Julie Campiche

“Unspoken“

Als Tribute „an die weibliche Kraft“  kündigt die Harfenistin Julie Campiche ihr erstes Solowerk an. Darauf bringt die Schweizer Musikpreisträgerin (2025) Stimmen zum Klingen, die so unbequem für eine patriarchale Gesellschaft sind, dass sie zum Schweigen gebracht werden: von mutigen Frauen, die sich dem Kampf gegen Gewalt und für Gerechtigkeit verschrieben haben. Wir erfahren von der Choreografin Andréa Bescond, die mit ihrer Arbeit auf die häufigen Fälle von Kindesmissbrauch hinweist; von der Straßenkünstlerin Maman du Ciel, die in Paris mit ihren Bildern den Inzest durch ihren Vater anprangert; der Schwarzen Aktivistin Tarana Burke, die die eigentlich, aber unbekannte Gründerin der MeToo-Bewegung ist. In „Rosa“ erzählt sie vom Schicksal vieler illegaler Haushaltshilfen. Mit Harfe, Stimme, elektronischen Klängen und Samples entwickelt sie eindringliche und ausdrucksstarke Collagen, die mal beklemmend, mal mitreißend wirken. Mit der Komposition „Zaïna“ – ihrer allerersten überhaupt – setzt sie einen Schlusspunkt, der auf Simone de Beauvoir Bezug nimmt: „We are not born woman, we become it“. Video

CD, 2026, 8 Tracks, Label: Ronin Rhythm Records

Mane Stelzer

23.02.2026