Shirley Holmes

“Die Krone der Erschöpfung“

„Let’s go: Atmen, laufen, essen, riechen…“, und noch einige essenzielle Aktivitäten mehr zählen Shirley Holmes im halsbrecherischen Tempo von „Binichbinich“ auf, Opener ihres aktuellen Albums, das gerade bei Rookie Records erschienen ist. Das Trio aus Berlin (Mel: Gitarre, Miss Ziggy: Bass, Chris: Drums) hat sich für die Aufnahmen von „Die Krone der Erschöpfung“ Tool- und Red-Hot-Chili-Peppers-Producerin Sylvia Massy an Bord geholt, weshalb die Platte unfassbar tight und trotz der stilistischen Bandbreite auf-den-Punkt klingt. Ob Grunge und Punkrock mit irre schnellen Gitarrenriffs („Wieder sehen“), mysteriöse Wave-Experimente („Auszeit“, „Wolf von Brandenburg“) oder gar die Coverversion eines APO-Protestklassikers („Der alte Krieg“ von Gerd Semmer): Shirley Holmes trauen sich alles zu und kriegen alles hin. Aus jedem Song lassen sich prophetische T-Shirt-Slogans ziehen, „Ich warte auf das Leben; oder ist das schon die Wirklichkeit?“, oder „Ich schmeiß‘ ne Runde Sprit und zünde Schubladen an“ – die beiden Riot Grrrls plus Bandkollege hauen Pointe um Pointe raus, sind waghalsig, wagemutig, schlau, lustig, böse und ironisch. Shirley Holmes passen wahrhaftig in keine Schublade und sorgen in diesen merkwürdigen Zeiten für die nötige Dosis Punkrockpower.

CD, 2020, 10 Tracks, Label: Rookie Records

Christina Mohr

25.05.2020