen unter Hamburger Musikschaffenden und Clubbetreibenden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die strukturelle Ungleichverteilung nicht allein durch künstlerische Präferenzen oder Genrevielfalt erklären lässt. Die Befragten benennen als zentrale Ursachen, die eine gleichberechtigte Teilhabe von weiblich* gelesenen und nicht-binären Künstler*innen nachhaltig erschweren:
eine geringe Sichtbarkeit von FLINTA*-Acts im Booking-Kontext,
stereotype Genre-Zuschreibungen,
den Mangel an gezielten Förderprogrammen für divers besetzte Line-ups,
eine fehlende Diversitätskompetenz bei Booker*innen sowie
die verbreitete Praxis, innerhalb vertrauter – oft männlich* dominierter – Netzwerke zu buchen. 
Eine vielfältige Clublandschaft braucht Bühnen, die allen offenstehen“, sagt Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien in Hamburg. „Projekte wie der Club-Check und die Arbeit der musicHHwomen* insgesamt sind unverzichtbar für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Clublandschaft. Der Club-Check liefert wichtige Fakten, um zu erfahren, wo wir aktuell stehen. Jetzt geht es darum, gemeinsam ins Handeln zu kommen, mit dem Ziel, auf den Bühnen der Clubs dieselbe Vielfalt zu sehen wie in unserer Gesellschaft.“
 
19.09.2025

Festivalstudie erschienen

Lang ersehnt: die Festivalstudie! Die neue bundesweite Studie liefert erstmals repräsentative Daten zu Struktur, Finanzierung und gesellschaftlicher Bedeutung von rund 1.800 Musikfestivals in Deutschland – von Klassik über Rock, Pop und Jazz bis hin zu Elektronik, Folk und Neuer Musik. Die von der Initiative Musik, der Bundesstiftung LiveKultur und dem Deutschen Musikinformationszentrum beauftragte Studie stellt die kulturelle Vielfalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft umfassend dar und zeigt die künstlerische und gesellschaftliche Bedeutung der Festivals ebenso auf wie ihre wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen. Hier ein paar Schlaglichter:

– Festivals vereinen im Schnitt fünf verschiedene Genres
– Im Durchschnitt bringt jedes Festival 30 Konzerte bzw. Acts auf die Bühne
– Rund 40 Prozent dieser Auftritte entfallen auf Nachwuchskünstler*innen und -ensembles
– Gewinne erzielen lediglich 15 Prozent der Festivals, während etwa 30 Prozent Verluste verzeichnen
– Mit 38 Prozent der Gesamtausgaben machen Künstler*innenhonorare den größten Kostenfaktor aus
– 85 Prozent setzen Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit um
– 53 Prozent achten auf geschlechtergerechte Line-Ups
– Bei 79 Prozent aller Festivals und vor allem im ländlichen Raum spielt das Ehrenamt eine zentrale Rolle

Damit leisten Festivals einen entscheidenden Beitrag zur Förderung kultureller Vielfalt und zur nachhaltigen Entwicklung der Musiklandschaft. Die Mehrheit verfolgt vor allem kulturelle und gemeinnützige Ziele. Vor allem Popularmusikfestivals sind hohen wirtschaftlichen Risiken und Infrastrukturkosten ausgesetzt, deshalb bildet das Ehrenamt das Rückgrat vieler Festivals und leistet einen entscheidenden Beitrag zur kulturellen Teilhabe und regionalen Verankerung. 

10.09.2025

Umfrage zu Machtmissbrauch im Kulturbereich

Prof. Dr. Thomas Schmidt, tätig im Masterprogramm Theater- und Orchestermanagement an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main (HFMDK), führt zum zweiten Mal eine Studie zu Machtmissbrauch im Kulturbereich in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Die Umfrage soll Aufschluss über das Machtgefälle in den verschiedenen kulturellen Bereichen geben. Erhoben werden soll,

* wie groß das Problem des Machtmissbrauchs in der Kulturlandschaft tatsächlich ist,
* welche Arten von Machtmissbrauch und Diskriminierung besonders verbreitet sind,
* welche Unterschiede es darin zwischen den Kunstsparten und den drei Ländern gibt und
* welche strukturellen Zusammenhänge zu Machtmissbrauch und Diskriminierung führen

Zielgruppe der Studie sind alle Kulturschaffenden, die älter als 18 Jahre sind, sowie am Ende des Fragebogens auch Mitglieder von künstlerischen Hochschulen (Theater-, Musik- und Kunsthochschulen und -Universitäten). Abgefragt wird, auf welche Arten und in welchem Umfang die Teilnehmenden selbst in den letzten zehn Jahren (STICHTAG: 1.7.2015) Machtmissbrauch und Diskriminierung erlebt und erfahren haben. An der Umfrage könnt ihr bis 15. September 2025 anonym teilnehmen (Dauer ca. 25-30 Min.). 

Nach der ersten Studie „Macht und Struktur im Theater“ im Jahr 2018 wurden die Fragestellungen jetzt noch genauer an die Verhältnisse in öffentlichen, privaten und freien Kulturorganisationen angepasst. Mit der Erhebung in allen Sparten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz erhoffen sich die Wissenschaftler*innen eine breitere Datenbasis und bessere Vergleichsmöglichkeiten.

04.08.2025

Interviewpartner*innen aus dem Bereich Neue Musik gesucht

Ein Studienprojekt, das sich mit „Backstage Awareness“ beschäftigt, sucht derzeit Interviewpartner*innen. Konkret richtet sich die Studie an marginalisierte Musiker*innen insbesondere aus dem Bereich Neue Musik, die bereit sind, an einem persönlichen Interview teilzunehmen. Im Zentrum stehen dabei persönliche Erfahrungen, Wahrnehmungen und Bedürfnisse rund um Diskriminierungsschutz, Sicherheitsgefühl, Barrierefreiheit und Umgangsformen im Konzert- bzw. Probenkontext. Ziel der Studie ist es, strukturelle Herausforderungen sichtbar zu machen und Handlungsspielräume für mehr Awareness in der Neuen Musik, speziell für Musiker*innen zu identifizieren. Die Ergebnisse der Forschung sollen dazu dienen, spezifische Awareness-Konzepte oder -Leitfäden für Musiker*innen zu erstellen, an welchen sich Veranstaltenden, Konzerthäuser etc. orientieren können. 

Gesucht werden Personen, die sich selbst als marginalisiert verstehen, z. B. in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, Herkunft, Behinderung, Neurodivergenz oder andere gesellschaftlich benachteiligende Positionierungen. Außerdem sollten die Personen regelmäßig (mindestens vier Mal im Jahr) Konzertauftritte haben. Der Rahmen des Interviews: Dauer: ca. 60–90 Minuten | persönlich vor Ort, in einem selbst gewählten oder abgesprochenen Setting (auch aus Datenschutzgründen) | es wird anonymisiert oder pseudonymisiert ausgewertet (die Teilnehmenden entscheiden selbst, in welchem Maß) | alle Daten werden vertraulich behandelt, die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit abgebrochen werden.

Kontakt: Fee-Noa Wendsche, Mail

22.07.2025

Kleine Musikclubs sind bei Energiekosten übermäßig belastet

Kleine Musikclubs in Deutschland stehen unter massivem finanziellem Druck, weil sie überdurchschnittlich hohe Energiekosten im Verhältnis zu größeren Spielstätten haben. Zu diesem Ergebnis kommt die erste bundesweite Umfrage von energiebezogenen Kennzahlen in Musikclubs, die der Bundesverband der Musikspielstätten LiveKomm in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Zukunft Feiern erhoben hat. Besonders betroffen sind kleinere Clubs mit einer Kapazität unter 200 Personen. Sie verzeichnen im Verhältnis zur Veranstaltungsanzahl und Fläche einen drei- bis viermal höheren Energieverbrauch als größere Venues, da die energetische Grundlast, etwa durch Getränkekühlung, Musikanlage, Licht- und Lüftungstechnik, unabhängig von der Gästezahl anfällt. “Diese finanzielle Mehrbelastung gefährdet das wirtschaftliche Überleben vieler Kulturbetriebe und damit die kulturelle Vielfalt der Clublandschaft.”, sagt Jette Krauß vom Clubkombinat Hamburg. „Die Headliner*innen von morgen stehen auf den kleinen Bühnen von heute. Doch ohne gezielte Förderung drohen viele dieser Orte zu verschwinden.“

Im Juni 2025 läuft zusätzlich die Projektförderung der Initiative Musik für das Netzwerk Zukunft Feiern aus. Das Projekt unterstützte bundesweit Clubs und Festivals auf ihrem Weg zu einem nachhaltigeren Kulturbetrieb durch zahlreiche Beratungsangebote, kostenlose Schulungen und Vernetzungstreffen. Die LiveKomm fordert daher die Einrichtung eines revolvierenden („sich wiederholenden“) Investitionsfonds für die Livemusikszene. Dieser solle gezielt energieeffiziente Maßnahmen in Clubs und auf Festivals finanzieren und vor allem kleinere Spielstätten entlasten. Das weiterhin aktive Netzwerk Zukunft Feiern ruft Clubs und Veranstaltende bundesweit dazu auf, sich dem Projekt anzuschließen, um weiterhin nachhaltige Lösungen für eine klimafreundliche und wirtschaftlich tragfähige Clubkultur zu entwicklen und umzusetzen.

24.06.2025

Neue Studie zum Amateurmusizieren zeigt klaren Aufwärtstrend

21 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 6 Jahre musizieren in ihrer Freizeit – das sind rund 16,3 Millionen Menschen und etwa 2 Millionen mehr als noch vor vier Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (miz), die auf einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach beruht. Besonders aktiv sind demnach Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 15 Jahren (fast 50 %) und Erwachsene bis 30 Jahre (26 %). Bei den Erwachsenen ab 30 Jahren ist der Zuwachs seit 2020 besonders deutlich – aktuell musiziert in dieser Altersgruppe jede*r Sechste, 2020 war es noch jede*r Achte. Viele Menschen scheinen also nach oder auch während der Pandemie das Musizieren für sich entdeckt zu haben. Weitere zentrale Ergebnisse:

• Früher Einstieg fördert intensives Musizieren (das durchschnittliche Einstiegsalter liegt bei 12 Jahren)
• Musikinstrumente sind beliebter als Singen (81 %  vs. 41%) und werden vor allem von Jungs/Männern und Personen aus höheren sozialen Schichten gespielt
• 31 % singen im Chor, je 13/14 % spielen in Bands/Orchestern/Ensembles, die meisten spielen aber zuhause (67 %)
• Musikunterricht ist besonders bei Kindern (72 %) und Frauen verbreitet
• Verschiedene Zugangsorte: 38 % Schule, 31% Chöre, Orchester und Musikvereine, 31 % Familie/privates Umfeld, 24% öffentliche und 8% private Musikschulen, 23% Privatmusiklehrkräfte, 19% Kirchen (19 %)
Starke soziale Unterschiede beim Musizieren: mehr Amateurmusiker*innen bei höherem Einkommen
Hohe Kosten vor allem in Familien (jährlich im Schnitt 536 Euro)

„Eine vielfältige und lebendige Amateurmusikszene ist ein wesentlicher Bestandteil kultureller Teilhabe – sie stiftet Gemeinschaft, fördert Kreativität und trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei“, sagt Stephan Schulmeistrat, Leiter des miz. „Unsere Studie zeigt auch, welchen persönlichen Wert das Musizieren für viele Menschen hat: Wohlbefinden, soziale Nähe und kreative Entfaltung sind zentrale Motive. Umso wichtiger ist es, den Zugang zu musikalischem Engagement offen, niedrigschwellig und vielfältig zu gestalten. Mit dieser Studie wollen wir die Bedeutung der Amateurmusik sichtbar machen und Impulse für ihre nachhaltige Förderung geben.“

28.04.2025

Buchtipp: „Billige Plätze“ von Rike van Kleef

„Billige Plätze – Gender, Macht und Diskriminierung in der Musikbranche“ heißt eine Bestandsaufnahme der deutschen Musiklandschaft von Rike van Kleef, die im April 2025 erscheint. Darin ergründet sie, warum die Festivallandschaft nach wie vor von männlich dominierten Line-ups geprägt ist. Dazu hat sie mit zahlreichen Akteur*innen aus der Live- und Festivalindustrie gesprochen. Sie untersucht, welchen Schwierigkeiten FLINTA-Künstler*innen begegnen, wie Machtstrukturen in der Branche greifen, warum Frauen immer noch schlechter verdienen und wie es um die Sicherheit von weiblichen und queeren Musiker*innen in Zeiten von Post-#MeToo gestellt ist. Van Kleef zeigt zudem auf, wie der Weg zu mehr Gendergerechtigkeit aussehen könnte: Wie Booker*innen zu diverseren Line-ups finden, was Festivals zu sicheren Räumen für FLINTAs machen würde und wie männerdominierte Strukturen aufgelöst werden können. Das Buch kann hier bestellt werden.

Rike van Kleef ist eine Kulturarbeiterin und Autorin. Geprägt durch ihre eigenen Diskriminierungserfahrungen als queere Frau in einer stark männerdominierten Branche, der Musikindustrie, hat sie erst den Verein fæmm mitgegründet und dann eine Vielzahl, teils preisgekrönter, Texte, zu den Themen Kultur, Feminismus und Diskriminierung verfasst. 2022 erschien ihre wissenschaftliche Studie „Wer gibt hier den Ton an. Über die Repräsentanz von Geschlecht auf deutschen Unterhaltungsmusik-Festivalbühnen“.

25.03.2025