Rozi Plain

“Joined Sometimes Unjoined“

Manchmal kommt man ganz unverhofft zu einem neuen Lieblingsalbum, obwohl man die betreffende Künstlerin überhaupt nicht auf dem Schirm hatte – dabei könnte einem die in Bristol lebende Singer-/Songwriterin Rozi Plain sehr wohl ein Begriff sein, denn sie war schon mit u.a. Devendra Banhart, KT Tunstall und James Yorkston auf Tournee. Langer Rede, kurzer Sinn: Rozis neues, zweites Album „Joined Sometimes Unjoined“ macht großen Spaß und sollte in keiner Herbst-Playlist fehlen. Auf ihrem Debüt „Inside Over Here“ sang Rozi noch ziemlich schüchtern, „Joined Sometimes Unjoined“ ist selbstbewusster, ohne gleich die Türen einzutreten. Rozi Plain mixt Folk und Indiepop, mal mit punkiger Attitüde, mal freakig; die zehn Songs versprühen Achtzigerjahre-Früh-Indie-Charme, wirken vertraut und doch auch ganz anarchisch-neu. Die fabelhafte Single „See My Boat“, „Catch Up“ oder „Eating In Your House“ kommen zunächst fragil und schwerelos ‘rüber, zeigen aber schnell ihre verrückte Seite in Gestalt trickreicher Rhythmuswechsel und wirbeliger Refrains. Das Häkeldeckchen auf dem Cover verweist also nicht auf eine steife Five-O’clock-Tea-Gesellschaft, sondern auf eine gemütlich-verrückte Guerrilla-crafting-session in Rozi Plains Wohnzimmer – mit vielen Freunden: die MusikerInnen von Francois & The Atlas Mountain, This Is The Kit und Sleeping States unterstützen sie bei Liveauftritten und Videodrehs, und waren auch an den Aufnahmen zu „Joined Sometimes Unjoined“ beteiligt.

CD, 2012, 10 Tracks, Label: Talitres Records

Christina Mohr

23.09.2012