Initiativen fordern landesweite Awareness-Strukturen in Rheinland-Pfalz
Mit einem offenen Brief wenden sich über 30 Fachakteur*innen und Initiativen aus Awareness-Arbeit, Veranstaltungswesen, Prävention und Gewaltschutz an die Politik und Verwaltung in Rheinland-Pfalz. Gefordert werden der Aufbau und Ausbau landesweiter Awareness-Strukturen bei öffentlichen und kulturellen Veranstaltungen, da diese zentrale Orte für gesellschaftliche Teilhabe seien.
Awareness-Arbeit soll diese Räume für alle sicher nutzbar machen und Menschen vor sexualisierter Gewalt, Diskriminierung und Grenzüberschreitungen schützen, Betroffene stärken und Übergriffen präventiv entgegenwirken.
Erste Erkenntnisse im Pilotprojekt wtf – what the fear
Das Pilotprojekt wtf – what the fear des Clubkombinat Hamburg e.V., welches von Juni bis September 2025 im öffentlichen Raum auf St. Pauli durchgeführt wurde, befasst sich mit Sicherheit im Nachtleben. Im Fokus standen dabei der Austausch und Diskurse über Schutzmaßnahmen, die Sensibilisierung für Gewalt- und Diskriminierungsformen, Empowerment für Betroffene, die Erfassung von Fallzahlen aus der Praxis sowie die Abfrage von Sicherheitsbedarfen im öffentlichen Raum. Maßnahmen umfassten hierbei beispielsweise einen gläsernen Informations- und Gesprächscontainer oder eine digitale Meldestelle.
Die Auswertung der digitalen Meldestelle lieferte erste Erkenntnisse: häufig auftretende Kategorien umfassen sexualisierte Grenzüberschreitungen; sexualisierte, körperliche Gewalt sowie Rassismus und körperliche-, queer- und transfeindliche Gewalt. Zudem ist über die Hälfte der Teilnehmenden (70%) weiblich oder divers (23%), während die Täterpersonen überwiegend als männlich oder unbekannt beschrieben werden.
Im Jahr 2026 soll das Projekt weitergeführt werden, mit dem Ziel den öffentlichen Raum und das Nachtleben auf St. Pauli sicherer und inklusiver zu gestalten.
act aware bietet kostenlose Online-Awareness-Workshops an (ab 5.11.)
act aware. ist ein gemeinnütziger Verein für mehr Awareness in Theorie und Praxis, der Veranstalter*innen und Kulturschaffende bei einem größeren Bewusstsein für Diskriminierungen und der Entwicklung eigener Awareness Konzepte für sicherere Räume unterstützt. Jetzt bietet der Verein drei kostenlose Online-Workshops für in der Musikbranche Tätige an, die erste Impulse, einen Austausch und Best Practices gebrauchen können:
Koordinierungsstelle Nachtleben in Stuttgart veranstaltet Awareness-Workshops
Neben allgemeinen Projekten und Ideen setzt die Koordinierungsstelle Nachtleben auch gezielt regelmäßige Workshops um. Diese Workshops richten sich an Akteur*innen von Club- & Nachkultur sowie Veranstalter*innen, Kollektive und weitere Initiativen. Im Oktober startet eine dreiteilige Workshopreihe, die aufeinander aufbaut und praxisnah zentrale Themen der Awarenessarbeit im Feier- und Nachtleben vertieft.
Das sind die nächsten Workshops der Koordinierungsstelle Nachtleben:
- Oktober: Grundlagen der Awarenessarbeit
- November: Banane, Decke Tee – Umgang mit Menschen in Ausnahmesituationen im Party-Setting
- Dezember: Awareness – Umgang mit besonders herausfordernden Situationen
Alle Angebote sind kostenlos, lediglich eine Anmeldung ist verpflichtend.
Netzwerktreffen „Awareness, Agency & Accountability in Music and Performing Arts“ 16.-17.10.2025 Basel
Migros-Kulturprozent m2act veranstaltet gemeinsam mit Helvetiarockt vom 16.-17.10.2025 das Netzwerktreffen m2act x Helvetiarockt: Awareness, Agency & Accountability in Music and Performing Arts in der Kaserne Basel, kHaus & Parterre One. Themen sind sexualisierte Gewalt in der Schweizer Kulturszene, mit Fokus auf die Darstellenden Künste und die (aktuelle) Musik. Zum Hintergrund: Kulturinstitutionen und Veranstaltungen sind zentrale Orte künstlerischer Produktion, des Erlebens und der Begegnung. Gleichzeitig sind sie aber auch Räume, in denen Menschen genderbasierte Diskriminierung und sexualisierte Gewalt erfahren. Spezifische Arbeitsbedingungen in den Darstellenden Künsten und der aktuellen Musik – etwa körperliche Nähe, emotionale Intensität, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Abhängigkeiten und informelle Machtstrukturen – bergen zusätzliche Risiken. Das Netzwerktreffen widmet sich dieser Realität und thematisiert Awareness-/Strategien und deren Umsetzung. Es schafft Raum für Austausch, Solidarität und Verbundenheit. Präventions-, Interventions- und Handlungsmöglichkeiten werden vermittelt, Unterstützungsangebote vorgestellt und Good Practices geteilt. Mit Workshops, einer Keynote, Diskussionen, dem Empowerment Space, einem Marktplatz und Theateraufführungen wird Wissen über sexualisierte Gewalt für alle zugänglich gemacht. Hier kannst du dich bis 06.10. anmelden.
[pop]meeting 2025 Convention für die Popmusikszene in Niedersachsen 29.-30.08.2025
Die Anmeldung für das [pop]meeting 2025 ist gestartet! Am 29. & 30. August 2025 treffen sich Musikschaffende, Veranstaltende, Kulturschaffende und alle Popkultur-Interessierten aus Niedersachsen im Musikzentrum Hannover, um sich zu vernetzen, weiterzubilden und voneinander zu lernen. Das [pop]meeting 2025 versteht sich als Plattform, um neue Ansätze zu diskutieren und um neue Impulse für die weitere Vorgehensweise in der Szene zu platzieren. Kernfragen für die musikalischen Akteur*innen sind weiterhin: Wie finde ich Auftrittsmöglichkeiten? Wie werde ich besser und erfolgreicher? Wie erreicht meine Musik ein breites Publikum? Wie kann ich meine Kunst online besser verwerten? Gerade für junge Musiker*innen und Newcomer*innen gibt es viele Workshops zu Themen wie Finanzierung, Social Media, Booking & Showdesign. Veranstaltende bekommen spannende Impulse zu Awareness, Nachhaltigkeit, Netzwerken im ländlichen Raum und professioneller Kulturarbeit mit wenig Ressourcen.
Teilnahme: 40 € (ermäßigt 20 €), Essen und Getränke sind inklusive!
Awarenesskonzept für Wiener Clubs wird ab 2026 Pflicht
Ab 2026 müssen Veranstalter*innen in Wiener Clubs und bei Konzerten ab 300 Besucher*innen ein Awarenesskonzept vorlegen, wenn bestimmte Rahmenbedingungen und ein Ende nach 21 Uhr gegeben sind. Das Konzept muss laut Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) zum Beispiel eine genau festgelegte Rettungskette enthalten. Außerdem sind je nach Publikumsgröße gestaffelt Awarenessbeauftragte zu bestellen. Die Veranstaltungsstätten müssen sicherer gemacht werden – etwa durch ausreichende Beleuchtung bei WC-Anlagen in Freibereichen oder von schwer einsehbaren Bereichen (zum Beispiel Gebüschgruppen).
Nach einer Umfrage 2023, der zufolge sich etwa 40 Prozent der Clubgäste gelegentlich unsicher fühlen, wurde die Workshopreihe „Safer Feiern“ der Vienna Club Commission aufgesetzt, mit der die Stadt Veranstaltende in Wien unterstützt. Diese umfasst sechs Module, in denen sich die Teilnehmenden intensiv mit dem Umgang und der Prävention von Diskriminierungs- und Gewaltformen in Clubs und auf Veranstaltungen beschäftigen. Die Reihe wird nun verlängert und auch auf die neuen Vorgaben ausgerichtet.
Interviewpartner*innen aus dem Bereich Neue Musik gesucht
Ein Studienprojekt, das sich mit „Backstage Awareness“ beschäftigt, sucht derzeit Interviewpartner*innen. Konkret richtet sich die Studie an marginalisierte Musiker*innen insbesondere aus dem Bereich Neue Musik, die bereit sind, an einem persönlichen Interview teilzunehmen. Im Zentrum stehen dabei persönliche Erfahrungen, Wahrnehmungen und Bedürfnisse rund um Diskriminierungsschutz, Sicherheitsgefühl, Barrierefreiheit und Umgangsformen im Konzert- bzw. Probenkontext. Ziel der Studie ist es, strukturelle Herausforderungen sichtbar zu machen und Handlungsspielräume für mehr Awareness in der Neuen Musik, speziell für Musiker*innen zu identifizieren. Die Ergebnisse der Forschung sollen dazu dienen, spezifische Awareness-Konzepte oder -Leitfäden für Musiker*innen zu erstellen, an welchen sich Veranstaltenden, Konzerthäuser etc. orientieren können.
Gesucht werden Personen, die sich selbst als marginalisiert verstehen, z. B. in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, Herkunft, Behinderung, Neurodivergenz oder andere gesellschaftlich benachteiligende Positionierungen. Außerdem sollten die Personen regelmäßig (mindestens vier Mal im Jahr) Konzertauftritte haben. Der Rahmen des Interviews: Dauer: ca. 60–90 Minuten | persönlich vor Ort, in einem selbst gewählten oder abgesprochenen Setting (auch aus Datenschutzgründen) | es wird anonymisiert oder pseudonymisiert ausgewertet (die Teilnehmenden entscheiden selbst, in welchem Maß) | alle Daten werden vertraulich behandelt, die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit abgebrochen werden.
Kontakt: Fee-Noa Wendsche, Mail
SUSTAIN! Green Culture Summit 18.09.2025
Keine Floskeln, keine Ausreden, stattdessen soziale Gerechtigkeit und kollektives Handeln: Die SUSTAIN! Partnerkonferenz von The Changency & Green Events Hamburg bringt am Donnerstag 18. September 2025 auf dem Reeperbahn Festival wieder Macher*innen der Branche zusammen – für mutige Ideen, klare Haltungen und nachhaltige Lösungen aus der Praxis. Zum dritten Mal bringen sie ein praxisnahes, interaktives und inspirierendes Programm auf die Bühne des Reeperbahn Festivals – mit mutigen Fragen, konkreten Lösungen und der klaren RBF Botschaft: „Imagine Togetherness“ – jetzt ist die Zeit für gemeinsames Handeln. Es geht um gute Kommunikation, innovatives Ticketing, Awareness, soziale Gerechtigkeit, kulturelle Teilhabe und Klimaschutz. Die Konferenz geht von 9:30-16:30 Uhr und findet im Schmidtchen in Hamburg statt. Zwischen den Sessions wird es immer wieder kurze Networkingpausen geben, um sich mit anderen Besucher*innen oder den Session-Teilnehmer*innen auszutauschen.
musicRLPwomen* stärkt Awareness-Strukturen vor Ort & digital
Im Rahmen seines Projektes zum Auf- und Ausbau von Awareness Strukturen in der Livemusikszene bietet musicrlpwomen* zwei Formate für Veranstaltende, Kulturschaffende, Verwaltung und Interessierte an: zum einen gibt es vier regionale Awareness Treffen in unterschiedliche Regionen (11.10. Mainz | 27.10. Trier | 29.10. Kaiserslautern | 05.11. Koblenz), die das Ziel haben, mit Awareness-Aktiven, Veranstaltenden sowie Vertreter*innen aus Stadt, Kommune und Verwaltung in den Austausch zu kommen, regionale Bedarfe sichtbar zu machen und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln (Anmeldung).
Zum anderen lädt das Ländernetzwerk von Music Women* Germany zu zwei Digitalen Workshops mit Johanna Bauhus ein. Am 25. September und 20. November 2025 geben die Macher*innen gemeinsam mit Awareness-Expertin Johanna Bauhus praxisnahe Einblicke, Handreichungen und Best Practices zur Umsetzung von Awareness-Konzepten. Die Teilnahme ist kostenfrei (Tickets).
Start der APPLAUS Bewerbungsphase
Der APPLAUS-Award – einer der höchstdotierten Bundeskulturpreise – geht in die zwölfte Runde! Von 24.4. (10 Uhr) – 22.5.2025 (18 Uhr) können sich Clubbetreiber*innen und Veranstalter*innen aus ganz Deutschland bewerben. Insgesamt stehen rund 1,6 Millionen Euro Preisgelder zur Verfügung. Ausgezeichnet werden herausragende Livemusikspielstätten und Konzertreihen in sechs Kategorien – darunter auch Awareness, Inklusion und Nachhaltigkeit. Für welche Kategorie ihr euch am besten bewerbt, findet ihr heraus, wenn ihr euch die Teilnahmebedingungen durchlest.
Helvetiarockt on tour: Sexualisierte Gewalt in Clubs & Festivals
Der Schweizer Verein Helvetiarockt geht ab April auf Bildungstour und bietet mehrere Workshops und Austauschformate für Mitarbeitende von Clubs und Festivals zum Thema sexualisierte Gewalt:
- Workshop: Wie holen wir das ganze Team für Awareness an Bord?
26.04. @ Case à Chocs, Lausanne (französisch)
28.04. @ Palace, St. Gallen (deutsch) - Austauschformat: Wo finden wir (finanzielle) Ressourcen für Awareness-Arbeit?
15.05. @ Amalgame, Yverdon-Les-Bains (französisch)
22.05. @ i45, Zug (deutsch) - Workshop: Wie messen wir die Wirkung unserer Awareness-Massnahmen?
19.11. @ Gaskessel, Bern (deutsch)
TBA @ Les Créatives, Genf (französisch)

