Themis Vertrauensstelle vermeldet steigenden Beratungsbedarf

Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Film-, Fernseh-, Musik- und Theaterbranche hat Zahlen aus 2025 sowie dem ersten Quartal 2026 vorgelegt. Das Team der Beraterinnen hat 2025 insgesamt über 600 Beratungsgespräche geführt, darunter waren 105 Erstberatungen, wovon mehr als die Hälfte Betroffene sexualisierter Belästigung oder gar Vergewaltigungen waren. Der Trend setzt sich 2026 fort, es gibt einen steigenden Bedarf an rechtlicher (2/3) und psychologischer Beratung (1/3), überwiegend von Frauen (70%), die von sexueller Belästigung und Gewalt betroffen waren. Täter*innen waren in über 80% aller Fälle Männer und häufig Vorgesetzte oder höhergestellte Personen.

Martina Zöllner, seit 2025 Präsidentin der Themis Vertrauensstelle: „Das Ausmaß sexueller Belästigung und Gewalt im Kultur- und Medienbereich ist nach wie vor erschreckend. Die hohe Zahl an Anrufen zeigt aber auch, dass die Themis in den von ihr betreuten Branchen inzwischen ein gewisses Maß an Vertrauen besitzt.“ Maren Lansink, Geschäftsführende Vorständin der Themis ergänzt: „Unser mit viel persönlichem Engagement aufgebautes Seminar und Webinar Programm, das sich an Arbeitnehmer*innen, frei Arbeitende, Azubis, Studierende, Gleichstellungsbeauftragte und Vertrauenspersonen sowie mit anderen Formaten an Arbeitgeber*innen, Führungskräfte, Vertrauenspersonen und Verantwortliche in Beschwerdestellen richtet, zeigt Wirkung. Einerseits trauen sich die Beschäftigten endlich eher nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz Beschwerden einzureichen. (…) Und auch auf Arbeitgeberseite scheint sich das Bewusstsein durchzusetzen, dass Prävention Sinn macht. Gleichzeitig bauen wir unser Beratungsangebot aus. Seit April bieten wir Chat-, Video- und Mailberatung an, datenschutzkonform und sicher.“

18.06.2026

„Digital Countryclub (DCC) – Rein in die Strukturen“ 06.11.23

Am Montag, 6. November von 16-17 Uhr lädt das ensemble_netzwerk zum „Digital Countryclub (DCC) – Rein in die Strukturen“ mit Hannah Lesser, Psychologin und Präventionsbeauftragte bei Themis. Bei dem Gespräch geht es um die Arbeit der Themis, um sexuelle Gewalt und Belästigung in der Kulturbranche und dem aktuellen Stand der Dinge von #MeToo. Was hat sich verändert? Wo stehen wir jetzt? Was fällt eigentlich unter „Übergriff“ – und was nicht? Was sind eure Rechte im Falle eines solchen? Welche Rolle spielen Nichtbetroffene? Wie können wir solidarischer sein? Und: Was hat das alles mit den Strukturen zu tun?

Den Zoomlink gibt es hier.

03.11.2023

Aktionsplan gegen sexuelle Belästigung in der Kultur- und Medienbranche

Die #metoo-Bewegung hat weltweit eine Debatte über Abhängigkeiten, Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe in der Kultur- und Medienbranche angestoßen. In diesem Zuge entstand 2018 die Vertrauensstelle Themis in Deutschland, die seither Menschen zur Seite steht, die im Kultur- und Medienbereich arbeiten und dort Erfahrungen mit sexueller Belästigung machen. Insgesamt 845 Fälle sexueller Belästigung wurden dem Verein bislang gemeldet, über 2.000 Beratungsgespräche haben die Mitarbeiter*innen geführt – Tendenz steigend. Anlässlich ihres 5-jährigen Bestehens hat Kulturstaatsministerin Roth im Kanzleramt jetzt einen Aktionsplan gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in Kultur und Medien vorgestellt. Oft seien es die Rahmenbedingungen, die die Kultur- und Medienbranchen für Machtmissbrauch und sexualisierte Übergriffe anfällig machten, sagte Roth. Der Aktionsplan umfasst drei Komponenten: Zum einen soll ein breites Bündnis aus Verbänden und Organisationen einen Verhaltenskodex für die Kultur- und Medienbranchen erarbeiten, der möglichst konkrete Handlungsempfehlungen enthält und die Konsequenzen bei Verstößen festlegt. Als zweite Maßnahme sollen die Präventionsangebote der Themis erweitert werden, die sich speziell an Führungskräfte sowie Arbeitgeber*innen richten. Schließlich soll die Themis mit Unterstützung des Bundes ein Online-Tool entwickeln, das niedrigschwellig bei der Organisationsentwicklung hilft. Auch kleine Kultur- und Medienbetriebe sollen so dabei unterstützt werden, diskriminierungsfreie Arbeitsstrukturen zu schaffen.

09.05.2023