Musikvermittlungsprojekt „Gesund mit Musik“

Das Musikvermittlungsprojekt „Gesund mit Musik“ des Kissinger Sommers geht in seine fünfte Runde und bringt das analoge Konzerterlebnis auf digitale Weise zu den Menschen, die selbst nicht oder nicht mehr Konzerte besuchen können. Das können z.B. ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen sein, die aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen nicht an kulturellen Angeboten vor Ort teilnehmen können. Das Festival bringt ausgewählte Konzerte seit 2022 per Livestream in zahlreiche Partnereinrichtungen aus dem Gesundheitssektor und begleitet sie vor Ort mit individuellen Rahmenprogrammen, z.B. Lesungen, Vorträgen, Tanzvorführungen, kulinarischen Entdeckungsreisen oder gemeinsamem Musizieren. Am 09.07. wird ein Konzert der Bamberger Symphoniker (Livestream), am 10.07. des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (Livestream) übertragen. Mehr zum Programm hier.

Eine super Idee! Wäre das nicht auch was für Festivals der Popularmusik? 

15.06.2026

Call for papers: „Soziale Arbeit mit Musik im Kontext ihrer Professionalisierung um 1900“

Für die geplante Tagung „Soziale Arbeit mit Musik im Kontext ihrer Professionalisierung um 1900. Ein historischer und internationaler Vergleich“ an der Katholischen Stiftungshochschule München (13.-14.11.2026) wurde ein Call for papers veröffentlicht: „Die Bedeutung Kultureller und Ästhetischer Bildung in Kontexten Sozialer Arbeit wurde und wird vielfach betont, und Musik ist selbstverständlich Teil dieser Bildungs- und Unterstützungsangebote. (…) kaum eine Publikation nimmt eine historische Perspektive ein, die die Anfangsjahre der Professionalisierung Sozialer Arbeit mit Musik fokussiert. (…) nach wie vor ist u.a. offen, wann, wo, wie, von wem und für wen Musik im Rahmen Sozialer Arbeit in den Anfangsjahren der Professionalisierung Sozialer Arbeit (ca. 1900–1920) in Deutschland oder in anderen Ländern eingesetzt wurde. Ein weiteres Desiderat stellt die Ausbildungssituation dar. Es ist weitestgehend unklar, ob und mit welchen theoretischen Begründungen, Konzepten und Zielsetzungen Musik als Fach an den neu gegründeten Frauenfach- oder Wohlfahrtsschulen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelehrt wurde. Diesen Fragen möchte die zweitägige internationale Tagung an der Katholischen Stiftungshochschule in München nachgehen. Beiträge, die sich mit den o.g. Fragestellungen befassen, sind herzlich willkommen und können bis zum 15.12.2025 eingereicht werden“.

04.11.2025

Symposium „Zum sozialen Nutzen von Musik für Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine“ 8.11.2025

Ein öffentliches Symposium des Landesmusikrats NRW mit vier moderierten Konzerten und zwei Panels beleuchtet den sozialen Nutzen von Musik für Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine am Beispiel der traditionellen ukrainischen Musik. Basierend auf der Bachelorarbeit von Jasper van den Hövel aus dem Jahr 2024 wird in zwei Gesprächsrunden mit Musiker*innen u.a. Bezug auf das Thema genommen. Mit dabei sind Religimuz, Trio Ukraina, dem jungen all female Gesangsensemble Ralets und dem deutsch-ukrainischen RAI-Chor, der die traditionelle Technik des Singens ohne Dirigat praktiziert und traditionellen Chorgesang aus der Ukraine präsentiert. Ein gemeinsames Singen aller beteiligten Musiker*innen mit dem Publikum wird die Veranstaltung abrunden und vom Pianisten Yaromyr Bozhenko begleitet. An Informationsständen werden musikalische Initiativen und Vereine aus NRW mit Bezug zur Ukraine über ihre Tätigkeiten berichten, sich austauschen und vernetzen. Die gesamte Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung per Mail ist bis zum 3. November 2025 möglich.

Wann? Samstag, 8.11.2025, 14-19 Uhr
Wo? Sozialzentrum des LVR-Klinikums Düsseldorf (Saal), Bergische Landstraße 2, 40629 Düsseldorf 

27.10.2025

7th EJN Award for Music & Community geht an Sounds of Change

Das Europe Jazz Network (EJN) vergibt seinen 7. EJN Award for Music & Community an die Initiative Sounds of Change. Die niederländische Stiftung schult Entwicklungshelfer*innen, Psycholog*innen, Lehrer*innen, Therapeut*innen und Musiker*innen darin, Musik als Instrument in psychosozialen Unterstützungs- und Bildungsprogrammen einzusetzen, insbesondere in Umgebungen, die von Konflikten, Vertreibung oder sozialen Traumata betroffen sind. Sie legt den Schwerpunkt auf kreative musikalische Prozesse – Improvisation, Komposition, Gruppenausdruck –, die in traumasensible Rahmenbedingungen eingebettet sind. Ihre Arbeit erstreckt sich über den Nahen Osten, die Ukraine, die Niederlande und Konfliktgebiete wie Flüchtlingslager und benachteiligte Gemeinden, wobei sie sich stets an die kulturelle und sprachliche Vielfalt anpasst. Sie unterstützt Partner dabei, musikalische Förderung in bestehende psychosoziale oder Bildungsprogramme zu integrieren, und bietet sowohl Vor-Ort- als auch Online-Schulungen an (einschließlich einer Online-Bibliothek mit Musikübungen und Handbüchern). Die Jury würdigt die Größe, Beständigkeit und langfristige Vision des Projekts und lobt ihren unerschütterlichen Glauben an die Fähigkeit der Musik, die Menschlichkeit dort wiederherzustellen, wo sie am stärksten gefährdet ist.

Die Jury lobte außerdem drei weitere Projekte, die Teilhabe fördern: FEEL SOUNDS (Deutschland) unter der Leitung von Yma América Martínez, eine inklusive Musikinitiative, die gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen durch Rhythmus, Vibration und Bewegung miteinander verbindet; Genetic Choir (Niederlande), ein Vokalensemble und eine künstlerische Gemeinschaft, die sich mit Projekten wie Stem & Luister in Pflegeheimen mit vollständig improvisiertem Gesang beschäftigt; Outsider Art Festival (Finnland), das künstlerische Gleichberechtigung feiert, indem es Musik und andere Kunstformen präsentiert, die am Rande der Gesellschaft entstanden sind, und zwar durch einen gemeinsam kuratierten und inklusiven Prozess.

15.10.2025

Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft informiert über die Evidenz von Musiktherapie

Musiktherapie setzt Musik im Rahmen einer therapeutischen Beziehung gezielt ein, um seelische, körperliche und geistige Gesundheit zu fördern – und kann genauso wirkungsvoll wie ein Opioid oder eine Verhaltenstherapie sein. Das erläuterte eine Expertin auf der Vorab-Online-Pressekonferenz der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft (DMtG) anlässlich des 13. Europäischen Musiktherapie-Kongresses. Eine Vielzahl von Studien zeige, dass Musiktherapie eine gesundheitsfördernde Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen entfaltet. Besonders gut erforscht und erprobt sind musiktherapeutische Anwendungen bei chronischen und akuten Schmerzen. Sie wirkt ähnlich wie Opioide, jedoch ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Darüber hinaus verbessert Musiktherapie körperliche Funktionen und Schlafqualität, lindert Müdigkeit, Angst und Depression. Bei Frühgeborenen wirkt Musiktherapie positiv auf die Herz- und Atemfrequenz, auf Blutdruck und Schmerzwerte, sie steigert Sauerstoffsättigung und Schlafdauer – und dies sogar im Schlaf. Sie hilft onkologischen Patient*innen, Patient*innen mit Depressionen und Angstsymptomatiken, autistischen Kindern und Menschen mit Demenz. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse plädiert die Expertin dafür, Musiktherapie häufiger einzusetzen und als Kassenleistung in die ambulante Versorgung aufzunehmen. „Angesichts der Tatsache, dass Psychotherapie in jedem fünften Fall abgebrochen wird, in vielen Kulturen mit sozialem Stigma behaftet ist und reine physiologische Behandlung oder Medikamententherapie oftmals mit Motivationsverlusten oder Nebenwirkungen einhergeht, kann Musiktherapie eine gute therapeutische Ergänzung sein“, sagte Dr. phil. habil. Sabine C. Koch, Professorin für Empirische Forschung in den Künstlerischen Therapien an der Alanus Hochschule Bonn und Direktorin des dortigen Forschungsinstituts für Künstlerische Therapien RIArT. „Zumal die Kosteneffizienz sehr gut ist, wie neue Studien belegen“, fügt die Expertin hinzu. Im internationalen Vergleich hinke Deutschland mit der Umsetzung von Versorgungsmaßnahmen anderen Ländern hinterher. 

31.07.2025

Fachtagung des Deutschen Musikrats „Musik und Gesundheit“ 18.10.2024

Klänge können die körperliche und psychische Gesundheit fördern und heilsam sein. Doch ein Leben mit und für die Musik kann auch körperliche und psychische Leiden verursachen: Stichwort Auftrittsangst oder Sehnenscheidenentzündung. Die Wechselwirkungen zwischen Musik und Gesundheit, etwa in den Bereichen Entwicklungspsychologie, Prävention und Demenz, aber auch Musikphysiologie und Musiker*innen-Gesundheit, sind so vielfältig wie faszinierend. Um das Thema zu vertiefen, veranstaltet der Deutsche Musikrat am 18. Oktober 2024 die Fachtagung „Musik und Gesundheit“ in der Katholischen Akademie in Berlin. Auf dem Programm stehen u.a. drei Panels zu den Themen Gesundheitsförderung durch Musik in der Lebensspanne, Musiktherapie und Musikphysiologie und Musiker*innen-Gesundheit. Kooperationspartner ist das Berliner Centrum für Musikermedizin an der Charité Berlin. Ziel der Tagung ist es, deren Resultate in einem kulturpolitischen Positionspapier des Deutschen Musikrats zu bündeln, das mit Blick auf die Potenziale der Musik die Gesundheitsförderung als gesellschaftspolitische Querschnittsaufgabe formuliert. Der Deutsche Musikrat möchte das positive Potenzial der Musik für eine gesunde Gesellschaft auch kulturpolitisch stärker akzentuieren und entsprechende Fördermaßnahmen, etwa zur Kostenübernahme von musiktherapeutischen Angeboten durch die Krankenkassen, etablieren.

Interessierte können sich für die Tagung  hier anmelden. Der Eintritt ist frei. Für alle, die nicht vor Ort sein können, wird es einen Livestream zur Veranstaltung geben.

26.09.2024

Musikhochschule Lübeck startet Forschungsprojekt zu Musik im Jugendarrest

Die Musikhochschule Lübeck (MHL) hat zum Wintersemester 2023/24 ein neues Projekt gestartet, das die Wirkung musikalischer Betätigung im Jugendarrest erforscht. Damit wird erstmalig aus musikpädagogischer Perspektive eine gesellschaftliche Gruppe in den Blick genommen, die überwiegend einem bildungsfernen Milieu entstammt und laut Studien kaum Zugang zu kulturellen Bildungsangeboten erhält. Bereits 2022 hat die MHL, vertreten durch Musikpädagogik-Professorin Annette Ziegenmeyer, eine Kooperation mit der Jugendarrestanstalt (JAA) Moltsfelde initiiert. Studierende eines ihrer musikpädagogischen Seminare entwickeln dabei jedes Semester musizierpraktische Angebote im Bereich der „Community Music“, die sie im Rahmen einer Projektwoche mit einer Gruppe straffällig gewordener Jugendlicher in Moltsfelde umsetzen. So sind unter anderem Songs entstanden, die die Jugendlichen unter Anleitung der Studierenden selber konzipierten, texteten, sangen und sogar instrumental begleiteten. „Die Jugendlichen können Musik als ein Mittel erleben, durch schwierige Lebensphasen hindurchzukommen. Sie lernen dabei eigene Grenzen zu überwinden und wieder positive Selbstwirksamkeit zu erleben“, fasst Annette Ziegenmeyer ihre durchweg positiven Erfahrungen zusammen. Durch die Förderung der Possehl-Stiftung mit 180.000 Euro kann nun ein dreijähriges Forschungsprojekt starten, das diese musikpädagogische Arbeit begleiten soll. Es befasst sich mit der Frage, inwieweit der Jugendarrest ein Ort kultureller Bildung darstellen und damit in die kulturelle Infrastruktur des Landes Schleswig-Holstein integriert werden kann. Jugendlichen und Heranwachsenden, die durch kulturelle Bildung bisher kaum erreicht wurden, können so möglicherweise neue Zugangsmöglichkeiten eröffnet und Musik als Teilaspekt in ihrer Resozialisierung verankert werden. Als weiterer Projektpartner konnte Dr. Andreas Heye von der Hochschule Bielefeld gewonnen werden, der in Bielefeld zeitgleich musikpädagogische Projekte im Jugendstrafvollzug durchführt und das Lübecker Projekt unterstützen und mitgestalten wird. Video

29.11.2023

„Länger fit durch Musik!“ fördert musikalische Projekte für Menschen mit Demenz

Das vom Bundesseniorenministerium geförderte Programm “Länger fit durch Musik!“ des Bundesmusikverbands Chor & Orchester (BMCO) richtet sich an Chöre, Orchester, Musikvereine, Kirchenmusikensembles und alle Musikensembles aus dem Amateurmusikbereich. Gefördert werden musikalische Projekte, die Menschen mit Demenz und/oder pflegende Angehörige aktiv einbinden, zum Beispiel bei regelmäßigen gemeinsamen Proben, Workshop- oder Konzertreihen. In der ersten Förderrunde werden 20 Modellprojekte für das Jahr 2024 ausgewählt. Interessierte Ensembles können sich auf eine Förderung von bis zu 9.500 € bewerben. Einsendeschluss: 30. September 2023

22.08.2023

#MelodivaSpotlight: Wasserkur für die Ohren 26.08.-01.10.2023

Auf ärzliche Empfehlung hin 3x täglich 10 Minuten an einem Bachlauf sitzen, ausgestattet mit einem messingfarbenen Hörrohr, und lauschen: Dass eine solche Hör-Kur – neben der Trinkkur und der Badekur – ebenfalls als regelrechte, gesundheitsfördernde Wasser-Anwendung verabreicht werden kann, ist heute ein bisschen in Vergessenheit geraten. Obwohl es angeblich Zeugnisse gibt, dass diese Hörkur in früheren Zeiten auch im quellenreichen Taunus praktiziert wurde… Das Liquid Penguin Ensemble – Katharina Bihler, Stefan Scheib, Sascha Ley und Krischan Kriesten – nimmt diese alte Tradition mit modernem technischen Gerät wieder auf und lädt zur Audiowalk-Performance „Wasserkur für die Ohren“: Mit Richtmikrophon und Funkkopfhörern ausgestattet, führen sie ihr Publikum durch einen Parcours aus höchst abwechslungsreichen akustischen Wasseranwendungen für die Ohren. Die (Kur-)Gäste genießen unter fachkundiger Anleitung die anregende Wirkung plaudernder Bäche, glucksender Quellen, rauschender Wogen, plätschernder Brunnen, prasselnden Regens, tropfender Hähne und prickelnden Champagners.

Termine: 26.08. & 30.10. Bad Schwalbach | 27.08. & 01.10. Schlangenbad

22.08.2023

Kultur & Gesundheit: Online-Gespräche in April/Mai

„Beyond the Obvious 2023 Handle with Care – Culture for Social Well-Being“ findet vom 7. bis 9. Juni 2023 in Elefsina (Griechenland) statt. Das internationale Treffen von Culture Action Europe (CAE) lädt Praktiker*innen, Organisationen und Institutionen, politische Entscheidungsträger*innen, Denker*innen, Forscher*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen aus dem Kultur-, Sozial- und Gesundheitssektor ein, die an Themen rund um Pflege, Wohlbefinden, Gesundheit und Kultur arbeiten. In Vorbereitung zur Tagung lädt CAE zu Online-Gesprächen im April und Mai ein. Der erste Online-Talk „Different takes on care: take one“ findet am 18. April von 13- 14 Uhr MESZ mit Maja Kuzmanoviç (Mitbegründerin des foAM-Netzwerks) u.a. statt (Anmeldung). „Care: Take two“ findet am Dienstag, 16. Mai von 13-14 Uhr (MESZ) statt und bringt Jill K. Sonke (Forscherin und Praktikerin, Kunst in der Medizin), Darren Abrams (ehemaliger Opernsänger, jetzt Psychotherapeut und Coach) u.a. zusammen, um sich auf Kultur und Kunst in Medizin & Heilung zu konzentrieren (Anmeldung).

17.04.2023

Studie beweist positive Auswirkungen von Online-Singangeboten

Vor rund drei Jahren, am 16. März 2020 trat der erste Corona-Lockdown in Kraft. Einsamkeit, Depression, der Griff zu Suchtmitteln waren Nebenwirkungen der sozialen Isolation. Um diese Auswirkungen zu bekämpfen und den Menschen einen musikalischen Wohlfühlort anzubieten, startete Sängerin, Stimmcoach und systemischer Business-Coach Ariane Roth während des Lockdowns wöchentliche Online Singtermine. Dass das gemeinsame Singen sich heilsam und wohltuend auf sie und ihre Kund*innen auswirkte, merkte sie recht schnell, obwohl die Teilnehmer*innen sich nicht im gleichen Raum befanden. Um die Auswirkungen genauer zu untersuchen, startete sie mit Prof. Dr. Thomas Schäfer von der Medical School Berlin eine Feldstudie, die untersuchte, welche Effekte die vierwöchige Teilnahme beim Online-Singen mit Ariane Roth auf die Teilnehmenden hatte. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Teilnehmenden erlebten sich durch die Teilnahme am Online-Singen als selbstwirksamer. In der Studie heißt es: „Da Selbstwirksamkeit eine zentrale persönliche Ressource zur Anpassung an belastende Umstände und Lebensereignisse darstellt, kann sie als Resilienzfaktor angesehen werden. Dies ist wohl das wichtigste Ergebnis der vorliegenden Studie. In diesem Ergebnis liegt ein großes Potential nicht nur für Angebote im Amateurbereich, sondern auch für musiktherapeutische Interventionen. Eine qualitative Untersuchung zeigte, dass intensive emotionale Erlebnisse beim bloßen Hören von Musik als Ressourcen in schwierigen Lebenssituationen genutzt werden (Schäfer et al., 2014). Aber auch jenseits von Krisen oder Stress ist eine hohe Selbstwirksamkeitsfähigkeit nachweislich ein Schlüssel zur Persönlichkeitsentwicklung und unterstützt die Verwirklichung persönlicher Ziele.“ Zusätzlich fühlten sich die Teilnehmenden weniger gestresst und weniger einsam. Die Ergebnisse der Studie können hier nachgelesen werden.

15.03.2023

Buchtipp: „Musik und Emotionen. Studien zur Strebetendenz-Theorie“

Musik wirkt emotional. Doch wie das funktioniert, war lange Zeit ein Rätsel – auch für die Wissenschaft. Besteht Musik doch – nüchtern betrachtet – nur aus schwingenden Luftmolekülen, die zunächst wenig Gemeinsames mit Emotionen erkennen lassen. Die Strebetendenz-Theorie (Theory of Musical Equilibration), die Daniela und Bernd Willimek in ihrem Buch „Musik und Emotionen“ (2019) entwickeln, besagt, dass Musik gar nicht in der Lage sei, auf direktem Weg Emotionen zu erzeugen. Vielmehr könne Musik bewirken, dass man sich mit „Willensvorgängen“ identifiziert, die in der Musik encodiert sind. Erst aufgrund dieser Identifikationen, so die Theorie, empfände man Musik emotional, ähnlich wie eine Kinobesucherin, die sich empathisch mit den Willensvorgängen der Protagonistin identifiziert.

Diese Willensvorgänge hätten etwas mit dem zu tun, was in der Musiktheorie als Leitton bezeichnet wird. Damit sind Töne gemeint, die den Drang zur Verwandlung in Nachbartöne in sich tragen. Die Strebetendenz-Theorie erklärt diese Leittöne jedoch auf eine andere Art: Sie sagt, dass man bei Leittönen keinen Drang zur Verwandlung in Nachbartöne wahrnimmt, sondern sich mit einem Willen identifiziert, den betreffenden Leitton unverändert beizubehalten. Aus dieser Sichtweise ergäbe sich die Möglichkeit, die emotionalen Charakter von Klängen zu erklären, z.B., warum ein Durakkord heiter, ein Akkord in Moll traurig klingt, warum der verminderte Septakkord als Ausdruck von Verzweiflung wahrgenommen wird usw. Die Autor*innen erklären ihre Theorie anhand zahlreicher Musikbeispiele – von Bach bis hin zur Popmusik. Ihre Erkenntnisse könnten auch für die Musiktherapie interessant sein: Schon vor einiger Zeit führten die Autor*innen weltweit Befragungen bei Schulkindern durch, die deutliche Übereinstimmungen in der Zuordnung von Klängen zu emotionalen Begriffen ergaben. Leichte Abweichungen zeigten sich jedoch, wenn Kinder mit psychischen Störungen diese Klänge emotionalen Begriffen zuordneten. Das könnte ein Hinweis sein, dass die Erkenntnisse der Strebetendenz-Theorie auch für die Musiktherapie wertvoll sein könnten, etwa bei der Diagnostik. Zukünftige Forschungen sollten darüber Aufschluss geben.

Das Buch ist im DWV-Verlag erhältlich und kostet 20 € zzgl. Versand.

11.01.2023