Christine Tobin

“Deep Songs“

Christine Tobins Auftritte sowohl am Frankfurter Jazzfestival wie auch am Jazzfest Berlin wurden von einem begeisterten Publikum und – noch viel ungewöhnlicher – begeisterten Kritikern gefeiert. Auf ihrer neuen CD „Deep Songs“, ihrer vierten für das Babel-Label, steht sie als Songwriterin/Texterin mehr im Hintergrund als auf früheren Produktionen. Statt dessen hat sie ihre Lieblingsstücke aus dem Great American Songbook zusammengestellt, Stücke, die mit großen Jazzsängerinnen verbunden sind: Betty Carter, Billie Holiday, Shirley Horn oder Nina Simone standen Patin bei der Auswahl der Stücke. Tobin stellt die Songs ganz schlicht vor, läßt ihre warme Stimme ohne große Effekthascherei auf den Hörer einwirken, und ihre Band unterstützt sie dabei meisterhaft. Billy Hart, der seine Profizeit schließlich bei Shirley Horn begonnen hat, gibt der Band immer genau, was sie braucht: krispe Becken, sanfte Besenbegleitungen oder vorwärtstreibender Beat mit vollem Set. Nicht ohne Grund ist er Tobins Lieblingsdrummer. Gitarrist Phil Robson ist die rechte Hand von Christine Tobin, und Bassist Peter Herbert, der Österreicher in New York, ist ein ebenso guter Begleiter wie Solist. Über den Gastsolisten Mark Turner (Saxophon) braucht man fast keine Worte mehr zu verlieren: Dass er sich schnell und behutsam in die verschiedensten Bands einfühlen kann, hat er schon oft bewiesen. Die Arrangements sind tricky, besonders hat mich die Fassung von „Just One Of Those Things“ erfreut, die Ostinato-Unisono-Figur ist klasse ausgedacht. Just one of those records!

CD, 1999, 11 Tracks, Label: Babel / NRW

Angela Ballhorn

04.09.2001