Jetzt handeln: Ab 2026 korrekt als Musikspielstätte erfassen lassen

Ein wichtiger Meilenstein für die Livekultur entsteht 2026 durch eine Neuerung. Bisher tauchen Musikclubs in der Statistik unter Theater, Diskotheken oder Gastronomie auf – mit der Folge: fehlende Sichtbarkeit und verzerrte Zahlen führen zu schwächeren Argumenten in Förder- und kulturpolitischen Debatten. Abhilfe schafft jetzt die neue WZ-Klasse 90.31.3 – Live-Musikspielstätten, Musikclubs und ähnliche soziokulturelle Zentren. Musikspielstätten und Clubs haben danach erstmals eine eigene Wirtschaftszweigklassifikation. Damit das nicht nur auf dem Papier passiert, braucht es euer Zutun, sofern ihr Veranstalter*in seid. Damit eure Spielstätte ab 2026 korrekt gezählt wird: 

  • Kontaktiert eure Steuerberatung aktiv
  • Lasst eure DATEV-Stammdaten auf die WZ-Klasse 90.31.3 umstellen
  • Sagt ausdrücklich: „Live-Musikspielstätte / Musikclub“

Ohne diese Umstellung bleibt eure Spielstätte statistisch unsichtbar – mit ihr stärkt ihr die gesamte Branche.

16.02.2026

Nachtleben ist wichtiger Wirtschaftsfaktor für Frankfurt

Das Nachtleben der Stadt Frankfurt am Main ist ein wichtiger Standortfaktor. Das stellte eine Studie im Auftrag der städtischen Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) und der Stabsstelle Stadtmarketing fest. Dazu wurden 200 Tourist*innen sowie Frankfurter*innen im Sommer befragt, außerdem nahmen rund 130 Clubs, Gastronomie- und Eventstätten teil. Das Ergebnis ist eindeutig: 85 Prozent der Befragten sehen das Nachtleben als wichtigen Imageträger und als wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt (69%). Das zeigt sich auch beim Umsatz: Rund 432 Millionen Euro Bruttoumsatz wurden 2024 durch Clubs, Kulturorte und Eventlocations erwirtschaftet. Im Schnitt hat damit eine Frankfurt besuchende Person pro Tag 69,50 Euro ausgegeben. Frankfurt gehöre damit zu den „Top drei Nachtleben-Städten in Deutschland“, freut sich Wüst. „Unser Nachtleben ist ein zentraler Standortfaktor. Die Nachtökonomie leistet dafür einen wichtigen Beitrag: durch Umsatz, Wertschöpfung und viele Arbeitsplätze.“ Bei der Vorstellung der Studie war auch der Frankfurter Nachtrat – ein dreizehnköpfiges Gremium aus Vertreter*innen der Gastronomie, Clubszene und Kulturbranche – erschienen, das sich mit den Herausforderungen der Branche befasst.

Die Studie empfiehlt, das Thema Nachtleben stärker strukturell zu verankern und als integralen Bestandteil einer modernen Stadtentwicklung zu verstehen. Aufbauend auf dem Nachtrat empfiehlt sie ein verbindliches Nachtökonomie-Board, einen jährlichen „Nachtbericht“ sowie den Aufbau von Quartiersnetzwerken zur Konfliktprävention. Initiativen wie ein Qualitätssiegel für Clubs und Bars, Mikroförderungen für neue Formate sollen die Qualität, Sichtbarkeit und internationale Wahrnehmung erhöhen. Für 2026 sind erste Pilotprojekte in den Quartieren sowie die Veranstaltungsreihe „Frankfurter Nächte“ geplant.

04.12.2025

Club Check in Bremen 2023: 83% männlich gelesene Personen auf der Bühne

Kürzlich wurde der Club Check zur Geschlechtergerechtigkeit auf Hamburgs Bühnen veröffentlicht. Eine ähnliche Erhebung haben musicHBwomen* in Kooperation mit dem Bremer Clubverstärker e.V. vorgenommen. Die Studie untersucht die Geschlechterverhältnisse in der Bremer Clubszene, wie sie sich im Jahr 2023 dargestellt hat. Die Zählung umfasste alle auftretenden Personen bei rund 850 Veranstaltungen im Jahr 2023 in 15 Bremer Musikclubs mit Live- und DJ-Formaten und nahm dabei eine Differenzierung nach männlich gelesen, weiblich gelesen und offen nicht-binär/genderqueer vor (durch das „Lesen“ öffentlich sichtbarer Merkmale). Die wichtigsten Ergebnisse:

– 2023 standen in den ausgewählten 15 Bremer Clubs 83% männlich gelesene Personen auf der Bühne,
53% der Veranstaltungen fand ohne Beteiligung weiblich gelesener Personen auf der Bühne statt,
– Nur ein Club, die MS Treue, weist eine ausgeglichene Geschlechterrepräsentanz auf,
DJ-Veranstaltungen weisen einen deutlich höheren Anteil weiblich gelesener/genderqueerer Personen auf,
Elektronische Musik ist hier führend, andere Genres wie Rock/Metal/Punk bleiben auch bei DJ-Formaten männlich dominiert,
– Mit einem Anteil von 49 % war „Rock/Metal/Punk“ das mit Abstand meistgespielte Genre – und das am stärksten männlich dominierte! 

Mit der Studie möchten die Macher*innen einen konstruktiven Impuls setzen – für mehr musikalische Vielfalt in Bremer Spielstätten und eine gezielte Förderung strukturell benachteiligter Musiker*innen. Sie setzen sich für eine gerechte Förderpolitik mit Diversitätskriterien, sichere und zugängliche Räume für Nachwuchs sowie mehr Sichtbarkeit für FLINTA*-Acts auf Bühnen und in leitenden Rollen ein. Die Clubstudie steht als pdf zum Download bereit.

15.10.2025

Situation der Clubs: LiveKomm fordert Taten & veröffentlicht Monitoring-Ergebnisse

Am 7. Mai 2025 jährt sich das Datum, an dem der Deutsche Bundestag per Entschließungsantrag Clubs als Kulturorte einstufte, bereits zum vierten Mal. Damit einhergehend hätten auch Verordnungen und Vorschriften angepasst werden müssen – getan hat sich jedoch wenig. Für die Schallschutz-Bestimmungen gilt noch immer: Clubgeräusche sind vermeintlich das gleiche wie Industrielärm, z. B. Motorsägen. Und laut Baunutzungsverordnung sind Clubs z.B. in Industriegebieten weiterhin überhaupt nicht und in Gewerbegebieten nur ausnahmsweise zulässig. Reformen sind schon länger als vier Jahre überfällig – die Schallschutz-Bestimmungen z.B. wurden für den clubrelevanten Bereich seit 1968 nicht angepasst! Die neue Regierung will laut Koalitionsvertrag Clubs als Kulturorte schützen und würdigen. Die LiveKomm fordert deshalb laut einer Pressemitteilung von der Bundesregierung, auf Beschlüsse auch Taten folgen zu lassen und Verordnungen und Vorschriften zügig anzupassen. 

Im übrigen hat die LiveKomm im Rahmen ihres aktuellen Monitorings kürzlich erneut alarmierende Zahlen vorgelegt: Trotz leicht verbesserter Besucher*innenzahlen und geringerer Umsatzverluste (-2,8 %) stehen viele Clubs und Festivals wirtschaftlich massiv unter Druck. 97 % der befragten Musikspielstätten melden stark gestiegene Kosten, 81 % kämpfen mit grundlegenden finanziellen Herausforderungen – vor allem wegen hoher Mieten und steigender Gagenforderungen. Die Folgen: die Nachwuchsförderung bricht weiter ein: 61 % bieten seltener Bühnen für Newcomer*innen. 78 % der Betriebe brauchen 2025 Fördermittel, um weiter bestehen zu können!

12.05.2025

Neue Studie zum Amateurmusizieren zeigt klaren Aufwärtstrend

21 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 6 Jahre musizieren in ihrer Freizeit – das sind rund 16,3 Millionen Menschen und etwa 2 Millionen mehr als noch vor vier Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (miz), die auf einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach beruht. Besonders aktiv sind demnach Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 15 Jahren (fast 50 %) und Erwachsene bis 30 Jahre (26 %). Bei den Erwachsenen ab 30 Jahren ist der Zuwachs seit 2020 besonders deutlich – aktuell musiziert in dieser Altersgruppe jede*r Sechste, 2020 war es noch jede*r Achte. Viele Menschen scheinen also nach oder auch während der Pandemie das Musizieren für sich entdeckt zu haben. Weitere zentrale Ergebnisse:

• Früher Einstieg fördert intensives Musizieren (das durchschnittliche Einstiegsalter liegt bei 12 Jahren)
• Musikinstrumente sind beliebter als Singen (81 %  vs. 41%) und werden vor allem von Jungs/Männern und Personen aus höheren sozialen Schichten gespielt
• 31 % singen im Chor, je 13/14 % spielen in Bands/Orchestern/Ensembles, die meisten spielen aber zuhause (67 %)
• Musikunterricht ist besonders bei Kindern (72 %) und Frauen verbreitet
• Verschiedene Zugangsorte: 38 % Schule, 31% Chöre, Orchester und Musikvereine, 31 % Familie/privates Umfeld, 24% öffentliche und 8% private Musikschulen, 23% Privatmusiklehrkräfte, 19% Kirchen (19 %)
Starke soziale Unterschiede beim Musizieren: mehr Amateurmusiker*innen bei höherem Einkommen
Hohe Kosten vor allem in Familien (jährlich im Schnitt 536 Euro)

„Eine vielfältige und lebendige Amateurmusikszene ist ein wesentlicher Bestandteil kultureller Teilhabe – sie stiftet Gemeinschaft, fördert Kreativität und trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei“, sagt Stephan Schulmeistrat, Leiter des miz. „Unsere Studie zeigt auch, welchen persönlichen Wert das Musizieren für viele Menschen hat: Wohlbefinden, soziale Nähe und kreative Entfaltung sind zentrale Motive. Umso wichtiger ist es, den Zugang zu musikalischem Engagement offen, niedrigschwellig und vielfältig zu gestalten. Mit dieser Studie wollen wir die Bedeutung der Amateurmusik sichtbar machen und Impulse für ihre nachhaltige Förderung geben.“

28.04.2025

Neue Studie über die Poplandschaft in NRW

Das PopBoard NRW veröffentlicht die Ergebnisse der Studie „Poplandschaft NRW – Situation und Perspektiven der Musikwirtschaft“, die in seinem Auftrag von der Goldmedia GmbH umgesetzt wurde. Das Ziel der Studie ist eine aktuelle Erhebung und Darstellung der Pop-Landschaft in Nordrhein-Westfalen. Neben Unternehmen, Umsätzen und Erwerbstätigen geht es auch um branchen-spezifische Kennzahlen, eine differenzierte Einschätzung der aktuellen Situation und mögliche Förder-und Unterstützungsmaßnahmen. Zu den Kernerkenntnissen der Untersuchung gehört, dass die Teilnehmenden NRW als vielseitigen Pop-Standort mit einem hohen Anteil regionaler Acts, einer Vielfalt an Subkulturen und einer großen Anzahl an Konzert-Venues sehen. Alle Wertschöpfungsebenen sind am Standort NRW vertreten, geprägt durch eine starke Independentstruktur. Jedoch schränken die Verdrängung von Clubs und bezahlbaren Proberäumen, eine mangelhafte Infrastruktur, u.a. im Förderbereich, sowie eine fehlende Aufbruchsstimmung das Entwicklungspotenzial ein. NRW muss hier sein Potential und seine Relevanz als zweitgrößter Musikwirtschaftsstandort in Deutschland und der größten Clubdichte bundesweit, stärker wahrnehmen und fördern. Daher wünscht sich die Popmusik-Branche NRW z. B. eine engere Vernetzung der Kreativwirtschaft, Initiativen für mehr Sichtbarkeit, den Schutz von Pop-Kulturräumen oder eine Stärkung des Ausbildungsstandorts.

24.05.2024

Musikfestivals in Deutschland werden in bundesweiter Studie untersucht

Eine bundesweite und genreübergreifende Bestandsaufnahme der Musikfestivals in Deutschland ist eines der zentralen Ziele einer neuen Studie, die die Bundesstiftung LiveKultur und die Initiative Musik unter fachlicher Einbeziehung des Deutschen Musikinformationszentrums (miz) initiiert haben. Die erstmalige Vollerhebung zu Musikfestivals will statistische und inhaltliche Wissenslücken schließen, Förderbedarfe ermitteln sowie Handlungsempfehlungen präsentieren. Dabei soll die deutsche Musikfestivallandschaft in ihrer Gesamtheit untersucht werden – vom sogenannten Taste-Maker bzw. Boutique-Festival über Musikwochen und traditionsreiche Festspiele bis zum Mega-Spektakel mit internationaler Strahlkraft. Im Fokus der Festivalstudie stehen neben künstlerischer Programmatik und Arbeitsweisen wirtschaftliche Kennzahlen, Beschäftigungssituationen, soziale, kulturelle und räumliche Aspekte sowie die Themen Nachhaltigkeit, Diversität und Awareness. Auf der Grundlage einer genreunabhängigen Definition von Musikfestivals entsteht somit eine essenzielle Datengrundlage für Politik, Wirtschaft, Kulturschaffende und Wissenschaft. Im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen soll die Studie auch dazu beitragen, unsere Musikfestivals künftig gezielter unterstützen und erhalten zu können. Durchgeführt werden soll die Studie in zwei Befragungswellen ab Frühjahr 2023. Die Veröffentlichung der Studie ist für das Frühjahr 2024 geplant. Ein erster Zwischenbericht soll bereits im Spätsommer 2023 erscheinen. Finanziert wird die Studie durch eine Sonderförderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

13.12.2022

MIZ-Wissensportal präsentiert neue Musikschulstudie „Wege zur Musik“

Bundesweit bieten öffentliche und private Musikschulen ein wohnortnahes Angebot. Wie weit sind die Wege zwischen ihren Unterrichtsstätten und wie hoch ist der Musikschüler*innen-Anteil an der Bevölkerung? Das zeigt die neue Musikschul-Studie, die das Musikinformationszentrum (MIZ) kürzlich veröffentlicht hat. Sie zeigt, dass die Zahl der öffentlichen Musikschüler*innen von Jahr zu Jahr steigt und 2019 bei 1,5 Millionen lag. Fünf von sechs Musikschüler*innen sind Kinder und Jugendliche, wobei Kinder im Alter von 6-9 Jahren mit 32,5 % die größte Gruppe stellen (0-6 Jahre: 17 %, 10-14‑Jahre: 25 %, 15-18 Jahre: 9%). Deutliche Zuwächse erfuhren Angebote wie das Instrumentenkarussell, Klassenmusizieren mit Instrumental- oder Chorklassen sowie Bandklassen, die zuletzt rund 250.000 Kinder und Jugendliche erreichten – fast 75.000 mehr als noch 2014.

Die Freien Musikschulen zählten 2016 rund 127.000 Schüler*innen, weitere 31.000 Schüler*innen wurden durch Kooperationen erreicht. Hier wurde auch nach Geschlecht unterschieden: der Anteil der Mädchen und Frauen (nach „divers“/non-binary wird nicht unterschieden) ist insgesamt erfreulich hoch. Bei den Schülerinnen unter 26 Jahren liegt er bei 51,9%, bei den 26-65-Jährigen bei 57,4% und bei den über 65-Jährigen bei 55%. Zupf- und Tasteninstrumente sind dabei die häufigsten Instrumente.

Eine ausgeklügelte Infografik zeigt außerdem, wie sich die Musikschüler*innen auf die 16 Bundesländer verteilen und welche Infrastruktur vorliegt: Wie weit liegen die Unterrichtsstätten auseinander? Wie unterscheidet sich die Musikschullandschaft in Regionen mit dichter, mittlerer und niedriger Bevölkerungsdichte? Baden-Württemberg ist klarer Spitzenreiter, es hat nicht nur die höchsten Schüler*innenzahlen, sondern auch die meisten Unterrichtsstätten und somit auch die kürzesten Wege zur Musikschule.

Die Studie steht als pdf zum Download bereit; ein Blick lohnt sich auch auf das neu gestaltete Informationsportal MIZ.

05.04.2022

Clubstudie veröffentlicht Einzelauswertungen der Bundesländer

Anzahl Musikspielstätten pro 100.000 Einwohner*innen

Im Mai 2021 hat die Initiative Musik die bundesweite Clubstudie veröffentlicht, um erstmalig einen Überblick zur Situation der Musikspielstätten im gesamten Bundesgebiet geben zu können. Dank einer überdurchschnittlich hohen Ausschöpfungsquote bei der Online-Umfrage konnte sie dazu jetzt auch vertiefende Einzelauswertungen der 16 Bundesländer aus den vorliegenden Daten vornehmen. Diese bilden eine wichtige Ergänzung und interessante Vergleichswerte zu den bundesweiten Ergebnissen. Der direkte Vergleich der Ergebnisse aus den Bundesländern macht auch Unterschiede deutlich, z.B. bei der Anzahl der Clubs pro Einwohner*innen oder den Förderstrukturen. Aufgeführt werden die Anzahl der Spielstätten, Mitarbeiter*innen, Veranstaltungen, Besucherzahlen und Auftritte sowie der Anteil der Newcomer*innen. Die Auswertung zeigt, ob ein Bundesland eine hohe oder niedrige MusikspielstättenDichte im bundesweiten Vergleich hat (München hat die höchste, Bayern aber die niedrigste!), wie hoch das Durchschnittsalter der Betreiber*innen und wie hoch die Auslastung der Clubs ist, wie hoch die Förderquote, ob auch Veranstaltungen für gesellschaftliche Minderheiten angeboten werden u.v.m.

29.09.2021

„Amateurmusizieren in Deutschland“ – Studie des Deutschen Musikinformationszentrums

„Amateurmusizieren in Deutschland“ ist der Titel einer neuen Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (miz). Grundlage ist eine bevölkerungsrepräsentative Befragung, die als erste ihrer Art einen differenzierten Überblick über Altersgruppen, schichtspezifische oder regionale Unterschiede im Amateurmusizieren bietet, und über die Wege, wie Musizierende in engeren Kontakt mit der Musik kommen. Die Zahlen zeigen, dass knapp die Hälfte der Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 15 Jahren in Deutschland ein Instrument spielt oder gemeinschaftlich singt, während es bei den über 30-Jährigen nur noch etwa 13 Prozent sind. Insgesamt musizieren 14,3 Millionen Menschen in Deutschland in ihrer Freizeit. Mit durchschnittlich 11 Jahren liegt das Einstiegsalter für das Musikmachen niedrig. Aktiv sind die Amateurmusikerinnen und -musiker in verschiedensten Kontexten: Acht von zehn spielen zu Hause bzw. im privaten Umfeld; ein Viertel musiziert in einem Chor, knapp ein Fünftel in der Kirche; ebenso sind die Menschen in Bands, Blaskapellen und Spielmannszügen, Orchestern und Ensembles, bei Freizeiten oder Brauchtumsveranstaltungen engagiert. Aus den Ergebnissen geht unter anderem hervor, dass bei Kindern und Jugendlichen beim Instrumentalspiel die Geschlechterverteilung paritätisch ist, jedoch singen mehr Mädchen als Jungen. Bei den Erwachsenen hingegen ist der Anteil der Männer, die ein Intrument spielen, deutlich höher, während anteilig noch mehr Frauen singen. Die große Mehrheit macht regelmäßig Musik, mindestens einmal pro Woche. Daran hat auch die Corona-Pandemie nur zum Teil etwas geändert: Lediglich ein Viertel der musizierenden Kinder und Jugendlichen (25 %) sowie rund ein Drittel der Amateurmusiker*innen ab 16 Jahre (34 %) schätzt, dass das Musikmachen seit Corona seltener geworden ist. Unter den Singenden fällt die Bilanz deutlicher aus: Hier geht etwa die Hälfte der Amateurmusizierenden (48 %) davon aus, dass sie selbst oder ihre Kinder dadurch seltener musizieren.

25.03.2021

miz-Erhebung: Spitzenorchester haben beim Frauenanteil Nachholbedarf

In den 129 öffentlich finanzierten Orchestern in Deutschland sind durchschnittlich vier von zehn Pulten mit einer Frau besetzt, in den Stimmführungs- und Solopositionen hoch dotierter Orchester nur halb so viele. Dies zeigt die Erhebung „Am Pult der Zeit!?“, die das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) erstmals durchgeführt hat, um den Frauenanteil in deutschen Berufsorchestern festzustellen. Im Jahr waren von den in Teil- oder Vollzeit beschäftigten 9.884 Orchestermitgliedern in Deutschland durchschnittlich 39,6% weiblich. Mit steigendem Renommée des Orchesters und höherer Stimmposition sinkt diese Zahl aber, in Spitzenorchestern ist der Anteil an Frauen in höheren Dienststellungen mit 21,9% besonders niedrig. Die höchsten Frauenanteile gibt es bei den Harfen (93,7%), den Flöten (65,4%), der 2. (62,6%) und der 1. Violine (59,1%). Die höchsten Männeranteile finden sich bei der Tuba, der Posaune, der Pauke/Schlagwerk und der Trompete (94-98%). In niedrigeren Dienststellungen sind Frauen fast gleichauf mit ihren männlichen Kollegen, in höheren Positionen wie Konzertmeister-, Stimmführer- und Solopositionen sind Frauen mit 28,4% unterrepräsentiert.

Das gleichzeitig zur Erhebung veröffentlichte Poster zeigt eine detailreiche Infografik zur „Geschlechterverteilung in Berufsorchestern“ (kostenlos gegen eine Versand- und Servicepauschale erhältlich). Außerdem stellt das miz unter diesem Link ausführliche Infos zur Erhebung, Wortbeiträge und ein interessantes Interview mit Orchestermusikerinnen an überwiegend von Männern gespielten Instrumenten zur Verfügung.

09.03.2021

Neue Zahlen, altes Problem – MIZ veröffentlicht Statistik zum Einkommen von Musiker*innen

Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) hat eine neue Statistik veröffentlicht, nach der Versicherte in der Künstlersozialkasse (KSK) im Jahr 2019 durchschnittlich knapp 14.500 Euro verdienen werden. Klare Einkommensunterschiede zeigen sich jedoch nicht nur zwischen den Arbeitsfeldern: Das MIZ hat die Daten erstmals geschlechterspezifisch aufbereitet und macht wieder einmal sichtbar, dass das prognostizierte Einkommen der freiberuflichen Frauen in allen von der KSK aufgeführten Tätigkeitsbereichen teilweise deutlich unterhalb des Einkommens der Männer liegt. Dies gilt auch für die Arbeitsbereiche, in denen Frauen die Mehrheit der Versicherten darstellen. Interessant ist dabei auch die Aufstellung darüber, wie viele Männer und Frauen für die verschiedenen Berufgruppen registriert sind. So liegt der Frauenanteil bei den freiberuflichen Musiker*innen im Bereich Klassik sogar leicht über 50% (1957 Frauen/1848 Männer), bei der U- Musik jedoch weit darunter (Jazz: 372 Frauen/2880 Männer, Pop-, Rock-, Jazz-, Unterhaltungsmusik: 800 Frauen/5480 Männer). Dabei verdienen Frauen in allen genannten Kategorien zwischen 3000-4000€ weniger als ihre männlichen Kollegen. Unter den Sänger*innen der Populärmusik, wo der Frauenanteil etwas mehr als 50% beträgt, ist der Unterschied in der Bezahlung deutlich höher: männliche Sänger verdienen mit 20.086 € deutlich über dem Durchschnitt, währen Frauen sich mit 13.048 € begnügen müssen.

Besonders klein ist der Frauenanteil unter den Komponist*innen – 412 Komponistinnen stehen 3359 Komponisten gegenüber. Einen besonders großen Pay-Gap haben die Librettist*innen und Textdichter*innen zu verzeichnen: Männer verdienen hier mit durchschnittlich 48.936€ mehr als dreimal so viel wie ihre Kolleginnen (12.335€). Die vollständige Statistik ist hier nachzulesen.

Das MIZ und der Dachverband Deutscher Musikrat stellen fest, dass 14.500 Euro Jahreseinkommen deutlich unter dem gesetzlich geregelten Mindestlohn liegen und für eine hochqualifizierte künstlerisch-pädagogische Arbeit absolut nicht angemessen sind. Darum fordert der Verband Gegenmaßnahmen von der Bundespolitik. Dem können wir uns nur anschließen.

09.09.2019