REMOTE BONDAGE

“GOOD GIRL“

Mit „GOOD GIRL“ veröffentlicht die Berliner Band REMOTE BONDAGE ihr Debütalbum, das sowohl genretechnisch als auch thematisch angenehm abwechslungsreich bleibt. Das Album fühlt sich ein bisschen an wie die Zwanziger: irgendwo zwischen dem Gefühl, ständig hinterherzuhängen, feministischen Statements, nostalgischen Kindheitserinnerungen, Gammelhandtüchern im WG-Bad und all dem Chaos, das in der Welt um uns herum auch noch passiert. In den Lyrics kann sich vermutlich jede*r an der einen oder anderen Stelle wiederfinden. Gleich der Opener „GOOD GIRL (go to hell)” zeigt klare Haltung: REMOTE BONDAGE brechen mit „weiblichen“ Verhaltensregeln und fordern dazu auf, laut zu sein und endlich Raum einzunehmen – das „good girl“ eben in die Hölle zu schicken. In “Ode an die Periode” besingen sie das ehemalige Tabuthema und monatliche (Nicht-)Lieblingsereignis aller Menschen mit Uterus – humorvoll, unverblümt und sogar mit überraschenden Opernelementen. Mit „So kann’s nicht bleiben“ wird der Ton ernster. Die Band greift die unterschwellig lauernde Grausamkeit des aktuellen Weltgeschehens auf und fragt: „Woll’n wir nicht alle das Gleiche? Wir wollen leben, doch geh’n über Leichen.“ Doch das Album bleibt nicht in der Schwere hängen: Ein besonderes Highlight ist das Feature mit der Punkband NIKRA. Gemeinsam stellen sie sich die Frage: „Wer hat gesagt, es kann nur eine geben?“ (Madonna vs. Britney) und kritisieren die ständige Vergleichskultur, der Frauen in der Öffentlichkeit ausgesetzt sind.REMOTE BONDAGE greifen alles in allem Themen auf, denen viele von uns vermutlich alltäglich begegnen und verpacken diese in einem sehr gelungenen Debüt voller Humor, Liebe, Wut und Gesellschaftskritik, das ehrlich und empowernd wirkt.

CD, 2026, 11 Tracks, Label: Munich Warehouse

Clara Hofmann

15.04.2026