Tamara Lukasheva

“Gleichung“

Auf ihrem neuen Album nimmt sich die mehrfach preisgekrönte Sängerin und Pianistin Tamara Lukasheva der Lyrik bedeutender Poet*innen an. Nur mit Piano und Stimme vertont die gebürtige Ukrainerin die Gedichte von Novalis, Rilke, Hildegard von Bingen, Brentano, Fontane, Clara Müller-Jahnke u.a. Es ist ihr erstes Soloalbum, nachdem sie seit 2016 vor allem mit ihrem Quartett in Erscheinung getreten ist. Und es ist enorm spannend, wie die Wahlkölnerin die deutsche Poesie in Szene setzt und über welches Repertoire sie gesanglich verfügt. Die Poesie vom Mondscheinzauber in einer dunklen Nacht, dem Kreisen um einen uralten Turm und dem All überflutender Liebe untermalt sie mit dunklen Piano-Texturen und behutsam schwingenden Gesängen, intim und nahbar. Vier Kompositionen kommen ganz ohne Worte aus, „Interludium“ gar ohne Piano, denn darauf sind nur Atem, Stimme und Körper zu hören. Großartig auch das flotte Duett mit sich selbst („Song for Anna“), „Der Schatten“ wagt gar einen Ausflug ins Experimentelle. Lukasheva hat kürzlich den WDR Jazzpreis 2021 in der Kategorie Komposition erhalten – es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihr das Album „Gleichung“ den nächsten Preis beschert.

CD, 2021, 11 Tracks, Label: wismART

Mane Stelzer

22.04.2021