RIP: Barbara Thompson (1944-2022)

Eine bekannte Instrumentalistin ist Anfang Juli im Alter von 77 Jahren gestorben: die britische Saxofonistin Barbara Thompson. Sie hatte in London am Royal College of Music Saxofon und klassische Komposition studiert, entdeckte dann aber ihre Liebe zum Jazz. Im Laufe der 70er Jahre gründete sie drei Bands: das United Jazz and Rock Ensemble, in dem auch ihr Mann, der Schlagzeuger und Musikproduzent Jon Hiseman mitspielte, Barbara Thompson’s Jubiaba und Barbara Thompson’s Paraphernalia. Thompson schrieb zum Teil auch die Songs für diese Bands, darüber hinaus aber auch klassische Kompositionen sowie Musikstücke für Film und Fernsehen. In den 1970er Jahren lernte sie den Komponisten Andrew Lloyd Webber kennen und arbeitete mit ihm an seinen Musicals „Cats“ und „Starlight Express“. 1996 wurde die Saxofonistin vom britischen Königshaus für ihre Verdienste um die Musik mit einem Orden ausgezeichnet. Nur ein Jahr später erkrankte Thompson an Parkinson und zog sich aus der Livemusik zurück; neue Medikamente schlugen bei ihr jedoch so gut an, dass sie ab 2005 immer wieder mal mit verschiedenen Bands auf Tournee gehen konnte. Zuletzt erschien 2020 ihre Autobiografie „Journey To A Destination Unknown – The Autobiographical Story Of Her Musical Life“, Repertoire Records veröffentlichte die Box „Live At The BBC“ mit 14 CDs, auf der ein Querschnitt ihres Schaffens mit verschiedenen Besetzungen zwischen 1969 und 1990 zu hören ist. Thompson hinterlässt einen Sohn, eine Tochter und vier Enkel*innen.

18.07.2022

Buch-Tipp: Quellentexte zur Geschichte der Instrumentalistin im 19. Jahrhundert

„Wer’s nicht gesehen hat, denke sich einmal eine trompete-, horn- und posauneblasende oder gar fagottirende Dame. Welche Komik wird da bereits durch die bloße Vorstellung erregt!“ Mit dieser Ansicht war Wilhelm Joseph von Wasielewski, namhafter Geiger und Schumann-Biograph, keineswegs allein. Die Vorbehalte richteten sich auch gegen Flötistinnen, Klarinettistinnen, Violoncellistinnen und Organistinnen, während Geigerinnen sich im Lauf des Jahrhunderts gegen anfängliche Widerstände schließlich durchsetzen konnten. Auch Spielweise, Repertoire, Ausbildung, Berufsmöglichkeiten und Reisen von Instrumentalistinnen wurden im 19. Jahrhundert lebhaft diskutiert.
Die gerade im Olms Verlag erschienen „Quellentexte zur Geschichte der Instrumentalistin im 19. Jahrhundert“ von Freia Hoffmann und Volker Timmermann (Hg.) aus der Reihe Studien und Materialien zur Musikwissenschaft (Band 77) erlaubt es, den vielseitigen und durchaus widersprüchlichen Argumentationen nachzugehen. Sie enthält 167 deutsche, englische und französische Texte aus Musikzeitschriften, Tageszeitungen, Monographien und Sammelwerken. Thematisiert werden neben Grundsätzlichem Klavier, Streichinstrumente, Harfe und Gitarre, Orgel, Blasinstrumente und das allmähliche Entstehen von Frauenorchestern – eine logische Folge der Tatsache, dass Frauen (mit Ausnahme einiger Harfenistinnnen) aus anderen Orchestern ausgeschlossen blieben.
ISBN: 978-3-487-15020-8, 326 S. mit Abb., 19,80 Euro.

20.08.2013