Päivi Hirvonen

“Alku – The Beginning“

Die Vergangenheit, die unsere Zukunft definiert, wird thematisiert vom Album „Alku-The Beginning“ der Finnin Päivi Hirvonen. Die Musikerin, Komponistin, Wissenschaftlerin und Pädagogin kreiert ungewöhnliche Klänge und atmosphärische Songs. Traditionsverwurzelt mit Leier (Jouhikko), mit aparter Gesangsstimme und exquisiter Violinen-Virtuosität, hat sie wie so manche ihrer Musikerkolleginnen eine Variation von zeitgenössischer Folkmusik erfunden. Von der Sibelius Akademie stammend geht Hirvonen ihren Klangbereich akademisch und volksmusikalisch an. Als Doktorandin interessiert sie sich besonders für Solo-Konzerte und Storytelling. Dafür muss eine Folkmusikerin eigentlich nicht promovieren, sondern als Künstlerin um die Art und Weise des Performens traditioneller Folksongs wissen. Das ist auch autodidaktisch Überliefertes der Geschichten, Melodien und Rhythmen. Hirvonen integriert jedoch zudem die akademische Perspektive. In klassischer Musik ausgebildet hat sie die Naivität von Volksmusik nicht mehr, interpretiert aber musikgeschichtliche Folktradition in authentischer Manier mit der Jouhikko. Das ist die ungewöhnliche zwei- oder dreisaitige, mit Bogen gestrichenen Leier aus Finnland. Eine Variation der Kanteleninstrumente und der verrätselten Mythen, auf die sich dieser Sound bezieht. Päivi Hirvonen ist eine imponierende Persönlichkeit mit extravagant schillernden Songs. Ein sonderliches Klangreich und verschrobenes Poesiealbum bildet „Alku-The Beginning“. Das archaische und moderne Momente verbindet. Wo sind die Trolle? Nordische Emotionalität und Feeling der Musikstücke wirken faszinierend. Bei südlicheren Europäern, die mit den Geheimnissen und Facetten der Musik Finnlands nicht vertraut sind, kann Hirvonen sich schon interessant machen und sie dazu bringen, sich mit finnischen Kulturgütern zu beschäftigen. Und aus dem Schatten von Schweden und Norwegen zu holen.

CD, 2018, 7 Tracks, Label: Nordic Notes

Tina Karolina Stauner

02.03.2018