
The Burnett Sisters Band
“Easy Come, Easy Go“
Also, ich bin jetzt mal ganz ehrlich. Beim ersten Reinhören in diese CD dachte ich: das ist überhaupt nicht die Sorte Musik, die ich meinen Ohren freiwillig zumute. Ich hatte etwas im Stil der Andrews Sisters erwartet – Musik im Jazz-Pop-Bereich. Aber das hier ist Country-Musik. Und ich bin kein Fan davon. Wie sollte ich mir da eine ganze Scheibe anhören? Und erst recht die Frage: Wie sollte ich über diese Musik schreiben? Ich habe mich aufs Sofa gesetzt und mir „Easy Come, Easy Go“ fünfmal hintereinander reingezogen. Und was soll ich sagen? Mit jedem Anhören gefiel mir die Musik immer besser. Am Ende konnte ich sogar alle Refrains mitsingen.
Der Country-Reigen eröffnet mit „Blaming You“, einem Stück im Walzertakt und – wie im Country-Genre üblich – einem traurigen Lied über das Verlassensein. „I’ll never get in your way | I’ll never ask you to stay “, singt Leadsängerin Anneli Burnett und lässt uns wissen, dass die Verlassene sich in ihr trauriges Schicksal fügen wird. Beim zweiten Stück „Fool’s Gold“ nimmt die Band Fahrt auf. Lead Vocals übernimmt diesmal Geary Allen, der auch auf Gitarre und Banjo temporeich zu hören ist. Auch er singt vom Verlassenwerden und wird im Refrain von Anneli und Anissa Burnett begleitet. Sologesang und Chorus wechseln sich ab und werden dabei von einem Gitarrensolo unterbrochen. Auf dem dritten Track geht es wieder ruhiger zu. „Don’t Let Me Fall“ singt Geary Allen zur dunklen Fiedel-Melodie von Anneli und Anissa Burnett, die auch den Refrain wieder einstimmen, während Sophia Burnetts dunkler Bass die Hoffnungslosigkeit des flehenden Gesangs weiter unterstreicht.
Die Burnett Sisters Band reist auf dieser (ihrer vierten) CD musikalisch durch die Stilrichtungen des Country. Von klassischen Fiedel-Melodien über Bluegrass und Americana bis zu temporeichen Flatfooting-Tanznummern präsentieren sie die Bandbreite des Genres, das sie seit über zehn Jahren in Live-Auftritten performen und virtuos beherrschen. Anissa gewann 2024 bei der Galax Old Fiddlers Convention das renommierte blaue Band in der Kategorie „Old-Time Fiddle“, und Anneli sicherte sich den ersten Platz in der Kategorie „Folk Song“. Auf dem letzten Track kommt alles zusammen. Das Stück in Moll eröffnet mit Anklängen einer spanischen Gitarre und wechselt dann zu einem flotten Harmony-Gesang, begleitet von einem schnellen, fröhlichen, hüpfenden Rhythmus, bei dem selbst mein gelähmter Fuß nicht stillhalten kann. Der Songtext von „Sorrow, Grief And Pain“ will zu diesem Rhythmus so gar nicht passen. „I got a one-way ticket to far away | Going down to the river to end this pain.” Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen so fröhlichen, temporeichen Selbstmord-Song gehört zu haben. Rasante Fiedel-, Mandoline- und Gitarrenläufe treiben das Stück voran; beim Tanzen fällt es schwer, mitzuhalten. Während es auf allen Tracks um den typischen Country-Herz-Schmerz-Thema geht, sticht der Songtext des Titeltracks hier aus der Reihe und handelt von einer Frau, die gerne ohne einen Kerl klarkommt. „Cos then at least I know I’m free“ singt Anissa auf „Easy Come, Easy Go“ während sie fröhlich fiedelt und Sophias Bass ungewöhnlich leichte Töne ansteuert.
Mein Fazit am Ende: Es lohnt sich, hin und wieder Musik zu hören, die nicht mit dem eigenen Musikgeschmack einhergeht. Dabei kann man schöne Überraschungen erleben.
CD, 2026, 10 Tracks, Label: Pinecastle Records
Tina Adomako12.05.2026

