Radiotipp: Die Jazzstudie „in Real“ @ NDR Kultur 31.01.23 23:30 Uhr

Prekäre Einkommensverhältnisse, drohende Altersarmut, drastische Einbußen und mentale Belastungen aufgrund der Coronapandemie: Die Ergebnisse der aktuellen Jazzstudie sind alarmierend. Rund 1000 professionelle Jazzmusiker*innen wurden für die im November veröffentlichte Studie befragt. Fast 80 Prozent von ihnen besitzen einen Hochschulabschluss – und werden dennoch unterdurchschnittlich schlecht bezahlt. Doch was bedeuten die Ergebnisse und Zahlen konkret? Wie leben Jazzmusiker*innen heute – besonders, wenn sie nicht auf einen Hochschuljob oder ein festes Einkommen bauen können? In der heutigen Sendung begleitet Andrea Schwyzer zwei Künstler*innen, die „in real“ erzählen können: Die Saxofonistin und Komponistin Stephanie Lottermoser (zeitgleich mit der Jazzstudie ist ihr sechstes Studioalbum „In-Dependence“ erschienen) und den Posaunisten und Bandleader Uwe Granitza. Was verbinden sie mit ihrem Job der Jazzmusikerin und des Jazzmusikers? Wo finden sie sich in der Jazzstudie wieder? Wie gehen sie mit Zukunftsängsten um? Und was wünschen sie sich für ihren Beruf – politisch und gesellschaftlich.

31.01.2023

Ergebnisse der jazzstudie2016: MusikerInnen sind leidenschaftlich kreativ und schlecht bezahlt

Jazz leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag in der Kunst sowie im Bereich der kulturellen Bildung und doch bleiben die KünstlerInnen schmerzlich unterbezahlt: das durch musikalische Arbeit erzielte Jahreseinkommen der deutschen JazzmusikerInnen liegt bei durchschnittlich 12.500 Euro. Das zeigt die jazzstudie 2016, deren Ergebnisse am 16.03. im Haus der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin präsentiert wurden. 2.000 professionelle JazzmusikerInnen nahmen im vergangenen Jahr an einer großen Online-Befragung zu ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen teil. Auftraggeber der von dem Kulturwissenschaftler Thomas Renz vom Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim verfassten Studie waren das Darmstädter Jazzinstitut, die Union Deutscher Jazzmusiker und die Interessengemeinschaft Jazz Berlin.
Bei der Vorstellung der Studie in Berlin sah auch Siegmund Ehrmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, Handlungsbedarf: „Mit der jazzstudie2016 liegen endlich belastbare Zahlen vor, auf die Kulturpolitik jetzt reagieren muss. Dabei sind die Erkenntnisse weit über die Jazzszene hinaus für viele frei arbeitende Kulturschaffende relevant.“ Die Studie zeigt unter anderem, dass Jazz überwiegend im urbanen Raum geschaffen wird. Die Jazzmetropolen Köln und Berlin sind auch die Regionen, wo die meisten der Befragten leben und von denen nach Selbsteinschätzung der JazzmusikerInnen die wichtigsten künstlerischen Impulse ausgehen. Umso problematischer ist der Befund der Studie, dass insbesondere dort professionelle MusikerInnen selten mit mehr als 50 Euro pro Auftritt nach Hause gehen. Studienleiter Thomas Renz sieht daher die Notwendigkeit einer generellen Verbesserung des Gagenniveaus. „Die Landschaft der privaten und selten mit öffentlichen Mitteln geförderten Spielstätten für Jazzmusik ist geschichtlich gewachsen und bedarf einer finanziellen Stärkung„, so seine Empfehlung. Gebhard Ullmann, Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker, sieht einen klaren kulturpolitischen Handlungsbedarf: „Die Studie zeigt deutlich, dass spezifisch auf Jazz ausgerichtete Fördersysteme fehlen. Erst wenn Bund, Länder und Kommunen eine solide Infrastruktur für diese wichtige Kunstform bereitstellen, kann sich auch die Lebenssituation ihrer Künstler nachhaltig verbessern.“
Arndt Weidler vom Jazzinstitut Darmstadt wies darauf hin, dass Jazz und improvisierte Musik aus dem Musikleben in Deutschland nicht wegzudenken seien. Sie leisteten einen erheblichen Teil zur Weiterentwicklung von Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft. Aktueller Jazz sei gekennzeichnet durch offene Grenzen zu anderen Genres wie Rock, Pop, Neue Musik und Klassik und ebenso zu anderen performativen Künsten wie Tanz und Theater, aber auch Bildender Kunst oder Lyrik. In den letzten Jahrzehnten sei die aktive Jazzszene durch gezielte und intensive Nachwuchsfördermaßnahmen und umfassende Studienmöglichkeiten stetig gewachsen. Dem müsse die Kulturpolitik auf allen Ebenen nun auch Rechnung tragen.

Hier gibt es die Studie zum Download: www.jazzstudie2016.de.

22.03.2016

nrwjazz erforscht die Situation des Jazz in NRW

Der Startschuss der empirischen Erhebungen für eine außergewöhnliche Studie ist gefallen. Ab sofort befragt das Jazzportal für Nordrhein-Westfalen NRW’s JazzmusikerInnen sowie das Jazzpublikum. „Die Situation des Jazz in NRW“ lautet der Titel, unter dem bis Ende des Jahres die Jazzszene als Teil der Kreativwirtschaft in NRW unter die Lupe genommen wird. Die Studie will vor allem eins: Argumentationshilfen liefern. Und zwar für alle, die sich für eine bessere Förderung und mehr öffentliche Präsenz des Jazz in NRW stark machen – gegenüber den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, aber auch bei potenziellen Sponsoren, Stiftungen und Entscheidern über die Art und Weise von Förderungen und die Vergabe von Fördermitteln. Die Studie leistet damit „Entwicklungshilfe“ für die Jazzkultur in NRW.

Jazz in NRW ist mehr als eine Nische. Das oft beschworene Klischee von alten Herren, die in kleinen Runden in dunklen Kellern einer seltsamen musikalischen Passion nachgehen, passt bei näherer Betrachtung nicht mehr in die heutige Zeit. Monatlich finden auf den Bühnen in NRW über 200 Jazzkonzerte statt. Allein 30 Festivals stoßen auf beeindruckende Publikumsresonanz. Insgesamt sind geschätzte 1000 in NRW ansässige Jazzmusikerinnen und -musiker aktiv. In Köln und im Ruhrgebiet befinden sich zwei herausragende Hochschulen für den Jazz in Deutschland. Die Studie will deutlich machen, dass hier durchaus wirtschaftliches Handeln stattfindet, das neben künstlerischen auch monetäre Werte schafft. Dafür werden Rahmenbedingungen und Aktivitäten der verschiedenen Gruppen wie Musiker, Veranstalter, Spielstätten, Labels, Studios und Publikum betrachtet. Sie alle sind Teil der Verwertungskette zwischen Anbietern (=MusikerIn) und Jazzinteressierten sowie den Multiplikatoren (=Konzertveranstalter, Ausbildungsstätten, Medien).

Die MusikerInnen werden gesondert angeschrieben, die Publikums-Umfrage läuft über einen direkten Internet-link: https://myconvento.com/public/event_register/do_register/1184170. Die Beantwortung und spätere Auswertung der online-Fragebögen erfolgt immer anonym! Die Fragebögen sind bequem online auszufüllen. Bearbeitungszeit ca. 5 Minuten. Die Studie wird im Januar veröffentlicht und ist für jedermann erhältlich.

Infos & Kontakt: Bernd Zimmermann, nrwjazz.net | Jazzportal für Nordrhein-Westfalen, Zum Ehrenmal 18,
45894 Gelsenkirchen, phone: +49 [173] 288 4379, mail: ten.z1720967698zajwr1720967698n@nna1720967698mremm1720967698iz1720967698,
web: www.nrwjazz.net

27.09.2015

Bundesweiter Aktionstag der Lehrbeauftragten gegen prekäre Situation an Hochschulen

An vielen Hochschulen in ganz Deutschland machen Lehrbeauftragte in den nächsten Tagen auf ihre prekäre Situation aufmerksam. „Die finanzielle, rechtliche und soziale Lage der Lehrbeauftragten muss sich endlich verbessern. Mit ihren Aktionen wollen die Betroffenen die Politik und die Hochschulen zum Handeln bewegen“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung e.V. (DOV). Daher rufen die Deutsche Orchestervereinigung e.V. und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gemeinsam mit den Bundeskonferenzen der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen und der Sprachlehrbeauftragten an Hochschulen (bklm, bksl) am 06. November zum bundesweiten Aktionstag auf. In einer gemeinsamen Resolution, die am Aktionstag bundesweit verbreitet wird, fordern die Lehrbeauftragten die Schaffung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse, die Anpassung der Stundensätze für Lehrbeauftragte an die Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst sowie mehr Wahl- und Mitbestimmungsrechte. Darüber hinaus müsse die Grundfinanzierung der Hochschulen entsprechend aufgestockt werden.
Die bundesweit mehr als 85.000 Lehrbeauftragten leisten in der Lehre die gleiche Arbeit wie ihre fest angestellten Kollegen und Kolleginnen, erzielen jedoch nur einen Bruchteil von deren Einkommen. „Ohne Lehrbeauftragte würde der Lehrbetrieb an vielen Hochschulen zusammenbrechen. Es ist ein Skandal, dass Länder und Hochschulen zum Teil über die Hälfte des regulären Lehrangebots durch Lehrbeauftragte zum Billigtarif und ohne jeden arbeitsrechtlichen Schutz erbringen lassen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss auch an den Hochschulen gelten“, erklärt David Bowskill, der Vorsitzende der Abteilung Wissenschaft der GEW BERLIN. „Deutschland ist berühmt für seine erstklassige Ausbildung von Musikern. Studierende aus aller Welt kommen deshalb zu uns. Die Landesregierungen sind jedoch nicht bereit, einen großen Teil der Ausbilder dafür angemessen zu honorieren“, sagt Karola Theill, Mitglied der Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm). Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Tanz Rostock zum Beispiel verdienen im Schnitt 30 Euro pro Stunde. Sie dürfen aber nur neun Stunden pro Woche unterrichten und bekommen ihr Honorar nur während der Vorlesungszeit, also ca. 30 Wochen im Jahr. Rechnet man Steuern und Sozialabgaben ab, bleibt unterm Strich kaum etwas übrig. „Deshalb fordern wir feste Stellen oder entsprechend angepasste Honorare“, sagt Theill.
Lehrbeauftragte haben kein Arbeitsverhältnis mit der Hochschule, sie sind daher arbeits- und sozialrechtlich größtenteils nicht abgesichert (u.a. kein Geld im Krankheitsfall und in der vorlesungsfreien Zeit, kein Kündigungsschutz, kein Mutterschutz). Die Lehraufträge werden i.d.R. nur für ein Semester erteilt und können jederzeit aus wichtigem Grund widerrufen oder ohne Begründung nicht wieder erteilt werden. Die Bezahlung erfolgt nicht monatlich, sondern erst zum Ende des Semesters. Die kollektive Wahrnehmung der Interessen von Lehrbeauftragten ist bislang schwierig, da sie im Gegensatz zu anderen Hochschulangehörigen kaum über Wahl- und Mitbestimmungsrechte verfügen. Mit dem bundesweiten Aktionstag setzen die Lehrbeauftragten der GEW, der DOV sowie der und bkls und bklm ein deutliches Signal in Richtung Politik und Verwaltung, ihre berechtigen Anliegen künftig gemeinsam zu vertreten.

(Quelle: http://www.miz.org)

29.10.2014